Modelle sprachlicher Bildung, Durchgängige und Sprachförderung Flashcards Preview

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Flashcards in Modelle sprachlicher Bildung, Durchgängige und Sprachförderung Deck (15):
1

Modelle sprachlicher Bildung - des österreichischen Bildungssystems

Sprachbildung und Sprachförderung seit 2010 Differenzierung, trotzdem oft Verwechlsungen, Sprachförderung ist besonders relevant

Hier geht es um die Regelfächer und die dortigen Noten und es bezieht sich auf größere autochthone (alteingesessene) Minderheiten!

- Einsprachige Modelle:
- Submersion [=Eintauchen, Schüler werden in ein
einsprachiges Bildungssystem eingeschult, egal
welche und wie viele Sprachen sie sprechen, es
wird davon ausgegangen, dass Kinder sich schon anpassen werden]
- gestützte Submersion [Bspw. Schule in der eine andere Sprach unterrichtet wird aber mit Unterstützung]
- Immersion [schüler werden zwar in eine für sie fremdsprachige Schule eingeschult, aber Lehrer sind darauf eingestellt zB engl.sprachige Schule in Ö]

- Transitorische Modelle:
- Zunächst in mitgebrachter Sprache unterrichtet und langsam in Schulsprache eingeführt = schwierig weil Materialien fehlen und Übersetzung nicht immer geht

- Bilinguale Modelle (Spracherhaltsmodelle und Two Way Immersion-Modelle)
- In USA bei Evulation am besten abgeschnitten - SchülerInnen haben beste Erfolge, größere Bandbreite. Haben wir in Ö nicht und es gibt nicht so viele. Es geht um Deutsch & Migrationsspache (nicht um Englisch, das wäre Elitebilingualismus)

- Ö hauptsächlich Submersion, ab und zu gestützt
- Hauptsächlich engl. Fachdiskurs

2

Umgang mit Mehrsprachigkeit: Mehrere Sprachen und sprachliche Zugänge berücksichtigende Modelle

Bei klassischen Methoden nicht zu finden.

Mehrere Sprachen und sprachliche Zugänge berücksichtigende Modelle entwickeln sich seit einigen Jahren im Rahmen von Schulversuchen und sind auf den Umgang mit migrationsgesellschaftlicher Mehrsprachigkeit abgestimmt:

- In regulären Klassen, die durch große sprachliche Vielfalt in der Schülerschaft gekennzeichnet sind, erhalten Schülerinnen und Schüler additive Angebote zur Unterstützung in der Schulsprache und – im Idealfall damit verzahnt – Angebote zur Weiterentwicklung der verschiedenen Erst- und Familiensprachen. Hinzu kommt in günstigen Fällen die Berücksichtigung der Sprachentwicklung in der Schulsprache als Querschnittsaufgabe und die Berücksichtigung der Erst- und Familiensprachen als Medium des Lernens in den verschiedenen Fächern.

3

Sprachliche Merkmale „guter“ Schulen in multilingualen Umgebungen

Kontrast von Schulsprache und der Sprache zu Hause (nicht unbedingt Migrationshintergrund). Von innen kann man bestimmte Qualitätsmerkmale ableiten. Wie kann man damit umgehen?

Empirische Grundlagen:
1. Die Effektivität der einsprachigen und zweisprachigen Modelle sind vornehmlich im englischsprachigen Raum untersucht worden (referiert von Reich, Roth u.a. 2002, kommentiert etwa von Cummins 2008)
2. Zahlreiche Untersuchungen geben Hinweise auf erfolgreiche Strategien des Umgangs mit sprachlicher Vielfalt, u.a.:
- Projekt QUIMS: Sträuli 2008
Umgang mit sprachlicher Heterogenität in Kanada: Löser 2009
- Ergebnisse von Schulprojekten in England: Blair & Bourne 1998
- Untersuchung zu erfolgreichen Strategien der Zweitsprachförderung Rösch 2008
- Untersuchungen zur diagnosegestützten Zweitsprachförderung im Rahmen des BLK-Modells FörMig: Reich, Roth & Neumann (Hrsg.) 2007
- Wiener Untersuchung zum bilingualen Spracherwerb in der Migration: Krumm 2005

