B. Paradigmen der Persönlichkeitspsychologie 1. Psychodynamisches Paradigma Flashcards

1
Q

Das dynamische Modell
Die menschliche Psyche als dynamisches Energiesystem:

A

 Dynamik zwischen Stärken und Schwächen (Kompensation vs. Dekompensation)

 Alle psychischen Prozesse (Gedanken, Gefühle und Verhaltensimpulse) erfordern und
verbrauchen Energie, die von angeborenen Trieben bereitgestellt

 Umwandlung von biologischer in psychische Energie → Triebspannung, die nach Entladung verlangt

 Entladung von Triebspannung wird als lustvoll empfunden

 Aufstauung der Triebspannung wird als unangenehm empfunden

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2
Q

Zwei elementare Triebe → Energien:

A

 Eros: Sexualtrieb, Selbsterhaltungstrieb → Libido

 Thanatos: Aggressionstrieb, Todestrieb → Destrudo

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3
Q

Das dynamische Modell
 Allgemeinpsychologisch:

A

Alles menschliche Denken, Fühlen und Verhalten werden durch tierische Triebe (grundlegende Natur menschlicher Motivation) energetisiert

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4
Q

Das dynamische Modell
Differentiell psychologisch:

A

angeborene Triebstärke könne zwischen Menschen variieren und Triebbefriedigung kann sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen mit unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit äußern (z.B. Aggressivität), d.h. genetisch bedingte interindividuelle Unterschiedeinterindividuelle Unterschiede in psychischen Prozesseninterindividuelle Besonderheiten im Verhalten

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5
Q

Das Strukturmodell
3 psychische Instanzen zur Steuerung der Triebbefriedigung:

A

Es = der von Geburt an angelegte Sitz der Triebe, der nach unmittelbarer Triebbefriedigung verlangt (Lustprinzip). Im ersten Lebensjahr ist Mensch noch nicht zum Befriedigungsaufschub im Stande, muss erst erlernt werden.

 Ich = entwickelt sich nach dem Es und handelt in Auseinandersetzung mit der Umwelt und den gemachten Erfahrungen, um „vernünftig“ Befriedigung zu erreichen (z.B. Befriedigungsaufschub oder -verlagerung), ohne in Konflikt mit sozialen Normen und Werten (Über-Ich) zu gelangen (Realitätsprinzip).

 Über-Ich = der zuletzt entwickelte Sitz der internalisierten Gebote (Ideal-Ich) und Verbote (Gewissen), welche von Bezugspersonen und der Kultur vermittelt werden, Triebe bewerten und „nichtmoralisches“ Denken, Fühlen und Verhalten mit Schuldgefühlen bestrafen (Moralitätsprinzip).

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6
Q

Konflikte–>Ängste–>Abwehrmechanismen

Ist das Ich nicht in der Lage, den Anforderungen von Es, Über-Ich und Außenwelt gerecht zu erden, entstehen Konflikte, die Angst auslösen:

A
  • Realangst entsteht durch Bedrohungen aus der Außenwelt, beispielsweise die Androhung von Strafe für den Fall, dass gegen eine Vorschrift verstoßen wird.
  • Moralische Angst entsteht, wenn das Ich gegen Ansprüche des Über-Ich verstößt. In diesem Fall droht das Über-Ich mit „Gewissensbissen”.
  • Neurotische Angst entsteht, wenn das Ich die triebhaften Ansprüche des Es nicht befriedigen kann und befürchten muss, die Kontrolle über das Es zu verlieren.

Zur Vorbeugung und Bewältigung von Ängsten setzt das Ich Abwehrmechanismen ein.

