D'Geschicht vun Lëtzebuerg Flashcards Preview

D1 Examen fir 10.12.2015 > D'Geschicht vun Lëtzebuerg > Flashcards

Flashcards in D'Geschicht vun Lëtzebuerg Deck (22):
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1) Geschichte des Großherzogtums Luxemburg ?

Trotz seiner geringen Größe ist das Großherzogtum Luxemburg ein Staat mit einer ungewöhnlich reichen Geschichte. Im Herzen Europas, zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland gelegen, hatte es Anteil an den großen europäischen Entwicklungen. Im Mittelalter trugen seine Fürsten die Krone des Heiligen Deutschen Reiches. In der Frühen Neuzeit war seine Festung ein Hauptstreitpunkt im Kampf zwischen den Großmächten. Als aufstrebendes und dynamisches Land spielte Luxemburg im 20. Jahrhundert eine maßgebliche Rolle im europäischen Einigungsprozess.

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2) Die frühen Ursprünge (10. Jahrhundert) ?

Der Name “Lucilinburhuc”, was so viel wie “kleine Burg” bedeutet, wird erstmals 963 in einer Tauschurkunde erwähnt. Aufgrund dieser Urkunde erwarb Graf Siegfried von der Abtei Sankt Maximin in Trier ein kleines Fort auf dem Bockfelsen, über dem Alzettetal.

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3) Die Gründung des Großherzogtums auf dem Wiener Kongress (1815) ?

Der Zusammenbruch des Napoleonischen Reiches führte 1815 zu einer Neuordnung der europäischen Landkarte mit unerwarteten Folgen für Luxemburg. Die auf dem Wiener Kongress versammelten Großmächte beschlossen die Gründung eines großen niederländischen Königreiches. Der neue Staat umfasste Holland, Lüttich und die ehemaligen Österreichischen Niederlande. Logischerweise hätte auch Luxemburg dazugehören müssen. Doch Luxemburg wurde zu einer gesonderten politischen Einheit. Das Land wurde zum Großherzogtum erhoben und dem König der Niederlande Wilhelm I. von Oranien-Nassau zugesprochen.Auf dem Papier wurde Luxemburg 1815 ein von den Niederlanden verschiedener Staat. In Wirklichkeit machte Wilhelm I. jedoch keinen Unterschied zwischen beiden und regierte das Großherzogtum, als sei es die 18. Provinz seines Königreiches. Die Wirtschafts- und vor allem Steuerpolitik der holländischen Regierung sorgte zunehmend für Unmut in der Bevölkerung. Es war somit nicht verwunderlich, dass sich die Einwohner des Großherzogtums beim Ausbruch der Belgischen Revolution 1830 auf die Seite der belgischen Aufständischen stellten.Die Großmächte beschlossen, Belgier und Niederländer durch die Gründung des belgischen Königreiches zu trennen und gleichzeitig das Großherzogtum zwischen beiden Gegnern aufzuteilen. Das belgische Parlament stimmte der Entscheidung zu,Wilhelm I. lehnte jedoch ab. Die Teilung wurde jedoch im Londoner Vertrag vom 19. April 1839 festgeschrieben. Das Großherzogtum Luxemburg blieb unter der Herrschaft des Hauses Oranien-Nassau und das belgische Luxemburg wurde zu einer Provinz Belgiens. Im Vertrag von 1839 wurden die Grenzen des Großherzogtums festgelegt, die seither unverändert geblieben sind.Nach 1839 bestand zwischen Luxemburg und den Niederlanden keine territoriale Verbindung mehr, so dass der König-Großherzog sich gezwungen sah, Luxemburg eine eigene Verwaltung zuzugestehen. Der neue Herrscher Wilhelm II. erklärte: „Ich will, dass Luxemburg von den Luxemburgern regiert wird.“Im Londoner Vertrag vom 11. Mai 1867 wurde der internationale Status Luxemburgs gefestigt wurde. Preußen zog seine Garnison ab, die Festung wurde geschleift und das Großherzogtum wurde zu einem auf ewig neutralen Staat unter der Garantie der Unterzeichnermächte erklärt.Mit dem Tod Wilhelms III. im Jahr 1890 erlosch allerdings die Personalunion der Niederlande mit Luxemburg. Während Wilhelmina, Tochter Wilhelms III., Nachfolgerin auf dem holländischen Thron wurde, fiel das Großherzogtum als Erbgut Adolf von Nassau-Weilburg zu. Luxemburg hat seit 1890 eine eigene Dynastie, das Haus Nassau- Weilburg, aus dem bislang sechs Landesherrscher hervorgegangen sind: Adolf (1890- 1905), Wilhelm IV. (1905-1912), Marie-Adelaïde (1912-1919), Charlotte (1919-1964), Jean (1964-2000) und Henri (seit 2000).