4

Sprachliche Merkmale „guter“ Schulen in multilingualen Umgebungen

- Verzahnung von Sprach- und Fachunterricht (alleine nicht so produktiv)
- Berücksichtigung des Deutschen als Zweitsprache in allen Unterrichtsfächern (Integrative Förderung zB weiß die Biolehrerin, dass Schüler gerade das Perfekt durchmachen und unterstützt das in der Stunde)
- Schullaufbahnübergreifende Unterstützung im Erwerb des Deutschen als Zweitsprache (mindesten 6 bis 8 Jahre Begleitung)
- Bildung in den nicht-deutschen (=Migrationssprache) Erstsprachen (Sprachunterricht)
- Nutzung der nicht-deutschen Erstsprachen als Medium des Lernens (Fachlernen)
- Verzahnung des Lehrens und Lernens in den Erstsprachen mit der Zweitsprache
- Explizites Grammatiklernen für die Sicherung der Nachhaltigkeit der Lernfortschritte im Deutschen als Zweitsprache
- Frühzeitige Sprachstandsdiagnosen (in beiden / allen Sprachen eines Kindes) für die passgenaue (diagnosegestützte) Sprachförderung

Ein "Defizit" gibt es prinzipiell nicht, bis Kinder in die Schule kommen -> Differenzierung der Benachteiligung an Schulen.

5

Schweizer Modellprojekt „Qualität in multikulturellen Schulen“ (QUIMS)

- Maßnahme: Seit 2005 als dauerhaftes Modell etabliertes Schulentwicklungsprojekt des Kantons Zürich
- Ziel: Allen Schülerinnen und Schülern gute und gleiche Chancen auf Bildung zu ermöglichen
- Teilnahme: Schulen, bei denen der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund mindestens 40 % der gesamten Schülerschaft ausmacht
- Unterstützung: Durch die Bildungsdirektion des Kantons Zürich. QUIMS-Schulen durchlaufen zunächst eine zweijährige Pilotphase.
- Schwerpunkte der Maßnahme: Ausbau der Literalität der Schülerinnen und Schüler, ihre Förderung im Deutschen als Zweitsprache und in den Herkunftssprachen und –kulturen (genannt „Heimatliche Sprache und Kultur“)

6

„Celebrate Diversity!“ – Das Modell Kanada (vgl. Löser 2009)

Löser hat Kanada, Schweden, Deutschland miteinander vergleichen auf sprachlicher und kultureller Vielfalt und den Umgang damit hauptsächlich an die jeweilige politische Ansicht geknüpft

- Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund weisen ähnlich gute Leistungen auf (Cummins 2008)
- Sprachlich-kulturelle Vielfalt explizit wertschätzende und fördernde Haltung bei Lehrerinnen und Lehrern
- Breite Unterstützung in Politik und Gesellschaft unter dem Motto „Celebrate Diversity“ (wird dort überall transportiert)
- Eltern werden ermutigt, die Kinder in der familiensprachlichen Entwicklung zu unterstützen
- Für die Integration von neuen Eltern und Kindern in die Schulen wird mehrsprachiges Personal eingesetzt („Settlement Worker in School“, Löser 2009) = quasi Sozialarbeiter, begleiten die Eltern und unterstützen si lange wie Bedarf besteht)
- Es ist selbstverständlich, dass mit Eltern, die die Amtssprachen nicht gut genug beherrschen, mit Dolmetschern kommuniziert wird
- Schülerinnen und Schüler werden ermutigt, ihre Familiensprachen zum Lernen zu nutzen, z.B. formulieren sie Beiträge zum Unterricht – wenn sie es möchten – erst in der Familiensprache. Der Beitrag wird dann in gemeinsamer Arbeit ins Englische übersetzt.
- Lehrerinnen und Lehrer erwarten nicht, dass die Kinder miteinander in Englisch kommunizieren. Ihr Argument dafür ist, dass die Kinder sich auf den
Unterrichtsgegenstand konzentrieren sollen und nicht durch den Zwang der Verwendung des Englischen abgelenkt werden. (Bei uns anders gesehen, unser Beharren auf Monolingualität kann auch negativ sein)

Das Konzept der "einfachen Sprache" ist sehr empfehlenswert oder auch "leichte Spache"-System, mit dem die Behördentexte vereinfacht werden.

7

Maßnahmen zur Reduzierung der Ungleichstellungen im monolingualen Bildungssystem …

… zwischen SuS mit und ohne Migrationshintergrund konzentrieren sich in Österreich und Deutschland auf Sprachförderung im Deutschen.

