SS Vorlesung 6 Flashcards
(33 cards)
Wie werden in der Philosophie des Geistes mentale Zustände kategorisiert?
- Empfindungen / Stimmungen (z. B. Schmerz): haben Qualia (phänomenales Bewusstsein, wie sich etwas anfühlt, nicht physikalisch reduzierbar).
- Propositionale Einstellungen (ich weiß, dass…; ich habe Angst, dass…): Modus und Inhalt, Intentionalität (=“Gerichtetsein“ auf etwas)
Was bedeutet Intentionalität in der Philosophie des Geistes und was meinen wir mit Intentionalität im Gegensatz dazu im Alltag?
In der Philosophie des Geistes meint es ein Gerichtetsein auf etwas. Im Alltag meinen wir damit Zielgerichtetheit.
Durch welche zwei Aspekte sind propositionale Einstellungen charakterisiert?
Durch Modus und Inhalt (Evtl. Modus & Inhalt und Intentionalität)
Was sind Qualia? Geben Sie ein Beispiel?
Ein phänomenales Bewusstsein, wie sich etwas anfühlt, nicht physikalisch reduzierbar. Farben sind ein Beispiel. Jeder Mensch könnte andere Farben (andere Qualia) sehen. Solange die Unterschiedlichkeit der Farben gewährleistet ist, würde es nicht auffallen.
Inwiefern sind mentale Zustände privat und warum ist das ein Problem für die wissenschaftliche Erforschung?
Der Zugang zu mentalen Zuständen erfolgt ausschließlich über die 1.-Person-Perspektive. Ein Vergleich ist quasi nicht möglich, denn ein anderer Mensch empfindet die Schmerzstufe sechs des einen evtl. als eine zehn.
Inwieweit ist es problematisch zu behaupten, der Begriff „rot“ referiert auf einen mentalen „rot“-Eindruck?
Das tut er schlichtweg nicht. Jeder Mensch könnte andere Farben (andere Qualia) sehen. Solange die Unterschiedlichkeit der Farben gewährleistet ist, würde es nicht auffallen. Es wird also nicht der Inhalt (rot) referiert, sondern nur die Differenz zu anderen Begriffen (Strukturalismus).
Kann man die Existenz von Qualia durch ihre Funktion erklären?
Nein, denn beim Beispiel „Schmerz (Qualia) ist dazu da, damit ich meine Hand von der Herdplatte ziehe“ ist der gleiche Mechanismus auch ohne diese Qualia denkbar und erklärbar
Wie unterscheiden sich die Konzeptionen des „Ich“ bei Descartes, Kant und Hume?
- Descartes: Ich als reale Substanz (res cogitans), inklusive Denken, Wollen, Wünschen…. = Modi
- Kant: anders als bei Descartes das, was alle meine Vorstellungen begleitet. Also ohne die Vorstellungen und das Denken selbst. OHNE Modi!
- Hume: Nichts an meinen Bewusstseinsinhalten deutet auf ein Ich hin. „Ich meines Teils kann, wenn ich mir das, was ich als „mich“ bezeichne, so unmittelbar als irgend möglich vergegenwärtige, nicht umhin, jedesmal über die eine oder die andere Perzeption zu stolpern. Niemals treffe ich mich ohne eine Perzeption an.“ ?
Welche Eigenschaften hat das „Ich“ in der Philosophie des Geistes?
- Perspektivität (jetzt / hier)
- Meinigkeit (ob ich oder wer anders Schmerzen hat, macht einen großen Unterschied)
- Einheit / Identität (s. Kant)
- Reflexivität (Selbstbewusstsein)
Beschreiben Sie die mögliche Wechselwirkung zwischen Physischem und Psychischem anhand eines Beispiels. Worin besteht hierbei das Problem der kausalen Geschlossenheit?
Physisches kann Psychisches beeinflussen (Aspirin gegen Kopfweh); Psychisches kann Physisches beeinflussen (Absichten führen zu Bewegungen). Problem der fehlenden kausalen Geschlossenheit: Eigentlich sollte nur Physisches Physisches beeinflussen können…
Gehirn ist nicht gleich Geist!
Skizzieren Sie fünf verschiedene philosophische Konzeptionen zum Verhältnis von Leib und Seele.
- Parallelismus: Beide Bereiche sind exakt aufeinander abgestimmt, aber interagieren nicht
- Idealismus: Reduktion auf Psychisches (Leibniz)
- Materialismus: Reduktion auf Physikalisches (Carnap, Hempel), Behaviorismus
- Eigenschaftsdualismus: Das gleiche Etwas hat physische und psychische Eigenschaften
- Epiphänomenalismus: Physisches bewirkt Psychisches, aber nicht umgekehrt (Extrem-Position Libet-Exp.)
- Identitätstheorie: Gedanke=Gehirnzustand (Spinoza)
- Zwei-Sprachen-Theorie: Zwei inkommensurable (nicht aufeinander reduzierbare) Sprachen über dieselbe Welt
Geben Sie ein psychologisches Beispiel für eine Sprachvermischung, bei der den physischen Entitäten mentale Eigenschaften zugesprochen werden.
- Das Gehirn entscheidet….
- Die Neuronen erkennen….
Sollte vermieden werden.