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4) Die Entwicklung des Nationalgefühls ?

Im 19. Jahrhundert glaubten nur wenige internationale Beobachter an eine Überlebenschance für dieses winzige Land.Die Herausbildung eines eigenen Nationalgefühls begann erst nach dem Entstehen des Luxemburger Staates. 1839 bedauerte die Bevölkerung des Großherzogtums die Trennung von Belgien. Doch bald schon fühlten sich die Luxemburger mit ihrem Staat verbunden und begannen die Vorteile der Unabhängigkeit schätzen zu lernen.Die Sprachenverwendung spielte sicherlich eine wichtige Rolle im Werden der Nation. Durch das Gesetz von 1843 über den Primärunterricht wurde neben dem Deutschunterricht auch der Französischunterricht obligatorisch. Alle Luxemburger Schüler müssen seitdem zwei Sprachen lernen: Französisch und Deutsch. Im Alltag sprechen die Luxemburger ihren Dialekt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Verwendung des „Lëtzebuergesch“ zum Symbol des Widerstands und des nationalen Zusammenhalts. Offiziell wurde das Luxemburgische 1984 durch ein Gesetz zur Landessprache erhoben, ohne jedoch die gleichzeitige Verwendung des Französischen und des Deutschen in Frage zu stellen.Luxemburg hat sich so eine eigenständige Identität geschaffen, die weder deutsch noch französisch noch belgisch ist, sondern eine Mischung aus den drei Kulturen.1914 wurde Luxemburg in den Ersten Weltkrieg hineingezogen. Am 2. August marschierte die deutsche Armee unter Missachtung der luxemburgischen Neutralität ins Großherzogtum ein. Der Luxemburger Staat protestierte gegen den deutschen Einmarsch, hielt jedoch an seiner strikten Neutralität. Die Besetzung beschränkte sich auf den militärischen Bereich. Die Institutionen des Luxemburger Staates blieben von der Besatzungsmacht unangetastet. Großherzogin und Regierung blieben im Amt. Nach dem Krieg machten die Alliierten Luxemburg seine Neutralitätspolitik zum Vorwurf.

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5) Die politische Krise und das Referendum von 1919 ?

In der Abgeordnetenkammer warfen die linken Abgeordneten der Großherzogin vor, während des Krieges Beziehungen zur Besatzungsmacht unterhalten zu haben. Am 9. Januar 1919 rief ein Wohlfahrtsausschuss die Republik aus. Diese Bewegungen stießen jedoch nicht auf die Zustimmung des Volkes und wurden bald darauf erstickt. Die Stellung von Großherzogin Marie-Adelaïde aber war endgültig beschädigt. Die Großherzogin beschloss, zugunsten ihrer jüngerer Schwester Charlotte abzudanken, die ihre Nachfolge sofort antrat.

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6) Der Zweite Weltkrieg: Zeit der Prüfung ?

Zweiundzwanzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wird Luxemburg am 10. Mai 1940 erneut von den Deutschen besetzt. Dem Großherzogtum sollte damit eine der schwersten Prüfungen seit seiner Gründung bevorstehen. Großherzogin Charlotte und die Luxemburger Regierung gingen ins Exil und ließen sich in London und Kanada nieder.Die deutsche Besetzung bedeutete das Ende der luxemburgischen Unabhängigkeit. Im Juli–August 1940 wurde Luxemburg unmittelbar deutscher Verwaltung unterstellt. Sämtliche luxemburgischen Staatsstrukturen wurden abgeschafft. Die Verwendung des Französischen wurde verboten. Bei einer Volkszählung antwortete die Mehrheit 1941 auf die drei entscheidenden Fragen nach Staatsangehörigkeit, Volkszugehörigkeit und Muttersprache mit „luxemburgisch“.Am 30. August 1942 ging der Okkupant noch weiter und führte in Luxemburg, ebenso wie im Elsass und in Lothringen, die Wehrpflicht ein. Insgesamt wurden 10.211 Luxemburger in die Wehrmacht zwangsrekrutiert. Mehr als ein Drittel weigerte sich, die deutsche Uniform zu tragen, und tauchte unter. Die deutsche Besatzungsmacht reagierte mit Terror: Deportation in den Osten, Einweisung in Konzentrationslager, Hinrichtungen. Die jüdische Gemeinschaft litt besonders unter dem Naziregime. Von den 3.700 Juden, die vor dem Krieg im Großherzogtum gelebt hatten, fielen 1.200 dem Holocaust zum Opfer.Am 10. September 1944 wurde Luxemburg von der amerikanischen Armee befreit. Allerdings konnten die Deutschen die Front entlang der Mosel festigen und gingen im Dezember 1944 zum Gegenangriff über. Die Ardennenoffensive verwüstete den Norden und Osten des Landes. Mit der Befreiung von Vianden, der Rückkehr von Großherzogin Charlotte aus dem Exil am 14. April und schließlich der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 endete der Krieg.

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7) Die Öffnung zur Welt ?

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Luxemburg seinen Neutralitätsstatus aufgegeben und konnte auf einen Platz in der sich nach 1945 herausbildenden internationalen Gemeinschaft zählen. Das Großherzogtum ist Gründungsmitglied aller auf multilateraler Zusammenarbeit beruhenden Organisationen der Nachkriegszeit.Die entscheidende Öffnung erfolgte allerdings erst im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses. Die historische Initiative zur Einigung der Europäer ging von einem französischen Außenminister aus, der in Luxemburg als Sohn eines französischen Vaters und einer luxemburgischen Mutter geboren wurde, nämlich Robert Schuman. Als Schuman 1950 seinen Plan zur Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) ins Leben rief, war Luxemburg mit eingebunden.Luxemburg unterzeichnete mit Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden 1957 die Römischen Verträge über die Gründung einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Das Großherzogtum spielte beim europäischen Aufbauwerk eine aktive Rolle. Premierminister Pierre Werner kann als Wegbereiter des Euro betrachtet werden. Das Schengener Übereinkommen über die Abschaffung der Personenkontrollen an den Grenzen ist nach dem luxemburgischen Dorf benannt, wo die ersten Abkommen 1985 unterzeichnet wurden. Von Joseph Bech bis Jean-Claude Juncker haben sich luxemburgische Politiker als geschickte Vermittler bei europäischen Verhandlungen hervorgetan.

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8) Sprachen in Luxemburg ?

Länder wie Luxemburg, in denen die Bevölkerung auf dem gesamten Staatsgebiet mehrere Sprachen schreibt und spricht, sind äußerst selten. Luxemburgisch ist seit 1984 Landessprache und Französisch Gesetzgebungssprache, wobei Französisch, Deutsch und Luxemburgisch alle drei als Verwaltungs- und Gerichtssprachen gelten.

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8.1 Sprachenverwendung: anerkannte Praktiken ohne offizielle Sprache ?

Da es im Großherzogtum keine offizielle Sprache gibt, sind Französisch, Deutsch und Luxemburgisch überall in unterschiedlichem Maße präsent und teilen sich ihre Rollen als Arbeits-, Schrift- und Verständigungssprache.

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8.2 Welche Sprachen für den Staat ?