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7
Q

Verschiebung

A

Die Triebenergie wird vom ursprünglichen Triebobjekt auf ein anderes Objekt verlagert.
Beispiel: Die Wut auf den (mächtigen) Vater wird verlagert auf den kleinen Bruder, der sich weniger gut wehren kann

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8
Q

Sublimierung

A

Verbotene Formen der Triebbefriedigung werden durch zulässige oder sogar erwünschte
Handlungen ersetzt.
Beispiel: Aggressionen gegenüber anderen Menschen werden durch Schlagzeug Spielen sublimiert

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9
Q

Reaktionsbildung

A

Das verbotene Verhalten wird ins Gegenteil verkehrt.
Beispiel: Statt sich einer sexuell begehrten Person zu nähern, wird diese öffentlich herabge-
würdigt

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10
Q

Projektion

A

Der eigene Triebwunsch wird einer anderen Person unterstellt.
Beispiel: Die eigenen Aggressionen werden als Notwehr gegen Angriffe des anderen darge-stellt, der Vergewaltiger behauptet, verführt worden zu sein

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11
Q

Regression

A

Die Person zieht sich auf eine frühere Entwicklungsstufe der Triebbefriedigung zurück.
Beispiel: Statt das Wagnis verbotener sexueller Aktivitäten einzugehen, verschafft sich die Person Ersatzbefriedigung durch Essen, Trinken oder Rauchen

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12
Q

Rationalisierung

A

Verbotene Triebbefriedigung wird in akzeptables Verhalten umgedeutet.
Beispiel: Der Vater, der seine Kinder schlägt, rechtfertigt sich mit seinem Erziehungsauftrag

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13
Q

Verleugnung

A

Die Bedrohung wird bestritten.
Beispiel: Der notorische Brandstifter redet sich ein, dass nur die Dummen erwischt werden, nicht aber er

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14
Q

Verdrängung

A

Unerlaubte Handlungen, mit denen die Person ihren sexuellen und aggressiven Triebim-pulsen nachgegeben hat, werden ins Unbewusste (siehe unten) abgedrängt und sind daher dem Bewusstsein nicht mehr zugängtich, werden also nicht mehr erinnert und können deshalb keine Gewissensangst mehr verursachen

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15
Q

Das Strukturmodell
Drei Bewusstseinsebenen:

A

 Bewusstsein: enthält alle gegenwärtigen Gedanken, Vorstellungen,
Erinnerungen und Bilder, auf die die Person willentlich zugreift.

 Vorbewusstsein (10-20%): enthält alle bewusstseinsfähige Inhalte (v.a. Erinnerungen), die sich bei Bedarf sofort ins Bewusstsein rufen lassen.

 Unterbewusstsein (80-90%): enthält alle Gefühle, Erinnerungen und Wünsche, die nicht willkürlich zugängig gemacht werden können aber über motivationale Kräfte verhaltenswirksam werden (z.B. Freudscher Versprecher).

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16
Q

Das Strukturmodell
Allgemeinpsychologisch:

A

Das Strukturmodell ist ein System zur Beschreibung psychischer Instanzen bei allen Menschen

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17
Q

Das Strukturmodell
Differentiell psychologisch:

A

 Individuelle Unterschiede in der Ich-Stärke (Entwicklung des Selbstwertgefühls)

 Kulturelle Unterschiede → Variation zwischen Kulturen hinsichtlich der Gebote und Verbote im Über-Ich → Variation in der Regulation der Triebbefriedigung → Variation hinsichtlich der Intensität von Konflikten/Ängsten und Abwehrmechanismen

 Ausbildung der Vorlieben für bestimmte Abwehrmechanismen → Typen (z.B. „Represser“; „Verdränger“)

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18
Q

Das Entwicklungsmodell

A

 Die Art der Triebbefriedigung ändere sich während der Kindheit mehrfach und durchlaufe eine feste Abfolge von Phasen.

 Freud formulierte diese Annahmen nur für den Sexualtrieb detailliert aus.

 Jede psychosexuelle Entwicklungsphase ist durch eine erogene Zone des
Körpers definiert in der libidinöse Triebspannung erzeugt und abgebaut wird:

 Orale Phase: 0-1
 Anale Phase: 1-3
 Phallische oder Ödipale Phase: 3-5
 Latenzphase: 5-Pubertät
 Genitale Phase: Pubertät bis Erwachsenenalter

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19
Q

Orale Phase

A

 Erogene Zone: Mund, Lippen und Zunge
 Bedürfnis: Auf- und Einnehmen
 Triebbefriedigung: Saugen (auch ohne Nahrungsaufnahme)
 Entwicklungsaufgabe: Aufbau sozialen Vertrauens

