Kindeswohlkriterien Flashcards

1
Q

Sind Kindeswohlkriterien ein bestimmter Rechtsbegriff?

A

Nein, sie sind ein unbestimmter Rechtsbegriff

Kindeswohl als interdisziplinäre Bezeichnung, die unter rechtlichen Aspekten allein nicht zu fassen oder zu erklären ist

–> notwendige psychologische Operationalisierung: Übersetzung der gerichtlichen Fragestellungen in psychologische Hypothesen unter Hinzunahme relevanter psychologischer Konstrukte

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
2
Q

Was sind 3 elternbezogene Kindeswohlkriterien?

A
  1. Erziehungsfähigkeit/
    Förderkompetenz
  2. Interpersonale Fähigkeit & Bereitschaft zur Kooperation & Kommunikation (zwischen den Eltern; Trennung zwischen Paarebene & Elternebene)
  3. Beziehungs- & Bindungstoleranz
How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
3
Q

Was sind 3 kindbezogene Kindeswohlkriterien?

A
  1. Beziehung & Bindung zu leiblichen/sozialen Eltern/Bezugspersonen
  2. Geschwister-beziehungen
  3. Kindeswille
  4. Betreuungs- & Umgebungskontinuität
How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
4
Q

Definition Kindeswohl (Dettenborn, 2021)

A

= die für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes oder Jugendlichen günstige Relation zwischen seiner Bedürfnislage und seinen Lebensbedingungen

Bedürfnisse = Zugeschriebene, objektive Entwicklungserfordernisse
–> Körperliche Zufriedenheit durch Nahrung, Pflege, Versorgung
–> Zugehörigkeit
–> Emotionale Zuwendung in stabilen sozialen Beziehungen
–> Wissen/ Bildung
–> Selbstbestimmung/ Selbstverwirklichung
–> Sicherheit

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
5
Q

Wie werden Kindeswohlkriterien immer eingeschätzt?

A

Individuelle Einschätzung –> kein Kind hat Recht auf optimale Erziehungsbedingungen

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
6
Q

Definition: Erziehungsfähigkeit

A

= Fähigkeit einer Person, angemessen und effektiv für das Wohlergehen, die Entwicklung & das Verhalten von Kindern zu sorgen
= umfasst die Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen & Verhaltensweisen, die erforderlich sind, um Kinder zu unterstützen, zu leiten & zu fördern

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
7
Q

Welche 5 Aspekte beinhaltet Erziehungsfähigkeit?

A
  1. Wissen
  2. Kommunikation
  3. Empathie
  4. Disziplin
  5. Selbstreflexion
How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
8
Q

Ist Erziehungsfähigkeit eine statische Eigenschaft?

A

Nein, sie kann sich im Laufe der Zeit entwickeln & verbessern

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
9
Q

Welche verschiedenen Faktoren beeinflussen die Erziehungsfähigkeit (4)?

A
  • persönliche Erfahrungen
  • Bildung
  • soziale Unterstützung
  • Verfügbarkeit von Ressourcen
How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
10
Q

Inwiefern gibt es ein Spannungsfeld zwischen der Wächterfunktion des Staates und dem Elternrecht?

A

Art. 6 GG:

  • Ehe & Familie unterm Schutz der staatlichen Ordnung
  • Pflege & Erziehung als natürliches Recht und Pflicht der Eltern
  • Staat wacht über die Betätigung der Eltern (Ausübung ihrer Pflicht)

–> Recht wird da eingeschränkt, wo Pflicht vernachlässigt wird

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
11
Q

Probleme mit dem Begriff “Kindeswohl”

A
  • Entscheidungsmaßstab ohne Definition im Grundgesetz
  • Fehlendes Konzept zu “Wohl”, nur “Wohlbefinden” oder “Gesundheit”
  • Überschreitung der eigenen Kompetenzen bei Nutzung des Begriffs (z.B. Jurist nutzt psychologische Aspekte)
  • kein empirischer Begriff, nur hypothetisches Konstrukt
How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
12
Q

Was sind die Mindestanforderungen (juristisch relevant) an einen Kindeswillen?

A

Zielorientierung
- Vorstellung darüber, was sein soll und wie der Zielzustand erreicht werden kann

Intensität
- Nachdrücklichkeit & Entschiedenheit
- Erkennbar an Beharrlichkeit bei Hindernissen und Widerständen

Stabilität
- Willenstendenz über angemessene zeitliche Dauer gegenüber verschiedener Personen und Umständen

Autonomie
- individuell & selbst initiiert

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
13
Q

Stadien des Kindeswillens

A

Präintentionale Phase - “Woher”:
- Bedürfnishintergrund
- motivationale Tendenzen im Sinne von Unbehagen
- Leidensdruck
- ungerichtete Veränderungswünsche
- unreflektiertes Beharren

Intentionale Phase - “Wohin”:
- Zielintentionen (Absichten)
- Mittelintentionen (Vorsätze)

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
14
Q

Warum ist das 3. Lebensjahr des Kindes im Kontext des Kindeswillen wichtig?