Die Gesetze werden auf Französisch verfasst, das gesprochene Französisch ist allmählich aus dem Parlament verschwunden.Die regulären Debatten werden heute auf Luxemburgisch abgehalten. Die Fragen an die Regierung werden üblicherweise auf Französisch verfasst.Laut Gesetz vom Februar 1984 können im Verwaltungs- und Justizbereich Französisch, Deutsch und Luxemburgisch verwendet werden. Die gleiche Auswahlmöglichkeit hat der Bürger bei Gesuchen an Verwaltungen, wobei diese aber nicht unbedingt verpflichtet sind, seiner jeweiligen Vorliebe Rechnung zu tragen.Beim Luxemburger Staat beruht die Arbeitsweise der Verwaltung auf einem stabilen Gleichgewicht: Französisch wird als Schriftsprache, Luxemburgisch hingegen als gesprochene Sprache für Arbeit und Kommunikation bevorzugt.

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8.3 Welche Sprachen für die Schule ?

Sowohl während der Früherziehung als auch während des obligatorischen Vorschulunterrichts sprechen die Lehrer so viel wie möglich luxemburgisch mit ihren kleinen Schülern.In den Grundschulklassen kommen die anderen Sprachen hinzu. Mit sechs Jahren lernen die Kinder lesen und schreiben, und zwar auf Deutsch; ein Jahr später steht ebenfalls Französisch auf dem Lehrplan. Verkehrssprache im Grundschulunterricht ist Deutsch. 1991 wurden in den Gemeindeschulen Kurse auf Portugiesisch und Italienisch eingeführt.Auf diese Weise können Kinder ihre muttersprachlichen Kenntnisse vertiefen und ihrer Herkunftskultur verbunden bleiben.In den unteren Klassen der Sekundarstufe werden die meisten Fächer auf Deutsch unterrichtet. In den oberen Klassen hingegen werden im klassischen Sekundarunterricht mit Ausnahme der Sprachen alle Fächer auf Französisch unterrichtet, während im technischen Sekundarunterricht weiterhin das Deutsche dominiert.Die Universität Luxemburg steht ebenfalls im Zeichen der Vielsprachigkeit: Eines ihrer Grundprinzipien besteht in der Mehrsprachigkeit der Lehrveranstaltungen.

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8.4 Welche Sprachen für die Kirche ?

Die große Mehrheit der Luxemburger gehört der katholischen Kirche an. Ihre Mitteilungen werden auf Deutsch veröffentlicht. In Predigten und Gottesdiensten, einschließlich Taufen, Trauungen und Trauerfeiern, wird jedoch in der Regel Lëtzebuergesch gesprochen.

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8.5 Die Sprachsituation in den Medien ?

Während das Deutsche seit jeher die Sprache der Presse schlechthin ist, hat das Französische in den großen Tageszeitungen des Landes, dem „Luxemburger Wort“ und dem „Tageblatt“, doch nach und nach an Boden gewonnen. Wenngleich also Deutsch insgesamt an erster Stelle steht, „machen“ neuerdings doch auch andere Sprachen ihre eigenen „Schlagzeilen“.

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8.6 Sprache im Fernsehen ?

Im Fernsehen kommt das Luxemburgische seit 1991 zu Ehren, als RTL Télé Lëtzebuerg zum ersten Mal eine tägliche Nachrichtensendung ausstrahlte.

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8.7 Sprache im Hörfunk (Radio) ?

In diesem Medium ist das Programmangebot in luxemburgischer Sprache am reichhaltigsten. Selbstverständlich erzielen die luxemburgischen Rundfunksender auf nationaler und lokaler Ebene die höchsten Einschaltquoten, was zusammen mit dem Erfolg der Fernsehnachrichten deutlich macht, wie eng sich die Luxemburger ihrer Sprache verbunden fühlen.

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9) Literatur in Luxemburg ?