Was unterscheidet Lockes Konzeption der Außenwelt vom naiven Realismus?
Naiver Realismus sagt, dass unsere Außenwelt so ist, wie wir sie wahrnehmen. Locke teilt die wahrgenommene Außenwelt in zwei Bereiche ein:
- primary qualities: Festigkeit, Ausdehnung, Gestalt, Anzahl sind Eigenschaften der Außenwelt
- secondary qualities: Farbe Geruch, Geschmack, Töne sind keine Eigenschaften der Außenwelt
Die Ausdehnung des grünen Baumes ist auch real in Außenwelt vorhanden, die Farbe aber nicht! Er verursacht aber eine Idee, nämlich dass er grün ist.
Warum sprach Fechner in Bezug auf Lockes primary qualities von einer „Nachtsicht“ der Welt?
Weil sie einer Nachtansicht der Welt gleichen. Sie sind ohne Farben etc.
Wie grenzt sich Berkeleys Idealismus argumentativ von Lockes Realismus ab?
- Berkeley: Locke unterscheidet zwischen Eigenschaften, die Gegenstände an sich als materielle Substanzen haben und Eigenschaften, die Gegenstände nur subjektbezogen haben
- Substanzen mit rein primären Qualitäten sind gar nicht vorstellbar, also sinnlos.
Wie lautet Berkeleys Leitspruch zum „Sein“? Und ist für ihn ein Stuhl nicht existent, wenn man nicht hinsieht?
„Esse est percipi“ (Sein ist wahrgenommen werden). Es gibt keine unerkennbare materielle Außenwelt, also kann der Stuhl außerhalb meiner Wahrnehmung nicht existieren.
Die Welt ist unabhängig von unseren Willensakten!
Wie erklärt Berkeley sich die Existenz von Gegenständen vor Anbeginn der Menschheit?
Sie waren dann statt im menschlichen Geist im Geist Gottes (da ja alle Dinge in irgendeinem Geist sein müssen).
Definieren Sie Realismus, Idealismus, Konstruktivismus.
- Realismus: Es gibt eine von uns unabhängige Außenwelt, sie ist mehr oder weniger erkennbar. (Descartes, Locke)
- Idealismus: Eine von uns unabhängige Außenwelt ist unerkennbar bzw. existiert nicht. (Berkeley, Hume, Kant)
- Konstruktivismus: betont aktive Rolle des Subjekts in der Konstruktion der Wirklichkeit.
Geben Sie Beispiele für realistische und idealistische Positionen in der klassischen Psychologie.
- Realismus: Wundt (seelische Erlebnisse in uns als, gegeben, was sie sind), Neisser (Hauptgrund, weshalb man kognitive Prozesse studieren sollte, weil es sie gibt),
- Idealismus: Ebbinghaus (psychologisch Relevantes, wird oft nicht erlebt, sondern erraten, erschlossen, konstruiert), MacCorquodale & Meehl (psychologische Begriffe als hypothetische Konstrukte. Ausschließlich durch Beziehung zu anderen theoretischen Begriffen definiert nicht durch Erfahrung.)
Inwieweit hat der Begriff „Konstrukt“ etwas mit Idealismus zu tun? Geben Sie psychologische Beispiele für „Konstrukte“.
Die Idealisten MacCorquodale & Meehl meinten: „psychologische Begriffe als hypothetische Konstrukte, sind ausschließlich durch Beziehung zu anderen theoretischen Begriffen definiert nicht durch Erfahrung.“ Eine von uns unabhängige Außenwelt ist also unerkennbar bzw. existiert nicht. Konstrukte sind z. B. Gedächtnis, Emotionen, Motivation etc.
Gibt es kognitive Strukturen, Prozesse und Mechanismen wirklich? Was spricht dafür, was dagegen?
„Prozesse wie Aufnahme, Verarbeitung, Speicherung und Abruf von Information werden weder erlebt, noch können sie durch Introspektion beobachtet werden; sie sind uns auch nicht bewusst; um Verhaltensweisen handelt es sich auch nicht und neurophysiologisch sind sie ebenfalls nicht.“ Alle Begriffe der Psychologie könnten also nur eine nützliche Fiktion sein. Allerdings helfen sie uns dabei Verhaltensweisen etc. zu erklären.
Inwiefern spielen Metaphern eine Rolle in Bezug auf theoretische Konstrukte in der Psychologie?
Es werden häufig theoretische, kaum falsifizierbare Postulate auf der Basis eines metaphorischen Modells gemacht. Letztlich wird die Erkenntnis über Rückschlüsse von Verhalten auf die Passung der Metapher gewonnen.
Ist der Zugriff auf die Außenwelt in der Teilchenphysik unmittelbarer als in der kognitiven Psychologie?
Nein!
Inwieweit kann man Schopenhauers philosophische Positionen von Descartes abgrenzen? Wie argumentiert Schopenhauer gegen Descartes?
Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Rationalität als Kernmerkmal des Subjekts, sondern auf dem Willen.
Schopenhauers Kritik: Erkennen des Erkennens nicht möglich, da bei Erkenntnis das Subjekt immer Subjekt bleiben muss (und nicht Objekt werden kann). Daher bleibt im Zuge der Selbstreflexion übrig, die „Erkenntnis des Selbst“ als „wollendes Subjekt”.