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20
Q

Anale Phase

A

 Erogene Zone: Anus
 Bedürfnis: Ausscheidung
 Triebbefriedigung: kontrollierter Stuhlgang
 Entwicklungsaufgabe: Aufbau der Selbstkontrolle → Entwicklung des Ich und der Ich-Stärke (des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls)

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21
Q

Phallische Phase

A

 Erogene Zone: Genitalien
 Bedürfnis:
 Jungen rivalisieren mit Vater um Mutter → Angst vor dem Vater
 Mädchen rivalisieren mit Mutter um Vater → Angst vor der Mutter
 Triebbefriedigung: Bindung an das gegengeschlechtliche Elternteil
 Entwicklungsaufgabe: Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen
Elternteil
 → Übernahme der Geschlechterrolle, Werte und Normen von den Eltern
 → Entwicklung des Über-Ich

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22
Q

Latenzphase

A

 Sexualtrieb „schlummert“ und die geistige Entwicklung tritt in den Vordergrund, Identifikation mit Peers wird wichtiger

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23
Q

Genitale Phase

A

 Erogene Zone: Genitalien
 Bedürfnis: Intimität, Sex
 Triebbefriedigung: Sexualität
 Entwicklungsaufgabe: Partnerschaft

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24
Q

Charaktertypen
Störungen der Psychosexuellen Entwicklung

A

 dauerhaft zu viel oder zu wenig Triebbefriedigung während einer bestimmten psychosexuellen Entwicklungsstufe
→ Fixierung: Steckenbleiben auf einer Entwicklungsstufe
 Fixierungen äußert sich in bestimmten Charaktereigenschaften

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25
Q

Störung der Bedürfnisbefriedigung während der oralen Phase

A

→ oraler Charakter: starkes Bedürfnis nach Ein- und Aufnahme
 zeigt Vorliebe für oral vermittelte Genüsse (Essen, Trinken, Rauchen, Lutschen)
 hat höheres Suchtpotential für Drogen
 ist sensationslustig, neu- und wissbegierig

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26
Q

Zu viel Bedürfnisbefriedigung während der oralen Phase

A

→ oral rezeptiver Charakter:
 abhängig, vertrauensselig, leichtgläubig, submissiv

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27
Q

Zu wenig Bedürfnisbefriedigung während der oralen Phase

A

→ oral aggressiver Charakter:
 ausbeuterisch, missgünstig, dominant
 strebt nach materiellen Gewinn

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28
Q

Störung der Bedürfnisbefriedigung während der analen Phase, z.B. zu frühe und zu strenge Sauberkeitserziehung:

A

→ anal retentiver Charakter: starkes Bedürfnis nach Kontrolle
 ist sehr kontrolliert, stur, diszipliniert und geizig
 bevorzugt Ordnung, Regeln und Struktur
 zeigt zwanghafte Verhaltensweisen

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29
Q

z.B. zu späte und zu laxe Sauberkeitserziehung:

A

→ anal explosiver Charakter: Bedürfnis nach Selbstbestimmung
 zeigt geringe Selbstkontrolle und ist verschwenderisch
 ist unordentlich, undiszipliniert und impulsiv
 verwehrt sich Regeln und rebelliert gegen Autoritäten

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30
Q

Störung der Bedürfnisbefriedigung während der phallischen Phase, z.B. gestörte Identifikation der Jungen mit dem Vater oder z.B. gestörte Identifikation der Mädchen mit ihrer Mutter

A

→ männlich phallischer Charakter
 betont seine Männlichkeit und Potenz übermäßig
 ist eitel und achtet auf seine Figur
 strebt nach Macht und Anerkennung

→ weiblich phallischer Charakter
 betont Weiblichkeit durch kokettes Auftreten / Kleiden
 leugnet sexuelle Absichten
 zeigt sich naiv, abhängig und unterwürfig

31
Q

Unregelmäßige oder erschwerte Triebbefriedigung während einer bestimmten psychosexuellen Entwicklungsstufe
→ Regression:

A

Rückfall auf frühere Form der Triebbefriedigung
 Regressionen sind zeitlich und situativ begrenzte Phänomene, äußern sich durch Verhaltens- weisen zum Abbau von Triebspannung, die nicht dem Alter der Person entsprechen