A
  • Repräsentationale Idee des Denkens (“theory of mind”)
  • Erwerb des Begriffs Überzeugung & Überzeugung vs. Realität
  • Verstehen falscher Überzeugungen
  • absichtliche vs. zufällige Handlungen
  • Voraussage von Gefühlen
  • Beginn des autobiographischen Gedächtnisses

Auch Autonomiephase –> Kindeswille

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
15
Q

Verhältnis Kindeswohl & Kindeswille

A

Kindeswille entspricht nicht immer dem Wohl des Kindes

negativer Zusammenhang zwischen Selbstbestimmung und Schutzbedarf

How well did you know this?
1
Not at all
2
3
4
5
Perfectly
16
Q

Inwieweit wird der Kindeswille beim familienrechts-psychologischen Gutachten berücksichtigt?

A

So viel Gewährung des Kindeswillens wie möglich, nur so viel Reglementierung wie nötig.
–> Zu berücksichtigen, außer er ist mit dem Kindeswohl nicht zu vereinbaren

Prüfung:
- Gefährdungsfolgen wenn Wille befolgt vs. nicht befolgt
- Risikoabwägung
- Hypothesenbildung

17
Q

Wie kann der Kindeswille das Kindeswohl gefährden?

A

A) Selbstgefährdender Kindeswille
B) Induzierter Kindeswille

18
Q

Was beinhaltet ein selbstgefährdender Kindeswille?

A

= Befolgen des Kindeswillens würde zur mangelnder Bedürfnisbefriedigung führen

Durch:
1. Verfehlte Nutzenerwartung (Länger aufbleiben)
2. Verfehlte/ fehlende Schadenseinschätzungen (lieber zu Papa, obwohl er alkoholkrank & nicht erziehungsfähig ist)
3. Verfehlte Realisierungseinschätzungen (Urlaubsbedingungen =/ Alltagsbedingungen)

19
Q

Was beinhaltet ein induzierter Kindeswille?

A

= Beeinflussung des Kindes/ Kindeswillens/ der Einstellung des Kindes

=/ Erziehung: nicht Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund, sondern Beeinflussung zugunsten der eigenen Ziele im Konflikt mit dem Partner

Indirekte Induzierung: allg., z.B. Geschenke, Versprechen etc.

Direkte Induzierung: in Bezug auf andere Person
- Offen: Abwertung des Partners vor dem Kind; Konflikte mit dem Kind bei erwartungswidrigen Verhaltensweisen bezüglich des Partners
- Verdeckt: Mimik & Gestik; Liebesentzug wenn induktionswidrig & Zuwendung wenn induktionsgetreu

20
Q

Was sind die Effekte von induziertem Kindeswillen?

A

Äußerliche Anpassung:
- Folge von Ratlosigkeit, falschen Schuldgefühlen
- Nützlichkeit der “Pflichtübungen”: Vermeidung negativer Folgen von induktionswidrigem Verhalten
- Eigene Zielintentionen
–> Beispiel Kristina: Distanziert sich vom Papa gegen Ende des Besuchs; nicht vom WE bei Papa erzählen & davon, dass sie eine schöne Zeit hatte (Folge auch falsche Annahmen/ Schlussfolgerungen seitens der Mama in Bezug auf Papa)

Verinnerlichung:
- Strategie zur Stressbewältigung
- Einstellungen, Gefühle, Willensbestandteile in Selbstkonzept des Kindes übernommen
- Zielintentionen übernommen

21
Q

Wie wird der Kindeswille diagnostisch erfasst und eingeschätzt?

A

Indirekt (Bezugspersonen, Jugendamt) oder direkt (Kind)

Via: Gespräche & Beobachtungen

Formal:
- Gespräch nur mit Kind
- bewusster Einsatz von Fragetypen
- Angemessene Umgebung

Inhaltlich:
- Vorbereitung (Gesprächsleitfaden, Hypothesen)
- Direkte vs. indirekte Fragen (Warum…? vs. Was hast du gefühlt, als…?)
- Dominiert präintentionale Phase oder intentionale Phase?
- Ängste & Nöte
- Kind zur Willensbekundung animieren (Meinung des Kindes wird berücksichtigt)
- Verständnis für ambivalente Gefühle