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Flashcards in Verantwortung Schwerpunkt Deck (35):
1

Auf wen geht der Begriff "Verantwortung" zurück?

Der Begriff Verantwortungsethik geht auf Max Weber (1864-1920) zurück.

2

Als was empfiehlt er, ihn, in seinem Vortrag "Politik als Beruf"?

In seinem Vortrag „Politik als Beruf“ empfiehlt er ihn als ethische Orientierung für Politiker

3

Von was grenzt er ihn (Verantwortung) ab?

Er grenzt ihn vom Begriff Gesinnungsethik ab (dazu zählen etwa Sokrates, Platon, Aristoteles, die Stoa und partiell auch Kant)

4

Nach was werden Handlungen bei der Gesinnungsethik bewertet?

Bei der Gesinnungsethik werden Handlungen nach ihrer Absicht und der Realisierung eigener Werte und Prinzipien bewertet

5

Um was geht es bei der Verantwortungsethik?
bzw. was heißt es für Max Weber verantwortlich zu handeln?

Bei der Verantwortungsethik geht es nicht nur um die Absicht der Handlung, sondern vor allem um:
- die Kalkulierung der voraussehbaren Folgen des eigenen Handelns.
- unbeabsichtigte Nebenfolgen ebenso zu bedenken wie den Umstand, dass Positives in Negatives umschlagen kann.
- abschätzen, ob aus Wollen und Sollen auch ein Können folgen kann, d.h. die Umsetzungsmöglichkeiten eigener Handlungsabsichten rational abwägen.

6

Welche Auswirkungen bringen die Breichsethiken (Chemie, Bio, Physik, Technologie) mit sich?

Die Entdeckungen und Erfindungen der Natur- und Ingenieurswissenschaften – besonders
Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Informatik – haben in den letzten Jahrzehnten so
gewaltige Auswirkungen für die Menschen und ihre Umwelt gehabt, dass die Frage nach
der Verantwortung für die Folgen dieser Forschungen heute eine viel größere ethische
Bedeutung hat als noch vor hundert Jahren (Atomspaltung, Genveränderung,
Überwachung usw.)

7

Was lässt sich Folgern für den Begriff "Verantwortung"?

Verantwortung ist ein ethischer Schlüsselbegriff der modernen, technologischen Zivilisation (früher Pflichtbewusstsein)

8

Wer ist der wichtigste Vertreter der Verantwortungsethik?

Als wichtigster Vertreter der Verantwortungsethik gilt Hans Jonas (1903-1993)

9

In welche Dimensionen unterteilt er die Verantwortung?

• Wann? (Zeitdimension, Wann ist unverantwortliches Handeln strafbar? Wo sind die Grenzen der Zuständigkeit?)
• Wer? (Akteur, kollektive Verantwortung? Mitverantwortung?)
• Was? (Handlung, Welche Handlungen können wir verantworten? Erhöht sich die Verantwortung mit der Handlungsmacht des Menschen?)
• Wofür? (Folgen, Für welche Folgen trage ich die Verantwortung?, beabsichtigte Folgen, unbeabsichtigte Folgen, unabsehbare Folgen)
• Wovor? (Instanz: Gott, das Ich, ein Gericht, die Gesellschaft, die Natur?)
• Warum? (Gründe / Motive)

10

Was müsse die Ethik heute, laut Jonas, in den Blick nehmen?

Laut Jonas müsse heute eine Ethik der Wissenschaften einen ganz anderen Raum-, Zeit und Personenhorizont in den Blick nehmen als traditionelle Ethik

11

Was versucht Jonas zu überwinden und warum?

Jonas versucht den anthropozentrischen Standpunkt der traditionellen Ethik zu überwinden, da dies der geänderten Situation menschlichen Handelns nicht mehr gerecht wird (nicht mehr das Individuum steht im Mittelpunkt, sondern die gesamte Menschheit,
aber auch die Natur und Umwelt)

12

Für was wurden Menschen nie zuvor zu ihrer Verantwortung gezogen?

Nie zuvor wurden Menschen für die unbeabsichtigten Folgen ihres Handelns zur Verantwortung gezogen.

13

Welche Kategorien gewinnen erstmals ethische Bedeutung?

Die Kategorien des Risikos, der Folgenabschätzung, der Nebenwirkung und Langzeitfolgen gewinnen erstmals ethische Bedeutung.

14

Wie lautet der neue Imperativ (ökologische) Imperativ von Hans Jonas?

Handle so, dass die Wirkung deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.

15

Wie nennt Jonas seine Ethik und warum?

Er nennt seine Ethik daher eine Zukünftigkeitsethik, da sie sich nicht nur auf die aktuellen Mitmenschen oder Lebewesen bezieht, sondern vor allem auf die Nachgeborenen, die zukünftige Menschheit.

16

Was entspricht der Pflicht zur Nachhaltigkeit?