32
Q

Die Psychoanalyse
Traumdeutung

A

 Annahme: im Schlaf ist Kontrolle des Ichs über das Es ausgeschaltet
→ Ausleben der Triebimpulse im Traumgeschehen

 Träume geben Auskunft über verdrängte Wünsche und Konflikte, die
symbolisch verschlüsselt seien (manifeste Trauminhalte)

 Traumtagebücher zum Festhalten manifester Trauminhalte, die von ausgebildeten Psychoanalytiker:innen gedeutet werden müssen (latente Trauminhalte)

 Es existiert kein feststehender Symbolkatalog, Trauminhalte müssen von Analytiker:innen patientenspezifisch unter anderem auch durch weitere Methoden (z.B. freies Assoziieren) interpretiert werden

33
Q

Freie Assoziation

A

 Patient:in lässt im entspannten Zustand (meist auf Couch) seinen Gedanken zu bestimmten Inhalten (z.B. manifeste Trauminhalte) unzensiert freien Lauf

 3 zentrale Annahmen:

 Freie Gedanken führen zu unbewussten Geistesinhalten

 Wenn kein Widerstand, dann weisen Assoziationen auf bedeutsame Inhalte für die Therapie

 Entspannung minimiert Widerstand

 Bedeutung der Gedankengebilde erst durch Psychoanalytiker:innen zu interpretieren

 Oft identifizieren Patient:innen die Therapeut:innen mit wichtigen Bezugspersonen und übertragen Gefühle und Triebwünsche gegenüber diesen Personen (z.B. fehlende Anerkennung durch den Vater) auf Therapeut:innen (Projektion) → Aufdeckung verdrängter Wünsche und Konflikte

 Als Behandlungsmethode reagieren Therapeut:innen mit Gegenübertragung, indem sie sich so verhalten wie die entsprechenden Personen → Konflikte werden neu durchlebt, ins Bewusstsein gerückt und können so bewältigt werden

34
Q

Das dynamische Modell
Libido =
Und die drei Prinzipe nach Jung

A

unspezifische allgemeine psychische Energie (Lebensenergie)

 entstehe aus gegensätzlichen Kräften in der Psyche (Prinzip der Gegensätze), die in der Anzahl möglicher Konflikte unendlich sei (z.B. ständiger Widerstreit zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten)

 in einem psychischen Teilsystem zu investieren, kann nur auf Kosten eines anderen (gegensätzlichen) geschehen (Prinzip der Gleichwertigkeit)

 kann sich in alle Richtungen verteilen zur Energetisierung des Verhaltens, das auf die Erreichung von Harmonie zwischen den Strukturen der Psyche (→Selbst) abzielt (Prinzip der Entropie)

35
Q

Das Strukturmodell
3 Psychische Instanzen

A

 Das Ich (bzw. Selbst): vereinigende Kraft im Zentrum des Bewusstseins, das die bewussten Gedanken und Gefühle in Bezug auf Verhalten, Erinnerungen und Erfahrungen enthält und die Libido entsprechend ausrichtet oder lenkt.

 Das Individuelle Unbewusste: Speicher aller persönlichen Erfahrungen (als Individuelle Komplexe gespeichert), die aus dem Bewusstsein gedrängt wurden oder nie bewusst waren (subliminale Erfahrungen).

 Das Kollektive Unbewusste: Alle angeborenen Erfahrungen (als Archetypen gespeichert), die die Menschheit im Laufe ihrer Evolution gesammelt hat, von allen Menschen geteilt wird und das stereotype Erleben, Denken und Verhalten des Menschen beeinflussen.

36
Q

Das Strukturmodell
Individuelle Komplexe =

A

Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen um einen erlebten Sachverhalt oder Ideen
 verdrängte oder vergessene Komplexe können als „Affekt“ ins Bewusstsein treten und häufig unbewusst Gedanken, Motive und Handlungen beeinflussen

 Bsp.: „Adonis-Komplex“:

 Störung des Selbstbildes hinsichtlich der unzureichenden Ausprägung des eigenen Äußeren und der eigenen Muskulatur gemessen an der eigenen Idealvorstellung (kann durch die soziale Gemeinschaft geprägt sein)

 exzessiver Muskelaufbau, Essstörungen und Schönheitsoperationen

 Komplexe seien mit Hilfe des Wortassoziationstests aufzudecken

37
Q

Das Strukturmodell
Archetypen =

A

sind universelle Urbilder oder Symbole im kollektiven Unbewussten
 treten in allen Kulturen überall auf der Welt in Erscheinung
 lösen kulturübergreifend Grundassoziationen und geistige Ideen aus
 Beispiele: „Held“, „Ungeheuer“, „Gott“, „Kreis“

