VL 2: Kognitive Prozesse bei der Fragebeantwortung Flashcards

1
Q

Wieso Prozessmodelle der Fragebeantwortung?

A

Sowohl bei quantitativen als auch bei qualitativen Befragungen ist ein Verständnis für die bei der Fragebeantwortung ablaufenden kognitiven Prozesse hilfreich.

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2
Q

Zwischen welchen Phasen differenzieren Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994)?

A
  1. Interpretation
  2. Erinnern
  3. Urteilsbildung
  4. Antwortformulierung
  5. Modifikation
    - >zwischen Phase 4 und 5 wird nicht mehr klar differenziert
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3
Q

Erkläre die Interpretation nach Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994)

A
  • -> Zuerst erfolgt der Versuch, die Frage zu verstehen und zu interpretieren (was genau ist gemeint, was will man von mir wissen?)
  • die gestellte Frage verstehen
  • -> Hierbei geht es einerseits um das semantische Verständnis, d.h. das Erschliessen der genauen Wort- und Satzbedeutungen.
  • -> Neben dem semantischen geht es zudem um das pragmatische Verständnis, d. h. darum, was der Fragesteller eigentlich genau wissen will.
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4
Q

Erkläre das Erinnern nach Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994)

A

–> Zuerst erfolgt der Versuch, die Frage zu verstehen und zu interpretieren (was genau ist gemeint, was will man von mir wissen?)
- Nachdem die wörtliche Bedeutung der Frage und die tatsächlich gewünschten Informationen verstanden bzw. erschlossen wurden, müssen relevante Informationen aus dem Gedächtnis abgerufen werden.
Im Idealfall weiss die befragte Person die Antwort sofort, meist jedoch muss (oder müsste) sie nachdenken.
Bei Fragen zu Verhaltenshäufigkeiten oder biografischen Ereignissen sind oft Gedächtnishilfen notwendig und sinnvoll.

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5
Q

Erkläre die Urteilsbildung nach Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994)

A

–> Auf der Grundlage dieser Informationen wird dann ein Urteil gebildet

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6
Q

Erkläre die Antwortformulierung nach Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994)

A

–> Sofern die befragte Person ihr Urteil nicht in eigenen Worten ausdrücken darf (z.B. in quantitativen Befragungen), muss sie ihr Urteil innerhalb der vorgegebenen Antwortalternativen abbilden
- Kommunikation des Urteils in eigenen Worten (bei offenen Fragen) oder Suche nach der best-passenden vorgegebenen Antwortalternative (bei geschlossenen Fragen)
Wichtig:
Die Antwortvorgaben definieren aus Sicht der Befragungsperson
(a)die Interessen des Forschers und geben damit Hinweise auf die semantische und (meist wichtiger) pragmatische Bedeutung der Frage.
(b)den Bereich „normaler“ bzw. noch „akzeptabler Antworten“, in den die befragte Person ihre eigene Antwort „einzupassen“ versucht.

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7
Q

Erkläre die Modikikation nach Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994)

A
  • -> Und schliesslich mag bei der befragten Person der Wunsch bestehen, ihr privates Urteil vor der Weitergabe an den Forscher im Hinblick auf Aspekte der Selbstdarstellung und der sozialen Erwünschtheit zu modifizieren
  • Eventuelles „editieren“ der Antwort vor Weitergabe an den Interviewer bzw. Forscher
  • Bsp. Frage über AHV =Eine jüngere befragte Person, der ein wesentlich älterer Interviewer gegenübersitzt, wird u.U. ihre persönliche Antwort vorsichtiger formulieren, als wenn sie von einem gleichaltrigen Interviewer befragt wird.
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8
Q

Welche Probleme bei der Phase 1 Interpretation können auftreten?

A
  • mehrdeutige Begriffe (bsp Bank)
  • Fachbegiffe
  • komplizierte Itemformulierung
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9
Q

Das mehrstufige Modell nach Tourangeau (1984, 1987) oder Strack (z.B. 1994) beschreibt den optimalen Weg der Frauenbeantwortung. Beschreibe ein oberflächlicheres Antwortverhalten nach Krosnick 1991

A

„Satisfycing-Model“
–> bedeutet, dass ein Befragter nicht nach einer optimalen Antwort sucht, sondern nach der am wenigsten aufwendigen, die den Fragebogenanforderungen gerade noch genügt

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10
Q

Welche Befragten zeigen ein Satisfycing Verhalten? Wie äussert sich dies?

A
  • versuchen oft nicht, die Frage wirklich vollständig zu verstehen, sondern nur so weit, wie für eine annehmbare Antwort notwendig ist
  • versuchen oft nicht, sich an alle relevanten Informationen zu erinnern, sondern nur an gerade so viele, um überhaupt eine Antwort formulieren zu können
    - integrieren diese (wenigen) erinnerten Informationen oft nicht sehr systematisch zu einem Gesamturteil
    –> d.h.: die verschiedenen Stufen des „optimalen“ Beantwortungsprozesses werden nur unvollständig oder „verzerrt“ durchlaufen

–>Im Extremfall werden die Frage oder die Antwortalternativen nur auf Hinweise für akzeptable Antworten abgesucht, die möglichst keinen kogni-tiven Aufwand benötigen (z. B. „weiss nicht“-Kategorien).

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11
Q

Welche 3 Hauptfaktoren beeinflussen, ob bzw. in welchem Ausmass es zu optimalem oder eher oberflächlichem Antwortverhalten kommt (nach Krosnick z. B. 2000) ?

A

- Aufgabenschwierigkeit

  •  Fähigkeiten des Befragten
  •  Motivation des Befragten
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12
Q

Was sind optimale/rationale“ und der „gerade-noch-genügende/ober-flächliche“ (satisfycing) Beantwortungspfad?

A

Der „optimale/rationale“ und der „gerade-noch-genügende/ober-flächliche“ (satisfycing) Beantwortungspfad sind keine dichotomen Kategorien sondern beschreiben die Endpole eines Kontinuums.

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13
Q

Ergänzungen zu Satisfycing

A
  1. Satisfycing führt meist zu sehr schnell gegebenen Antworten.
  2. Dennoch sind schnell gegebene Antworten kein Beleg für Satisfycing!
  3. Schnelle Antworten können auch ein Hinweis für die direkte kognitive Zugänglichkeit der «subjektiv richtigen» Antwort sein.
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