Unterschiedliche Ansätze für das zugänglich machen der Bildungssprache Deutsch:

- Fachsensibler Sprachunterricht - fächerbezogen
- Sprachsensibler Fachunterricht - auf Fach & Sprache eingehen
- Additive Deutschförderung - Zusatzangebot zum Regelunterricht
- Integrative Deutschförderung und durchgängige Sprachbildung

8

Sprachförderung – Sprachbildung

Sprachförderung
- Fokus auf das Deutsche - eigentlich DEUTSCHförderung!
- Anpassung an die Unterrichtssprache Deutsch
- i.d.R. durch additive Maßnahmen
- um zurecht zu kommen

Sprachbildung bzw. sprachliche Bildung
- sprachliche Bildung ist Teil (vor-) schulischer Bildung und Aufgabe der Lehrkräfte aller Fächer
- explizite Vermittlung von Bildungssprache im Regelunterricht
- Angebot für alle, in allen Fächern
- Unterschied zw. Dialekt, Alltagssprache etc.
- Sprachdidaktische Maßnahme für alle

9

Sprachförderung

Integrative Sprachförderung
Additive Sprachförderung
„Sprache im Fach“ (Fachvokabular zB im Physikunterricht)

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Bildungssprache

- sprachliches Register, das einerseits durch Ziele und Traditionen der Bildungsinstitutionen geprägt ist und andererseits nahezu ausschließlich in Bildungsinstitutionen angeeignet werden kann
- Bildungssprache ist (Bildungs-) Ziel und Handwerkszeug der Institution Schule gleichermaßen
- … wird in Bildungseinrichtungen mit monolingualem Selbstverständnis jedoch nicht explizit vermittelt

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Sprachliche Bildung

- Das monolingual geprägte Bildungswesen geht bislang davon aus, „dass alle nötigen sprachlichen Grundlagen ‚normalerweise‘ außerhalb der Schule erworben werden, und dass das, was noch fehlt, durch die Unterrichtsprozesse hindurch implizit hinzugewonnen wird.“
- Ungleiche Ausstattung von Familien mit sprachlichen und sozioökonomischen Ressourcen -> Verstärkung der sozialen Selektivität des Bildungswesens, wenn explizite Vermittlung bildungssprachlicher Fähigkeiten in den Bildungsinstitutionen selbst unterbleibt (Abhängigkeit des Bildungserfolgs nicht abhängig von der Familie)
- Allgemeine, Alltagskommunikation ermöglichende sprachliche Fähigkeiten sind für Schul-/Bildungserfolg nicht hinreichend
- Studien aus dem englischsprachigen Raum haben gezeigt, dass die Aneignung von Kompetenzen in einer zweiten Sprache, die für den Schulerfolg erforderlich sind, einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren beansprucht
-> bildungssprachliche Fähigkeiten

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Bildungssprache – Merkmale (Auswahl)

Bildungssprache (innen)
- abstrakte Inhalte
- komplexe Inhalte
- raum-zeitliche Distanz
- konzeptionelle Schriftlichkeit (bemüht ganze Sätze)
- Präzision

- Normierte Fachbegriffe (zB Dreisatz, Integral)
- Funktionsverbgefüge (etwas in Erfahrung bringen)
- umfängliche Attribute (Genauere Ausführung)
- differenzierter Wortschatz (Fachwortschatz)
- Präfiverben (Stolperstein)
- unpers. Konstruktion (passive: und- man-)

Bildungssprache will eine Unabhängigkeit. Mündliche Beiträge sollen an der Schriftsprache orientiert sein

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Sprachförderung – SprachbildungErfolg von Sprachbildungsmaßnahmen

Frage: Was ist ein gutes Angebot?

Modellprogramm FÖRMIG

Merkmale besonders erfolgreicher Standorte:

- integrierte Modelle, d. h. die Aneignung der deutschen Sprache unterstützende Maßnahmen sind in den Regelunterricht integriert, Fokus auf Bildungssprache
- z.T. vertiefende Zusatzangebote
- schulische und einrichtungsübergreifende Netzwerke, in denen konkret, systematisch und verbindlich an Förderkonzeptionen und deren Umsetzungen gearbeitet wird – Lernziele, Methodik, Austausch (ZB Zusammenarbeit Eltern-Schule, Bibliothek-Schule...)

