Allgemeine Bedeutung von Beratung
Beratung als Bestandteil der Lehrertätigkeit
Beratung =
wesentlicher Bestandteil des Bildungs- und Erziehungs- auftrags der Schule und damit zunächst Aufgabe jeder Lehrerin und jedes Lehrers
»Beratungstätigkeit in der Schule ist grundsätzlich ebenso wie Unterrichten, Erziehung und Beurteilen Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer«
(Ministerium für Schule und Weiterbildung Nordrhein-
Westfalen, 1997).
Beratungsrelevante Aufgaben im Lehrerberuf:
Ursachen steigenden Bedarfs für Beratung an Schulen:
Definition von Beratung
= eine freiwillige kurzfristige, soziale Interaktion zwischen mindestens zwei Personen. Das Ziel der Beratung besteht darin, in einem gemeinsam verant- worteten Beratungsprozess die Entscheidungs- und damit Handlungs- sicherheit zur Bewältigung eines aktuellen Problems zu erhöhen. Dies geschieht in der Regel durch die Vermittlung von neuen Informationen und/oder durch die Analyse, Neustrukturierung und Neubewertung vorhandener Informationen.“ (Schwarzer & Posse, 2005, 139).
= „Hilfe zur Selbsthilfe“ (z.B. Hofer, 1996)
–>keine unidirektionale Vermittlung von Unterstützung, sondern interaktiver Prozess geteilter Verantwortung
Fazit: Was ist Beratung?
…und was ist pädagogische Beratung?
PB
Problemfelder pädagogischer Beratung
Erziehungsprobleme:
Überforderung in Erziehungsaufgaben; Schwierigkeit, erzieherische Entscheidungen treffen, die Situation als allein erziehender Vater/ allein erziehende Mutter
Entwicklungsprobleme:
Ängste, Entwicklungsverzögerungen, Kontaktschwierigkeiten, Sprach- störungen, Trennungsängste, Kopfschmerzen, Migräne, Essstörungen, Schlafstörungen oder andere psychosomatische Beschwerden; im Jugendalter: Probleme wegen beginnender Ablösung vom Elternhaus, usw.
Schulprobleme:
Lern- und Leistungsprobleme; Leistungsdruck;
Teilleistungsstörungen, Legasthenie, Dyskalkulie; Aufmerksamkeitsstörungen: Konzentrationsstörungen,
Hyperaktivität, Impulsivität; Ängste; Überforderung,
Verhaltensprobleme, Fehlhaltungen, Fragen des Schulwechsel, der Eignung
Familienprobleme:
Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Spannungen aufgrund unterschiedlicher Kulturen oder Wertvorstellungen
Eheprobleme:
Partnerschaftsprobleme, Beziehungsschwierigkeiten der Eltern, Phase der Trennung und Scheidung, Scheidungskinder,
Ziele von Beratung
Wie komme ich zu einem Problem?
„Ein Problem entsteht durch die Konstruktion einer Ist-Soll-Diskrepanz. Dabei stößt man bei Versuchen, das unerwünschte „Ist“ in das gewünschte „Soll“ zu verwandeln, auf Blockaden zwischen Ist und Soll.
Und dies wird verbunden mit Lösungsversuchen (Maßnahmen, Schritten, mit denen man das Problem lösen will), die nicht zum gewünschten Ziel führen.“
Schmidt (2004)
Formen von Beratung?
Aber: Eine strikte Trennung der beiden letztgenannten Begriffe ist eher kontraproduktiv, da Expertenberatung häufig auch eine Prozessberatung miteinschließt und umgekehrt
Formen von Beratung 2
–> individuelle Beratung unter aus verschiedenen Beratungsperspektiven
–> z.B. kollegiale Fallberatung
Professionalität im Beraten
–> Berater/ in zu sein, bedarf keiner staatlich legitimierten Ausbildung/ Prüfung
Verwandte Konzepte
Doppelverortung von Beratung
Psychologie
Beratungs- und Interaktions- wissen, z.B.:
Pädagogik
!!! Eine strenge Trennung der Disziplinen ist in der schulischen Beratung nicht sinnvoll.
Psychologie und Pädagogik greifen eng ineinander
Beratung als Lehr-Lern-Konzeption
Beratungsperspektiven (eine Auswahl!)
Die Psychodynamische Perspektive (PD)
Quellen: Rechtien (2004); Schnoor (2013); Giernalczyk und Lohmer (2012 )
Burnout-gefährdete Lehrerin
Problemfacetten:
Woran könnte man arbeiten in der Beratung?:
Die Kognitiv-Verhaltensorientierte Perspektive
Die Klientenzentrierte Perspektive
• Vertreter: Rogers, Maslow, Perls, Moreno
Kommunikation in ThFerSaUpieJuendaBeratung, WS 2010/11 Quellen: Rogers (1981), Weinberger (2011)
Die Systemische Perspektive
Grundannahme:
Ursachen für Probleme:
Im Fokus der Beratung:
Ziele:
Methoden:
Vertreter: Satir, Watzlawick
Quellen: v. Schlippe und Schweizer
Die Lösungsfokussierte Perspektive
Grundannahme:
Ursachen für Probleme:
Im Fokus der Beratung:
Ziele:
Methoden:
Vertreter: de Shazer, Kim Berg
Quellen: Berkling (2010), Baeschlin (2007), Bamberger (2010)
Die Emotionsfokussierte Perspektive
Grundannahme:
Ursachen für Probleme:
Im Fokus der Beratung:
Ziele:
Methoden:
Vertreter: Paivio und Kollegen
Auf einen Blick
Psychodynamisch
Bekanntmachung mit dem eigenen Unbewussten, Aufspüren, Bearbeiten und Tilgen von im Konflikt stehenden Impulsen, Wünschen,Ängsten, etc.
Kognitiv-behavioral
Klare Sicht auf die bewusst zugängliche Repräsentation der Realität, Sortieren der Gedanken und Vermeiden einseitiger/ dysfunktionaler Denkmuster, Erlernen neuer Denk- & Verhaltensweisen
systemisch
Erkennen der Untrennbarkeit & Interdependenz von Individuen und ihren Interaktions-/ Kommunikationsmustern im sozialen System, Bedeutung eigenen Verhaltens (=Kommunikation) für andere und umgekehrt
klientenzentriert
Ganzheitlicher Fokus auf Mensch + Möglichkeiten
(Potentiale), Selbst(er)kenntnis & - vertrauen, Wertschätzung, Erfahrungsoffenheit, Wachstumsfokus
lösungsfokussiert
Orientierung am wünschenswerten Zielzustand, aktive Fokussierung auf Zielvisionen und Ressourcen statt auf Probleme und Schwächen
emotionsfokussiert
Fokus auf Bedeutung und Funktion der eigenen Emotionen. Erweiterung des Erlebnisspektrums adaptiver Emotionen und Regulation maladaptiver Emotionen