Drei ethische Klassiker: Utilitarismus Flashcards

1
Q

Wer sind die Väter des Utilitarismus und was sind deren Hauptthesen?

A

Jeremy Bentham

  • Philosophischer Vater des Utilitarismus
  • Auf Basis vom Verständnis von „2 souveränen Meistern…Freude und Leid“ argumentierte Bentham, dass das größte Glück der größten Anzahl als Messzahl von richtig und falsch gilt, wodurch der Grad an Freude/Glück/Nutzen durch das „hedonistische Kalkül“ (felicific calculus) berechnet wird

Hauptkritik

  • Grundsätzlich zu hedonistisch
  • Berücksichtigt nicht ausreichend höhere Werte, insbesondere die Gerechtigkeit als Prinzip
  • Schützt nicht systematisch gegen das Wohl einer Person, welches auf Kosten vom Wohl einer anderen Person erreicht wird

John Stuart Mill

  • Führte die Entwicklung der utilitaristischen Disziplin fort
  • Verbesserte die Theorie gegen die Hauptkritik, indem er argumentierte, dass statt der Führung des hedonistischen Kalküls die Aufmerksamkeit eher auf den qualitativen Differenzen zwischen Nutzenarten liegen sollte
  • Anerkennung für Gerechtigkeit ist ein qualitativ hochwertiges Gut
  • Ungerechte Handlungen, wodurch eine Person wegen dem Nutzen einer anderen Person leidet, würden einen negativen Effekt auf den gesamten Nutzen haben → Ungerechte Handlungen führen nicht zur Erreichung des Utilitarismus-Prinzip (siehe Bentham)
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2
Q

Welche Rolle spielen Skalentheorien im Utilitarismus und welche Nutzenvergleiche lassen sie zu?

A
  • Das Skalenniveau/Messniveau/Skalendignität ist in der Empirie eine wichtige Eigenschaft von Merkmalen, bzw. Variablen
  • Je nach Art des Merkmals lassen sich verschiedene Stufen der Skalierbarkeit unterscheiden:
    a) Intervall- und Verhältnisskalen werden zur Kardinalsskala zusammengefasst (quantitative Merkmale)
    → Merkmale auf dieser Skala werden als metrisch bezeichnet
    b) Nominal- oder ordinal-skalierte Merkmale sind qualitativ (Rangordnungen, aber unklare Abstände)
    → Merkmale auf dieser Skala werden kategorial bezeichnet
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3
Q

Wie sind die wichtigsten Eigenschaften einer ordinalen und einer kardinalen Skala definiert?

A

Ordinalskala

  • Für ein ordinal skalierbares Merkmal bestehen Rangordnungen der Art „größer, kleiner, mehr, weniger, stärker, schwächer“ zwischen je zwei unterschiedlichen Merkmalswerten (z.B. x>y>z)
  • Die Abstände zwischen benachbarten Urteilsklassen ist unklar
  • Meist handelt es sich um qualitative Merkmale (Bsp: Schulnoten)
  • Eine Sonderform der Ordinalskala ist die Rangskala. Hierbei kann jeder Wert nur einmal vergeben werden

Kardinalskala

  • Die Reihenfolge der Merkmalswerte ist festgelegt und die Größe des Anstandes zwischen 2 Werten lässt sich sachlich begründen
  • Als metrische Skala macht sie Aussagen über den Betrag der Unterschiede zwischen zwei Klassen
  • Die Ungleichheit der Merkmalswerte lässt sich durch Differenzbildung quantifizieren. Der Nullpunkt und der Abstand der Klassen sind jedoch willkürlich festgelegt
  • Bei den metrischen Skalen unterscheidet man zwischen diskreten und kontinuierlichen Merkmalen
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4
Q

Welche Kritik am Utilitarismus ist möglich und welchen Schritt macht die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls?

A

Psychologischer Egoismus
- Jedes Individuum kann nur sein eigenes Glück anstreben. Ist diese These korrekt, ist der Utilitarismus widerlegt, da es dann nicht möglich ist, dass jemand das Glück alleranstrebt → Der unterstellte Wertmonismus ist unhaltbar
Wir leben in diesem Argument zufolge in einer wertpluralistischen Gesellschaft, Werte wie Glück, Gerechtigkeit, Freiheit, Würde, soziale Sicherheit lassen sich aber nicht zu einem Wert zusammenfassen

Welche Folgen einer Handlung sollen berücksichtigt werden? → Sind es die für den Handelnden Beabsichtigten, die Vorausgesehenen, die objektiv Voraussehbaren, die Faktischen oder die Wahrscheinlichen