(integrierte besser als additive, aber Kombi auch sehr gut!)

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Durchgängige Sprachbildung

- Ansatz zur Realisierung und Implementierung bildungssprachförderlichen Unterrichts
- 6 Merkmale:
1. Bildungssprache:
Die Lehrkräfte gestalten den Unterricht mit Blick auf das Register Bildungssprache und stellen die Verbindung von Allgemein- und Bildungssprache explizit her.
„Heute beschreiben wir ein Experiment. Dabei werden wir besonders auf Konditionalsätze achten.“
Verdeutlichung der sprachlichen und sachlichen Anforderungen, z.B. durch Reformulierungsaufgaben, Lernplakate, Wortgeländer, usw.
[Exkurs: scaffolding]
2. Berücksichtigung sprachlicher Ressourcen
Lehrkräfte diagnostizieren die individuellen sprachlichen Voraussetzungen und Entwicklungsprozesse
- schullaufbahnbegleitende von Sprachkompetenz
3. Die Lehrkräfte stellen allgemein- und bildungssprachliche Mittel bereit und modellieren diese:
- systematische Wortschatzarbeit; Vermittlung, in welchen Kontexten Wörter angemessen sind; Thematisierung von Strukturwörtern
- Sprachrezeption: Sprachgebrauch der Lehrkräfte als Vorbild, Vermittlung von Lesestrategien
- Sprachproduktion: Vorgabe von Formulierungshilfen (Modelltexte, Satzmuster, Satzanfänge, Wortmaterial,…); dialogisches Lernen
4. Die Schülerinnen und Schüler erhalten viele Gelegenheiten, allgemein- und bildungssprachliche Fähigkeiten zu erwerben, aktiv einzusetzen und zu entwickeln:
- Einbezug von L1-Kenntnissen, z.B. zur Aktivierung von Vorwissen, ihn Gruppenarbeitsphasen usw.
- vielfältige Möglichkeiten zum Sprechen und Schreiben im Unterricht; Zeit, Beiträge bewusst zu konstruieren/planen, …
5. Die Lehrkräfte unterstützen die Schülerinnen und Schüler in ihren individuellen Sprachbildungsprozessen:
. differenzierte Aufgabenstellungen, differenzierte unterschiedliche Hilfsmittel
- „Überangebot sprachlicher Mittel“: z.B. Wortlisten,
6. Überschriften als Textgliederung, Bildmaterial,…
Die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler überprüfen und bewerten die Ergebnisse der sprachlichen Bildung:
- konstruktive Haltung Fehlern gegenüber – kompetenzorientiertes Korrekturverhalten
- kriterienorientierte Erfassung und Bewertung sprachlicher Leistungen
- Bewusstmachung von Fortschritten
- Möglichkeit zur Selbstkorrektur und Schüler-Schüler-Korrektur

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Scaffolding

scaffold: “Gerüst”
- Methode aus dem englischsprachigen Raum
- “aufbauende Sprachförderung” (Roth 2010)
- SchülerInnen werden “Gerüste” angeboten, mit denen sie z.B. zu einer bildungssprachlichen Äußerung hingeleitet werden
- Die “Gerüste” werden wieder „demontiert”, wenn die SchülerInnen bestimmte Lernschritte abgeschlossen haben.

Makro-Scaffolding
- Bedarfsanalyse, z.B. Stolpersteine in einem Text
- Lernstandsanalyse (welche Strukturen können in der jeweiligen Lerngruppe zu Schwierigkeiten führen?)
- Unterrichtsplanung (Vorwissen aktivieren, Zusatzaufgaben einbeziehen, Arbeitsgruppen organisieren u.a.)

Mikro-Scaffolding – Unterrichtsinteraktion
- Ausbrechen aus „Frage-Antwort-Schema“
- Verlangsamung der Lehrer-Schüler-Interaktion, -
Gewährung von mehr Planungszeit für Schülerinnen und Schüler
- Variation der Interaktionsmuster, authentische Kommunikationssituationen mit Raum für komplexere Äußerungen (statt einer Ein-Wort-Antworten)
- aktives Zuhören durch die Lehrkraft
- Re-Kodierung von Schüleräußerungen durch die Lehrkraft, Verdeutlichung d. angemessenen Fachworts bzw. einer angemessenen Wendung im jeweiligen Kontext