38
Q

Das Strukturmodell
Beispiele für Archetypen
 Persona:

A

Maske oder Rolle, die wir uns zulegen, um besser mit der Außenwelt zurecht zu kommen. Sie hilft uns, unsere inneren Gefühle zu verbergen und in sozial angemessener Weise mit anderen Menschen zu interagieren. Wir haben verschiedene Persona für verschiedene soziale Rollen.

39
Q

Das Strukturmodell
Beispiele für Archetypen
 Schatten:

A

Die dunkle Seite unseres Wesens, bestehend aus verdrängten Inhalten in unserem persönlichen Unbewussten und universellen Urbildern des Bösen in unserem kollektiven Unbewussten. Wir kennen den Schatten in uns kaum vollständig, da es zu beängstigend wäre, unser Potential für Böses zu erkunden. Er drücke sich in unerklärbaren Stimmungen, unkontrollierter Wut, psychosomatischen Schmerzen etc. aus.

40
Q

Das Strukturmodell
Beispiele für Archetypen
 Anima:

A

Das weibliche Element in der männlichen Psyche, bestehend aus angeborenen Vorstellungen dessen, was Frauen ausmache, die wiederrum aus dem männlichen Erleben von Frauen in der Evolution entstanden sind.

41
Q

Das Strukturmodell
Beispiele für Archetypen
Animus:

A

Das männliche Element in der weiblichen Psyche, bestehend aus angeborenen Vorstellungen dessen, was Männer ausmache.
 Animus und Anima sollen helfen, das jeweils andere Geschlecht besser zu verstehen.

42
Q

Das Strukturmodell
Beispiele für Archetypen
 Selbst:

A

Das allen Menschen eigene Potential, die uns innewohnende Einzigartigkeit zu erreichen. Das Selbst werde durch den Prozess der Individuation erreicht, im Zuge dessen ein Ausgleich der Kräfte innerhalb der Psyche herbeigeführt wird und man lerne, sich so zu akzeptieren, wie man wirklich ist.

43
Q

Das Strukturmodell
Persönlichkeitspsychologische Bedeutung:
 Allgemeinpsychologisch:

A

Alles menschliche Denken, Fühlen und Verhalten werden durch psychische Instanzen beeinflusst und gesteuert und durch die Libido energetisiert

44
Q

Das Strukturmodell
Persönlichkeitspsychologische Bedeutung:
Differentiell psychologisch:

A

Interindividuelle Unterschiede in Auseinandersetzung mit den eigenen verborgenen Kräften (z.B. Archetypen) und innerpsychischen Komplexen → interindividuelle Unterschiede auf dem Weg zum „Selbst“

45
Q

Das Entwicklungsmodell
 Entwicklung sei ein kontinuierlicher Prozess über die gesamte Lebensspanne zur Integration der gegensätzlichen psychischen Kräfte.
 Kindes- und Jugendalter:

A

Entwicklung des „Ich“ und der eigenen Identität → Fokus auf die objektive Welt (Lernen, Karriere, Familiengründung)

46
Q

Das Entwicklungsmodell
 Entwicklung sei ein kontinuierlicher Prozess über die gesamte Lebensspanne zur Integration der gegensätzlichen psychischen Kräfte.
Mittleres Erwachsenenalter:

A

nach Erfüllung von Lebensaufgaben → Gefühl der „Leere“ → Fokus auf die internale subjektive Welt („Selbst“)

47
Q

Das Entwicklungsmodell:
Individuation =

A

Integration aller bewussten und unbewussten Facetten unserer Persönlichkeit

48
Q

Das Entwicklungsmodell
Wie kann Selbstverwirklichung erreicht werden?