Gerechtigkeitstheorie nach Rawls
- Gerechtigkeit ist eine Vertragstheorie, die die Frage der sozialen Gerechtigkeit miteinbezieht und Methoden der Entscheidungstheorie und Spieltheorie berücksichtigt
- Eine Gesellschaft hat zwei Grundfunktionen:
1- Förderung der Interessenharmonie
2- Bewältigung von Konflikten
- Gerechtigkeit ist „die erste Tugend sozialer Institutionen“

Kritik von Rawls am Utilitarismus

  • Individuelle Nutzenmaximierung wird auf die gesamte Gesellschaft übertragen, obwohl nicht gesagt werden kann, dass das größte Glück einer Gesellschaft in der Gesamtnutzenmaximierung besteht
  • Der Utilitarismus berücksichtigt die Verschiedenheit der einzelnen Menschen nicht
  • Die Gesellschaft bestimmt Rawls als ein Kooperationssystem, aus dem jeder einzelne Teilnehmer möglichst großen Vorteil ziehen kann
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5
Q

Erläutern sie die wichtigsten Schritte in der „Kardinalisierung“ individueller Nutzenvorstellungen und deren Übertragung auf Systemkommunikation

A

Kardinalisierung = Transformation von ordinalen Beziehungen in kardinale Nutzenvergleiche

Durch die Transformationsleistung der sozialen Kommunikationssysteme werden zuvor unvergleichbare Zielvorstellungen und Werte zunächst in eine ordinale Beziehung gesetzt und anschließend auf einer kardinalen Skala hierarchisch geordnet. Wie am Ende in der hierarchischen Ordnung die Ergebnisse bewertet werden, wird vor diesem Hintergrund analysiert.

Individuelle
- Handlungsvorstellungen
- Nutzenvorstellungen
In sozialen Situationen ← Wirtschaft als ordinale Beziehung individueller Vorstellungen über den Ressourcenaspekt ← Geld als kardinale Strukturierung von ordinalen Beziehungen der Wirtschaft

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6
Q

Welche methodischen Probleme ergeben sich für den Utilitarismus in der Ökonomie? (Welche Umsetzungsprobleme ergeben sich für den Utilitarismus in der Ökonomie?

A
  • Unter den Annahmen von identischen Wirtschaftsakteuren: Alle Akteure sind gleichermaßen in der Lage, ihren individuellen Nutzen auf Kosten vom Nutzen andere Akteure zu maximieren → Folglich ist Fairness gegeben
  • In diesem Rahmen wird „das größte Glück der größten Anzahl“ am besten erreicht, wenn jeder Agent danach strebt, seinen individuellen Nutzen zu maximiere, da jedes Individuum am besten über ihren eigenen Präferenzen informiert sind
  • Da in der Realität nicht alle Akteure gleich sind bedeutet dies, dass zur Reflektion von Mills Idee von „qualitativ überlegenen Gütern“ (z.B. Gerechtigkeit) die Gerechtigkeit in die individuelle Nutzenfunktion integriert werden muss
  • Dennoch ist die Aufnahme eines Gefühls von Ungerechtigkeit in der individuellen Nutzenfunktion abhängig von:
    a) Dem Individuum, das weiß, dass Ungerechtigkeit aufgetreten ist
    b) Dem Individuum, das wirklich Empathie mit negativ beeinflussten Individuen hat
  • In der heutigen globalisierten Welt ist das wirkliche Verstehen von allen Konsequenzen vom Handeln einer Person praktisch unmöglich
  • Folglich sind andere Mittel zur Gewährleistung der Gerechtigkeit in den Handlungen von Personen notwendig (Pflichtenethik, Kant & Kontraktualismus)
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7
Q

Welche ethische Funktion erfüllt der Utilitarismus um das Handeln in Kommunikationssystemen zu verstehen?

A

Bezüge des Utilitarismus zur Strukturierung systematischen Handelns
- Für die Kommunikationssysteme wird eine Funktion beschrieben, die als Hintergrund immer einen Nutzen erfüllt → Welches Verhalten ist in einem System ethisch?
- Einordnung der Funktion des Kommunikationssystems in gesellschaftliche Nutzenanforderungen (z.B. Überleben)
- Strukturmerkmale in einem Kommunikationssystem
- Welche Kardinalisierung? Austausch von Informationen? Welches Wertprinzip wird eingesetzt, um die Funktion zu erfüllen
→ Der Utilitarismus hilft, kardinale Strukturmerkmale der Kommunikationssysteme und damit der modernen Gesellschaft zu verstehen

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