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Flashcards in Beteiligungslehre Deck (18):
1

Subjektive Teilnahmelehre

Täter ist, wer mit seinem Tatbeitrag nicht bloß fremdes Tun fördern will (animus socii), sondern die Tat als eigene will (animus auctoris). Wesentliche Anhaltspunkte dafür können der Grad des eigenen Interesses am Taterfolg, der Umfang der Tatbeteiligung und die Tatherrschaft oder wenigstens der Wille zur Tatherrschaft sein, so dass Durchführung und Ausgang der Tat maßgeblich auch vom Willen des Beteiligten abhängen.

2

Tatherrschaftslehre

Täter ist, wer als Zentralgestalt des Geschehens die planvoll-lenkende oder mitgestaltende Tatherrschaft besitzt. Tatherrschaft bedeutet, dass der Täter die Tatbestandsverwirklichung nach seinem Willen hemmen oder ablaufen lassen kann.
Teilnehmer ist hingegen, wer ohne eigene Tatherrschaft als Randfigur des tatsächlichen Geschehens die Begehung der Tat veranlasst oder sonst fördert.

3

3 Formen der Tatherrschaft (Tatherrschaftslehre)

Tatherrschaft in Form der Handlungsherrschaft hat, wer die Tat eigenhändig vornimmt (Fall des § 25 I 1. Var.).
Tatherrschaft in Form der Wissens- oder Willensherrschaft hat, wer den Ausführenden insbesondere durch Täuschung oder Zwang beherrscht (Fall des § 25 I 2. Var.).
Funktionelle Tatherrschaft besitzt, wer in arbeitsteiligem Zusammenwirken mit anderen die Durchführung der Tat wesentlich mit beherrscht (Fall des § 25 II).

4

Strenge Tatherrschaftslehre (Gemeinsame Tatausführung)

Nach der „strengen“ Tatherrschaftslehre ist stets eine objektive Mitwirkung im Ausführungsstadium der Tat, d. h. im Stadium zwischen Versuch und Vollendung erforderlich.

5

Gemäßigte Tatherrschaftslehre (Gemeinsame Tatausführung)

Verlangt wird, dass der im Vorbereitungsstadium geleistete Tatbeitrag im Ausführungsstadium fortwirkt und das Beteiligungsminus bei der realen Tatausführung durch ein besonderes Gewicht – mit anderen Worten: durch ein „Plus“ – bei der Planung der Tat im Vorbereitungsstadium ausgeglichen wird.

6

Unmittelbarer Täter

Gemäß § 25 I 1. Var. ist unmittelbarer Täter, wer die Tat „selbst begeht“, d. h. wer eigenhändig alle objektiven Tatbestandsmerkmale eines Straftatbestandes verwirklicht.

7

Nebentäterschaft

Mit dem Begriff der Nebentäterschaft wird die Selbstverständlichkeit charakterisiert, dass ein Täter außerhalb einer Mittäterschaft auch „neben“ einem oder mehreren anderen Tätern für denselben Erfolgseintritt täterschaftlich verantwortlich sein kann.

8

Mittelbarer Täter

Der mittelbare Täter verwirklicht die Tatbestandsmerkmale nicht eigenhändig, sondern bedient sich dazu ganz (so der Regelfall) oder im Ausnahmefall auch nur teilweise eines menschlichen Werkzeugs, über das er kraft überlegenen Wissens oder Wollens die Tatherrschaft ausübt.

9

Verantwortungsprinzip (Mittelbare Täterschaft)

Handelt der Vordermann tatbestandsmäßig, rechtswidrig und schuldhaft, so trägt er die strafrechtliche Verantwortung und beherrscht das tatbestandsmäßige Geschehen, weshalb eine mittelbare Täterschaft mangels unterlegener Stellung grundsätzlich ausscheidet.

10

Mittelbare Täterschaft kraft organisatorischer Machtapparate

Nach der einflussreichen Lehre von Roxin charakterisieren die folgenden vier Kriterien die Organisationsherrschaft:
(1) Anordnungsgewalt des Befehlsgebers in einem hierarchisch strukturierten Machtapparat.
(2) Rechtsgelöstheit des Machtapparates: Das Machtsystem muss sich zumindest im Rahmen der von ihm verwirklichten Straftatbestände vom Recht gelöst haben, so dass in dieser Gegenwelt der Ausführende annehmen kann, er habe keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten.
(3) Fungibilität des unmittelbar Ausführenden: Damit ist die beliebige Austauschbarkeit des agierenden Vordermanns durch zur Verfügung stehende andere Exekutoren gemeint.
(4) Wesentlich erhöhte Tatbereitschaft des Ausführenden: Mit diesem Kriterium, ist die besondere organisationsspezifische Tatbereitschaft gemeint, welche die Organisationszugehörigkeit erzeugt.

11

Mittäterschaft

Mittäterschaft heißt gemeinschaftliche Tatbegehung durch bewusstes und gewolltes Zusammenwirken

12

Gemeinsamer Tatentschluss

Der gemeinsame Tatentschluss setzt voraus, dass zwei oder mehr Personen (ernsthaft) verabredet haben, im gegenseitigen Einvernehmen gemeinsam bestimmte objektive Tatbeiträge zu verwirklichen und eine bestimmte Vorsatztat zu begehen.

13

Gemeinsame Tatausführung

Die gemeinsame Tatausführung setzt voraus, dass der jeweilige Beteiligte einen objektiven Tatbeitrag leistet.

14

Grundsatz der „limitierten“ Akzessorietät

Der Teilnehmer wird dafür bestraft, dass er in einer bestimmten Form an der Begehung einer anderen vorsätzlichen rechtswidrigen Tat mitwirkt. Diese Tat stellt die sog. Haupttat dar, von der die Strafbarkeit des Teilnehmers abhängt, freilich nur begrenzt, da der Haupttäter nicht schuldhaft handeln muss.

15

Strafgrund der Teilnahme

Das Teilnahmeunrecht setzt neben einer mittelbaren Rechtsgutsverletzung zusätzlich einen selbstständigen Rechtsgutsangriff voraus. Ein solcher entfällt namentlich dann, wenn der Haupttäter ein Rechtsgut angreift, das dem Teilnehmer gegenüber nicht geschützt ist („Theorie vom akzessorischen Rechtsgutsangriff").

16

Bestimmen (Anstiftung)

Bestimmen im Sinne des § 26 bedeutet das zumindest mitursächliche Hervorrufen des Tatentschlusses beim Haupttäter.

17

Verursachungstheorie (Anstiftung: Bestimmen)

Nach der Verursachungstheorie genügt für das Bestimmen jedes (mit-)kausale Hervorrufen des Tatentschlusses.

18

Kommunikationstheorie (Anstiftung: Bestimmen)

Nach der Kommunikationstheorie verlangt die Bestimmungshandlung eine kommunikative Beziehung, einen geistigen Kontakt zum Haupttäter.