Unsere Pflicht zur Nachhaltigkeit entspricht diesem Recht der Nachgeborenen

17

Was sollte die unkritische technische Fortschrittsgläubigkeit tun und was sollte man daraus erkennen?

Die unkritische technische Fortschrittsgläubigkeit sollte, so Jonas, ersetzt werden durch eine neue Haltung, die erkennt: Man darf nicht alles was man kann.

18

Für was trägt der Handelnder also Verantwortung, bzw für welche Arten von Folgen?

Handelnder trägt also Verantwortung für beabsichtigte Folgen (Handlungsziel) und für in Kauf genommene Folgen (Begleiterscheinungen der gewählten Mittel)
• aber auch für nicht beabsichtigte, aber prinzipiell voraussehbare Folgen (Autofahrer rast durch Wohngebiet und reißt Kind in den Tod)
• allerdings nicht für ein prinzipielles Wissensdefizit, also nicht beabsichtigte und nicht
prinzipiell voraussehbare Folgen (Nebenwirkungen eines Medikaments sind nach dem
aktuellen Wissensstand nicht bekannt)

19

Was bedeutet Kausalhandlungsverantwortung (traditionelles Verständnis von Verantwortung) ?

• kausale Zurechnung vergangener Taten
• Bedingung ist kausale Macht des Handelnden
• wird für die Handlungs folgen haftbar gemacht (positiv: Folgen; negativ: Unterlassungen)

20

Sorge-Für-Verantwortung? (Verantwortung nach Hans Jonas)

Verantwortung für Zu-Tuendes, Zukünftiges

• zukünftiges Wohlergehen anderer
• Verpflichtung zu Taten
• liegt im Wirkungsbereich der Macht des Handelnden

21

Beispiel für Verantwortung? (Autofahrer zu schnell)

Ein Autofahrer ist kausal verantwortlich, wenn er eine Geschwindigkeitsgrenze überschritten hat, er muss eine Strafe zahlen, wird also zur Verantwortung gezogen. Er handelt aber auch im Sinne der Fürsorgeverantwortung falsch, da er durch die hohe
Geschwindigkeit zur Schädigung der Umwelt beiträgt.

22

Laut Art. 5 des deutschen Grundgesetzes, sind „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre frei“, doch wie frei sind Wissenschaft und Forschung wirklich?
Welche 3 Positionen gibt es?

1. Wissenschaft und Technik müssen völlig frei sein. Der Forscher trägt keine Verantwortung für die Folgen seines Tuns.

2. Wissenschaft und Forschung waren und sind nie frei. Die Forderung nach freier Forschung ist naiv.

3. Wissenschaft und Technik müssen durch Verantwortung begrenzt werden. Der Forscher trägt Verantwortung für die Folgen seines Tuns.

23

Welche medizinischen Konflikte gibt es?

• die moralischen Einschätzungen der medizinischen und genetischen Möglichkeiten innerhalb der medizinethischen Debatte gehen sehr weit auseinander

• orthodoxe Katholiken lehnen z.B. selbst Verhütungsmittel ab und bezeichnen
Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe als Mord, andererseits brüsten sich bspw. asiatische Wissenschaftler damit Embryonen geklont zu haben

24

Positionen zu medizinethischen Konflikten und wie sie argumentiert werden?

• Die deontologische (pflichtethische) Argumentation geht von der normativen Vorentscheidung aus, dass der Schutz von Menschenwürde im Sinne von Autonomie und Selbstzweckhaftigkeit des Menschen absoluten Vorrang vor Nützlichkeitserwägungen genießt.

• Die teleologische (zweckethische) Argumentation wägt utilitaristisch ab zwischen Schaden und Nutzen von Handlungen für alle Betroffenen. Als schutzwürdig gelten nur Personen. Danach kann etwa das Interesse vieler Kranker an einem Heilmittel stärker zählen als die Schutzwürdigkeit befruchteter Eizellen, die noch keine Bedürfnisse oder gar Interessen haben können.

25

Wie wird die Position 1.: "Wissenschaft und Technik müssen völlig frei sein. Der Forscher trägt keine Verantwortung für die Folgen seines Tuns." begründet`?

Zu 1.):
- Forschung, auf die wir aus moralischen Skrupel verzichten, betreiben andere weiter.
- Es gehört zum Wesen der Forschung, dass ihre Ergebnisse nicht abzusehen und abzuschätzen sind. Für unabsehbares kann aber keine Verantwortung übernommen werden.

26

Wie wird die Position 2.: "Wissenschaft und Forschung waren und sind nie frei. Die Forderung nach freier Forschung ist naiv." begründet?

Zu 2.):
- Früher haben Staat und Kirche Forschung gelenkt und verboten, heute tun dies staatliche und private wirtschaftliche Forschungsfinanzierungen.
- Forschung ist extrem an Verwertbarkeit orientiert, nur anwendungsorientierte Forschung wird finanziert.

27

Wie wird die Position 3.: "Wissenschaft und Technik müssen durch Verantwortung begrenzt werden. Der Forscher trägt Verantwortung für die Folgen seines Tuns."