A

 Selbstverwirklichung (Individuation) könne nur im mittleren bis hohen Alter erreicht werden, da ein hohes Maß an Lebenserfahrung erforderlich sei

 Alle Menschen gehen die Selbstverwirklichung auf unterschiedlichem Wege an, was sich in verschieden dominierenden Ich-Orientierungen und psychischen Grundfunktionen zeige

49
Q

Persönlichkeitstypen
 Extraversion:

A

Ich-Orientierung der Aufmerksamkeit (bzw. der psychischen Energie) nach außen zur objektiven Welt und Erfahrung.
→ Extravertierte sind aktiv, abenteuerlustig, kontaktfreudig, offenherzig und gesellig, passen sich schnell an neue Begebenheiten an und knüpft rasch neue Bindungen.

50
Q

Persönlichkeitsrechnung
Introversion:

A

Ich-Orientierung der Aufmerksamkeit (bzw. der psychischen Energie) nach innen zur subjektiven Welt und Erfahrung.

→ Introvertierte sind zögerlich, vorsichtig, nachdenklich und schüchtern, am liebsten allein und eher reserviert im Knüpfen neuer Bindungen.

51
Q

Persönlichkeitstypen
Psychische Grundfunktionen
Denken

A

Bewertung von Sinneseindrücken und Verstehen der Realität nach Vernunft und Logik (z.B. wahr vs. falsch).
= Rationale Funktion

52
Q

Persönlichkeitstypen
Psychische Grundfunktionen
Fühlen:

A

Bewertung von Sinneseindrücken nach der Valenz und Erfassen der Realität über Emotionen (z.B. angenehm vs. unangenehm).
= Rationale Funktion

53
Q

Persönlichkeitstypen
Psychische Grundfunktionen
Empfinden

A

bewusste Wahrnehmung und Erfassen der Realität über Erfahrungen (z.B. das Gras ist grün).
= Irrationale Funktionen

54
Q

Persönlichkeitstypen
Psychische Grundfunktionen
Intuition:

A

unbewussten und unterschwellige Wahrnehmung der Realität (z.B. über Bilder, Symbole und Ahnungen).
= Irrationale Funktion

55
Q

Psychische Grundfunktionen

Jede … und jede … sei in jedem Menschen vorhanden, wobei aber nur jeweils … Orientierung und … der rationalen oder der irrationalen Funktionen dominiere.

A

Jede Ich-Orientierung und jede Funktion sei in jedem Menschen vorhanden, wobei aber nur jeweils eine Orientierung und eine der rationalen oder der irrationalen Funktionen dominiere.

56
Q

Typologie
Kombination aus den 2 Ich-Orientierungen und den 4 psychischen Grundfunktionen ergibt 8 Typen:

A

extravertierte typen:

  1. empfindender typ
  2. intuitiver typ
  3. denkender typ
  4. fühlender typ

introvertierter typ:

  1. empfindender typ
  2. intuitiver typ
  3. denkender typ
  4. fühlender typ
57
Q

Jungs analytische Diagnostik
Traumanalyse
…zur Aufdeckung individueller und kollektiver Komplexe.

A

 Traumserienmethode

 Bezug auf eine Serie von Träumen (Traumtagebuch), um bestimmte sich
wiederholende Traumthemen oder Traumbilder ausfindig zu machen

 VergleichedesTraumelementsmitSymbolenausMythen,Geschichte, Völkerkunde und Religionswissenschaften (Archetypen)

 Amplifizierung

 freie Assoziation zu einem Traumelement durch Testperson

 Therapeut:in lässt bestimmte Archetypen einfließen

 Aktive Imagination

 Konzentration auf ein Traumbild durch die Testperson und Beobachtung, was mit
dem Bild passiert, dabei Rückmeldung

58
Q

Jungs analytische Diagnostik
Wortassoziationstest
…zur Aufdeckung individueller Komplexe

A

 Techniken zur Aufdeckung von Komplexen:

 Art der Reaktion: verlängerte Reaktionszeiten (> 2 sec.), kein Einfall, verstärkte Atmung, erhöhte Hautleitfähigkeit, Stottern, Reaktionen mit mehreren Wörtern

 Art des Inhaltes: Wiederholungen, Erinnerungsfehler

 Interpretation des Inhalts durch Therapeut:innen

 Beispiel: Komplex einer „unglücklichen Liebe“

59
Q

Myers-Briggs-Typenindikator

A

…aus Jung‘s Ich-Orientierungen und psychischen Basisfunktionen resultieren 3 Skalen + zusätzliche Skala (Rationalität) –> 16 Persönlichkeitstypen