Rein linguistisch betrachtet gibt es die luxemburgische Literatur nicht, sondern eine Literatur, die sich in drei oder – rechnet man die Englisch schreibenden Autoren hinzu – gar in vier Sprachen ausdrückt. Als Luxemburgensia bezeichnet man alles Geschriebene oder Gedruckte das von Luxemburgern, in Luxemburg oder über Luxemburg geschaffen wird, unabhängig von der jeweiligen Sprache.Drei Autoren gelten heute als Klassiker der luxemburgischen Literatur: Michel Lentz, der den Text der luxemburgischen Nationalhymne „Ons Hémecht“ verfasst hat; Edmond de la Fontaine, besser bekannt unter seinem Pseudonym Dicks, der als Begründer des Theaters auf Lëtzebuergesch angesehen wird; und Michel Rodange, der „Renert oder de Fuuß am Frack an a Ma’nsgrëßt“ verfasst hat. Mit diesem populären Dreigestirn gelangt die Literatur in der Landessprache Ende des 19. Jahrhunderts zu höchster Blüte.Auguste Liesch, der Verfasser der „Maus Ketti“, zählt zu den beliebtesten luxemburgischen Mundartdichtern. Seine volkstümliche Fabel von der Feldmaus und der Stadtmaus gilt als fester Bestandteil der luxemburgischen Literatur und wird fast an allen Schulen unterrichtet.Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt für die luxemburgische Literatur nur als bedingt fruchtbare Zeit. Der Umbruch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt in mehreren Etappen. Zunächst in den 1950er und frühen 1960er Jahren, als Autoren wie Anise Koltz, Roger Manderscheid und Jean-Paul Jacobs auf den Plan treten.Einen weiteren Schub erlebt die luxemburgische Literatur in den späten 1960er Jahren durch die Werke einer jüngeren Schriftstellergeneration. Werke von Léopold Hoffmann werden hoch geschätzt.Einen Meilenstein in der neueren luxemburgischen Literaturgeschichte markiert das Jahr 1985 mit dem Erscheinen von Guy Rewenigs erstem Roman auf Luxemburgisch und Roger Manderscheids Trilogie. Beide Autoren feiern mit diesen Büchern große Publikumserfolge. Im darauffolgenden Jahrzehnt kommen weitere Werke auf Lëtzebuergesch heraus, die ohne Rewenigs und Manderscheids „Vorarbeit“ kaum denkbar wären. u Beginn des dritten Jahrtausends weist die luxemburgische Literatur in drei bzw. vier Sprachen eine große Vielfalt auf.Etliche staatliche und private Einrichtungen widmen sich der Pflege und Förderung der luxemburgischen Literatur. Als wichtigste Institution gilt das Centre national de littérature (Nationale Literaturzentrum), Daneben erfüllen die Archives nationales (Nationalarchiv), die Bibliothèque nationale (Nationalbibliothek) sowie landesweit verstreute Stadt- und Gemeindebibliotheken ihre Rolle im Dienst der luxemburgischen Literatur.

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10) Musik in Luxemburg ?

Die Musik spielt eine wichtige Rolle im Luxemburger Kulturleben. Bei der Musik „made in Luxembourg“ handelte es sich zunächst um volksmusikalische und patriotische Stücke sowie um Militärmusik: Das musikalische Schaffen ging kaum über die volkstümlichen Operetten des unter dem Namen Dicks bekannten Luxemburger Dichters und Musikers Edmond de la Fontaine hinaus. Seine erste Posse in luxemburgischer Sprache, „De Scholdschäin“, wurde 1855 uraufgeführt.Anlässlich der Einweihung der ersten luxemburgischen Eisenbahnlinie schrieb Michel Lentz eine Gelegenheitskantate über diesen wichtigen Durchbruch, die unter dem Titel „De Feierwon“ zur ersten Hymne des Landes werden sollte. Überall im Land entstanden Musikgesellschaften und Chöre.Beim ersten Musikfestival im Jahre 1864 führten 500 Sänger und 240 Instrumentalmusiker zum ersten Mal des Lied „Ons Hémecht“ auf, das zur heutigen luxemburgischen Nationalhymne werden sollte. Die Melodie stammt von dem Komponisten Jean-Antoine Zinnen, der damit einen Text von Michel Lentz vertonte.Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wollten die Komponisten über den Bereich der Volks- und Kirchenmusik hinausgehen.Durch den Radiosender Radio Luxemburg und dessen sinfonisches Ensemble, das Orchestre de Radio Luxembourg, wurde 1933 ein enges Band zwischen Luxemburg und der Orchestermusik geknüpft. 1953 verfügte die Villa Louvigny im hauptstädtischen Stadtpark über einen der schönsten Rundfunk-Konzertsäle in Europa.Die Musik spielt in der Bildung der Luxemburger Jugend eine wichtige Rolle. Am Conservatoire de musique de la Ville de Luxembourg (Musikkonservatorium der Stadt Luxemburg) werden so in den Klassen von Alexander Müllenbach oder Claude Lenners zahlreiche junge Komponistentalente auf eine vielversprechende Zukunft vorbereitet. Musikalische Bildungseinrichtungen gibt es in allen Teilen des Landes und viele Kinder und Jugendliche besuchen Konservatorien sowie öffentliche und private Musikschulen.Die über das Land verteilten Konzertsäle und zahlreichen Musikfestivals sind Zeichen sowohl für die Diversifizierung des Kulturlebens. Das in Wiltz gegründete Festival européen de théâtre en plein air et de musique (Europäisches Freilichtfestival für Theater und Musik) in den Luxemburger Ardennen ist das älteste Festival. Das Festival international Echternach (Internationales Festival Echternach) findet in der Abteistadt Echternach statt.