Zu 3.):
- Die Vorstellung, ein Forscher könne die Ergebnisse seiner Forschung nicht abschätzen, ist naiv. Heute wird keine Forschung mehr finanziert, die ihr Ziel nicht genau definieren kann.
- Forscher stellen mit ihrer Arbeit Machtmittel zur Verfügung. Damit gaben sie das Recht und die Pflicht, über die Verwendung dieser Machtmittel mit zu entscheiden.

28

An welchen Werten und Normen orientieren sich die Bereichsethiken (Medizinethik, Wirtschaftsethik usw.)

- Tierethik: Um Normen und Wirklichkeit im Umgang mit Tieren.

- Ökologische Ethik: Thematisiert den Umgang mit belebter und unbelebter Natur insgesamt.

- Politische Ethik: Wie Staat und Gesellschaft organisiert sein sollten.

- Technik Ethik: Woran sich die Technik orientieren sollte.

- Pädagogische Ethik: Was normativ für Erziehung & Bildung gelten soll.

29

Zu welcher Ethik gehören die Bereichsethiken?

Zur angewandten Ethik, da es in all diesen Bereichsethiken zur konkreten Anwendung kommt, was in der normativen Ethik theoretisch an Postionen entwickelt ist.

30

In welchen Bereichen sind die wichtigsten Werte und normativen Orientierungen?

- In Bioethik: Vermeidung von Leichen und Schmerz bei Mensch und Tier; Menschenwürde; Lebensschutz

- In Medienethik: Schutz der Privatsphäre; Zensurfreiheit; Verzicht auf Manipulation

31

Welche 3 allg. Argumentationsweisen werden in bioethischen Konflikten unterschieden?

- Deduktive Argumentation ("top-down-Modell")
--> Selbstbestimmung oder Folgenabschätzung

- Induktive Argumentation ("bottom-up-Modell")
--> Einbezug von Präzedenzfällen

- Kohärente Argumentation
--> "Überlegungsgleichgewicht" (heute)

32

Kritik von Berd - Olaf Küppers (1944*) an Hans Jonas´ Verantwortungsethik? Auf was vertraut er?

- Küppers vertritt eine scharfe Gegenposition zu Jonas´ technikkritischer Ethik, die er spöttisch als "Bewahrungsethik" bezeichnet. Jonas verkenne, dass die Evolution nicht nur Daseinserhaltung, sondern ebenso Daseinvernichtung brauche und permanent betreibe.
-Die Technikfeindlichkeit für Jonas stehe, müsse überwunden und durch die Macht des Wissens ersetzt werden.

- Küppers vertraut darauf nur wissenschaftlich - technischer Fortschritt und vernünftige Erkenntnis seinen in der Lage den Fortbestand der Menscheit möglichst lange zu sichern; und nicht eben Glaube und Moral, die er für dogmatisch (= an einer einmal gefassten Meinung festhält) und widersprüchlich hält.

33

Wie lauten die vier SKIP - Argumente, die R. Spaemann anführt?

1. Zur (S=) Spezies der Meschen gehört der Embryo von Beginn an.

2. Die (K=) Kontinuität in der Entwicklung des Embryos lässt jede Abstufung im Status als willkürlich erscheinen.

3. Die (I=) Identität des Embryos mit dem aus ihm enstehenden Menschen verbietet jeden Eingriff in dessen Entwicklung.

4. Die (P=) Potenzialität des Embryos bedeutet, dass er sich zu einem lebensfähigen Menschen entwickelt, wenn man ihn nicht dran hindert.

34

In was sieht Mieth die Gefahr und was stellt er fest?

Mieth sieht die Gefahr einer "Gewöhnung an das Töten gegen Leiden" und stellt fest:
"Selbstbestimmung ist zwar oberstes Kriterium, aber deren Umsetzung kann nicht einfach kontextlos und umstandslos zu einem blinden Vollzug führen."

35

Welches Vorgehen empfiehlt J. Habermas (1929*) für ethisch angemessenes Handeln bei medizinethischen Konflikten?

- Personen können in einem herrschaftsfreien Diskurs festlegen, welche medizinischen und genetischen Eingriffe sie erlauben und verbieten wollen.

- Im ethischen Umgang mit all jenen, die nicht "diskursfähig" sind (Ungeborene, Komatöse), empfiehlt Habermas einen fiktiven Diskurs darüber, welchen Eingriffen (schlimmstenfalls der Tod) der Betroffene zustimmen KÖNNTE.
Beispiel:
Einem schwerst Kerbskranken, der extreme
Schmerzen leidet und bald sterben wird, darf ich unterstellen, wenn er sich nicht mehr äußern kann, dass er einverstanden wäre, keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr durchzuführen;
Einem Fötus der unter einem Downsyndrom leidet, werde ich nicht unterstellen dürfen, dass er nicht ausgetragen und geboren werden will.