60
Q

Das dynamische Modell
Die Rolle des Minderwertigkeitsgefühls

A

Ausgangspunkt: Körperliche Behinderungen („Minderwertigkeiten“) oder „Eingebildete“ Minderwertigkeit aufgrund sozialer Konventionen (z.B. rote Haare, körperliche Schwäche)

 Wunsch nach Kompensation, zum Beispiel durch Spezialisierung einer anderen Funktion (Bsp. Blinde hören und tasten besser)
 Minderwertigkeitsgefühle durch bewusste Hilflosigkeit und Unvollkommenheit von Geburt an (sämtliche Bezugspersonen, Eltern und ältere Geschwister, sind größer und fähiger)
 Wenn Personen eigene individuellen Minderwertigkeiten anerkennen und individuell kompensieren können → gesunde Entwicklung
 Wenn nicht → Minderwertigkeitskomplexe

61
Q

Das dynamische Modell
Vertikales Streben („Getting Ahead“)

A

 Minderwertigkeitsgefühle → Streben, diese Minderwertigkeiten zu beseitigen (vertikales Streben)

 Vertikales Streben: soziale Anerkennung erreichen, Geltung, Überlegenheit über andere gewinnen oder Macht auf andere ausüben

 Vertikale Streben als Motor menschlichen Verhaltens

 Adler hält diese Art der Kompensation des Minderwertigkeitsgefühls für sich allein als eine verfehlte Antwort auf die objektiv gegebene oder subjektive Minderwertigkeit (Überlegenheitskomplexe)

 Pathologische Kompensation: vertikales > horizontales Streben

62
Q

Das dynamische Modell
Horizontales Streben („Getting Along“)

A

 Jeder Mensch besitze ein angeborenes Bedürfnis, ein Teil der Gemeinschaft zu sein und mit anderen zu kooperieren (horizontales Streben)

 Ist dieses Gemeinschaftsgefühl genügend entwickelt (durch soziales Vertrauen) → Erkenntnis, dass Minderwertigkeitsgefühle nur auf eine menschenwürdige Weise ausgeglichen werden kann: Kooperation mit anderen

 Minderwertigkeitsgefühle können also auch durch Entwicklung und Sozialisation des Gemeinschaftsgefühls kompensiert werden

 Gesunde Kompensation: vertikales Streben = horizontales Streben
→ ausgewogenes Maß zwischen Kooperation, Selbstbehauptung und Leistungsstreben

63
Q

Das dynamische Modell
Persönlichkeitspsychologische Bedeutung:
Allgemeinpsychologisch:

A

Denken, Fühlen und Verhalten werden durch Minderwertigkeitsgefühle, vertikales und horizontales Streben energetisiert

64
Q

Das dynamische Modell
Persönlichkeitspsychologische Bedeutung:
Differentiell psychologisch:

A

verschiedene Minderwertigkeiten zwischen Menschen (biologisch oder durch Kultur vermittelt), interindividuelle Unterschiede in der Art und Weise der Kompensation

65
Q

Persönlichkeitsentwicklung

A

Menschen haben die Möglichkeit ihr Schicksal selbst zu gestalten („Die kreative Macht des Selbst“).

 Jeder Mensch ist in der Lage, das eigene kreative Potential zu nutzen, um einen individuell angepassten Lebensstil zu entwickeln, in dem Minderwertigkeiten kompensiert und das Selbst verwirklicht werden kann.