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11) Multikulturelles Luxemburg ?

Mit einem 11 von über 42% liegt das Großherzogtum Luxemburg mit Abstand an der Spitze der Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

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11.1 Die ersten Immigranten ?

Ein Blick in die Geschichtsbücher verrät, dass Immigration kein Phänomen ist, das sich auf die jüngere Vergangenheit beschränkt. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert kamen Arbeiter, Händler und Militärs aus Italien ins Land. Im 18. Jahrhundert folgten Tiroler Maurer und Architekten. Unter Ludwig XIV. wurde sogar mit finanziellen Anreizen dazu ermutigt, nach Luxemburg zu gehen und sich am Wiederaufbau der Festungsstadt zu beteiligen.Zu wahrhaftigen Einwanderungswellen kam es ab Ende des 19. Jahrhunderts, als Luxemburg einerseits noch ein armer Bauernstaat war, andererseits in der aufstrebenden Stahlindustrie zahlreiche neue Arbeitskräfte benötigt wurden.Während kurz vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche deutsche und italienische Arbeiter in ihre Heimat zurückkehrten, nahm die Immigration in der Zwischenzeit wieder zu. Doch infolge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre und im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs verloren zahlreiche Gastarbeiter ihre Arbeit und verließen das Land wieder.Die Ersten, die nach Kriegsende als Aufbauhelfer erneut ins Land kamen, waren wiederum die Italiener. Ende der 1950er Jahre flaute auch dieser Zustrom erneut ab, da die Italiener nun immer öfter zu Hause Arbeit fanden. In der zweiten Generation erlernten die Italiener die luxemburgische Sprache, in der dritten Generation begann ihre vollständige Integration in die luxemburgische Gesellschaft.

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11.2 Familien aus Portugal ?

Die Portugiesen kamen gleich mit Frau und Kind und wurden hauptsächlich im Baugewerbe, in der Industrie, der Gastronomie und als Handwerker tätig. Mit ihnen begann die zweite große Einwanderungswelle im 20. Jahrhundert Derzeitig machen sie rund 37% der im Großherzogtum lebenden Ausländer aus.

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11.3 Bankiers, Eurokraten und Akademiker ?

Mit zunehmender Bedeutung des Finanzplatzes Luxemburg ab den 1960er Jahren ließen sich auch zahlreiche Finanzfachleute aus ganz Europa, vornehmlich Franzosen, Belgier und Deutsche, im Großherzogtum nieder. Etwa zeitgleich zogen zahlreiche EU- Angestellte nach Luxemburg, um auf dem Kirchberg-Plateau in den Büros der verschiedenen europäischen Institutionen zu arbeiten.

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11.4 Flüchtlinge und Asylanten ?

Neben Migranten, die ihre Heimat aus politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder ökologischen Gründen verlassen, und Grenzgängern, die täglich aus den Nachbarregionen kommen, um in Luxemburg zu arbeiten, gibt es auch Flüchtlinge und Asylanten, die in Luxemburg Schutz suchen.Erleichtert wird die Integration von Ausländern zweifellos durch die Vielsprachigkeit im Land, in dem viele Einheimische die drei Amtssprachen beherrschen.