66
Q

Persönlichkeitsentwicklung
Die Rolle der Eltern

A

 (soziales) Vertrauen ist entscheidend zur Bewältigung von drei grundlegenden Anforderungen im Leben: Berufsleben, Freundschaft, Sexuelle Partnerschaft

 Eltern vermitteln Vertrauen und setzen erstes Rollenmodell zur Bewältigung dieser Anforderungen des Lebens

 Ist dieses Rollenmodell unangepasst (z.B. wenn Vater und Mutter mit ihren Rollen unzufrieden sind oder die Beziehung der beiden von Konflikt und Unzufriedenheit geprägt ist) → Irritation der Kinder

 Beispiel:

 Zufriedene Mütter → vermitteln alle notwendigen sozialen Fertigkeiten

 Unzufriedene Mütter → setzen zu hohe Anforderungen an das Kind (früher Laufen lernen, besser in der Schule sein) → Minderwertigkeitskomplexe

67
Q

Persönlichkeitsentwicklung
Die Rolle der Geschwisterreihe

A

 Die innerfamiliären Beziehungen ändern sich mit jedem neu hinzukommenden Kind und jedes Kind werde in Abhängigkeit von seiner Position in der Geschwisterreihe anders behandelt

68
Q

Persönlichkeitsentwicklung
Störungen der Entwicklung

A

 Innerfamiliäre Erfahrungen und Erlebnisse, sowie deren individuelle Interpretation nehmen einen hohen Stellenwert bei der Entwicklung ein

 Schädigende Faktoren:
 Wahrnehmen und Empfinden von Minderwertigkeit
 Mangelhafte Kompensation der erlebten Minderwertigkeit
 Vernachlässigung und Zurückweisung durch Bezugspersonen
 Verhätschelung durch Bezugspersonen

 Begünstigung der Entwicklung eines neurotischen Charakters

69
Q

Der neurotische Charakter und Persönlichkeitstypen

A

 vermag seine bewusste Minderwertigkeit nur inadäquat zu kompensieren

 neigt zu Über- oder Unterbewertung der eigenen Person

 ist oft angespannt und unsicher in Bezug auf die Anforderungen des Leben

 vermeidet Situationen in denen Versagen möglich ist

 es gibt nicht den neurotischen Charakter, sondern individuelle Auffälligkeiten, die ganz individuell zu diagnostizieren und zu behandeln sind → dennoch: Entwicklung eines Systems von Persönlichkeitstypen zur groben Unterscheidung von gesunden und ungesunden Lebensstilen/Charakteren

70
Q

Der neurotische Charakter und Persönlichkeitstypen
Der herrschende Typ

A

Diesem Typ mangelt es an Gemeinschaftsgefühl und er strebt sehr aggressiv nach persönlicher Überlegenheit und Macht. In der Regel nutzt er andere Menschen aus, um seine Ziele zu erreichen, und ist emotional manipulativ. Laut Adler sind viele Drogenabhängige und jugendliche Straftäter Vertreter dieses Typs, ebenso viele dominante, offenbar erfolgreiche Personen, da sie ihre Mitmenscher: in höchstem Maße ausbeuten, Verdienste anderer niemals eingestehen und immer die zentrale Rolle spielen wollen.

71
Q

Der neurotische Charakter und Persönlichkeitstypen
Der vermeidende Typ

A

in Ermangelung des für die Lösung der eigenen Probien.a notwendigen Selbstvertrauens versuchen diese Individuen meist, so zu tun, als ob ein aktuelles Problem nicht existiert (das bekannte „Kopf in en Sand stecken*). Alternativ behaupten sie gelegentlich, dass das Problem nicht ihr Problem sei, dass jemand anders verantwortlich sei und man sie daher nicht zur Rechenschaft ziehen könne.

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Q

Der neurotische Charakter und Persönlichkeitstypen
Der Selbstsüchtige Typ

A

Diese Individuen sind relativ passiv und unternehmen nur geringe Anstrengungen, um ihre Probleme zu lösen. Sie nutzen in der Regel ihren Charme, um andere dazu zu bewegen, Dinge für sie zu tun. Adler betrachtete eine derart parasitäre Haltung als sehr ungesund.

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Q

Der neurotische Charakter und Persönlichkeitstypen
Der sozial nützliche Typ

A

Dies ist die gesunde Option. Ein Individuum vom sozial nützlichen Typ tritt dem Leben mit Selbstvertrauen entgegen, mit positivem Gemeinschaftsgefühl und bereit, mit anderen zu kooperieren und zum Wohler:
gehen anderer beizutragen.

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Q

Adlers individualpsychologische Diagnostik

A

→ Aufdecken des fehlerhaften Lebensstils und von unangepassten Überzeugungen zur Grundlage der Entwicklung eines sozial nützlichen und daher gesunden Lebensstils