(Post)Kolonialismus und Rassismus in IP Flashcards

1
Q

Was bedeutet Rassismuskritik in der IP?

A
  1. Ein kritischer Blick auf die Ursprünge der eigenen Disziplin
  2. Herausarbeiten von Rassismus in den klassischen Theorien der IB:
    Idealismus und Realismus
  3. Herausforderung der zentralen Annahmen und Kategorien der IB
  4. Projekt der Dekolonisierung der IB

-Rassismuskritik eine eigenständige Theorie, sondern plurales Feld
-Kritik des Eurozentrismus in Darstellungen, Analysen, Theorien in den IB
-Fallstudien zu Rassismus und
Neokolonialismus
-Aufgabe der „Dekolonisierung der IB“

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2
Q

Vorläufer und Voraussetzungen

A

Erst seit 2000er Jahren in IB präsent
Vorläufer und Voraussetzungen:
* Klassische Imperialismustheorien
* Kritik des Neokolonialismus im
Zuge der Dekolonisierung, Dependenztheorie (1960er/70er)
* Postcolonial Studies
(1980er/90er)
* 2010er/20er: Schub durch
globale antirassistische
Bewegungen (Rhodes Must Fall,
Black Lives Matter…)

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3
Q

Begriff Kolonialismus

A

Herrschaftsbeziehung
zwischen Kollektiven, bei welcher die fundamentalen Entscheidungen über die Lebensführung der Kolonisierten durch eine kulturell andersartige und
kaum anpassungswillige Minderheit von Kolonialherren unter vorrangiger Berücksichtigung externer Interessen getroffen und tatsächlich durchgesetzt
werden

sendungsideologische
Rechtfertigungsdoktrinen, die auf der Überzeugung der Kolonialherren von ihrer eigenen kulturellen Höherwertigkeit beruhen

moderner Kolonialismus: nicht mehr länder bloß Herrschaftsbeziehung zwischen zwei Kollektiven sondern ökonomische Restrukturierung, globales System des Kolonialismus
-Kolonialismus als Enstehungsbedingung für westlichen Kapitalismus

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4
Q

Rassismus als Grundelement kolonialistischen Denkens

A
  1. Anthropologische Gegenbilder: die
    Konstruktion von inferiorer „Andersartigkeit“
  2. Sendungsglaube und Vormundschaftspflicht: Sendungsbewusstsein, auf zb katholischer, höherer Mission, besondere historische Verantwortung, Zivilisation
  3. “Utopie der Nicht -Politik”: Koloniale Politik wurde nicht als Politik gesehen, als Verwaltung angesehen, nur Politik zuhause = Politik, nichts zu regieren nur zu verwalten

Moderner Rassismus als zentrale Rechtfertigungsideologie des Kolonialismus

Was passiert mit dem Rassismus in/nach der Epoche der Dekolonisierung?

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5
Q

Rassismus Begriff

A

=Behauptung unterschiedlicher Grade des Menschseins (W.D. Hund), verschiedene Formen des Rassismus
* „Rassen-Rassismus“: Zentrale
Rechtfertigungsideologie für modernen Kolonialismus und Sklaverei

-D.T. Goldberg: Zwei Varianten des
Kolonialrassismus
* Naturalistischer Rassismus:
Unaufhebbare Unterschiede
* Historizistischer Rassismus:
Rückständigkeit, Möglichkeit nachholender Entwicklung

-Ab Mitte des 20. Jhds. Verschiebung von „natürlicher Rassenhierarchie“ zu „kultureller Differenz“

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6
Q

Postkolonialismus als Begriff

A

Postcolonial Studies in Geschichts-, Kulturund Geisteswissenschaften

Nicht „nach“ dem Kolonialismus, sondern:
* Fortwirken des Kolonialismus über die Dekolonisierung hinaus

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7
Q

Begriff Eurozentrismus

A

-Europa als Zentrum der
Weltgeschichte
-Europäische Geschichte
als Referenz -> muss so von anderen nachgeholt werden
-Universalisierung von in
Europa entwickelten Konzepten, Theorien, Prinzipien
-„Internalistische“
Geschichte Europas: aus sich selbst heraus, geht nicht auf Bedingungen zb Kolonialismus ein, Geschichte rein aus Europa heraus geschrieben

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8
Q

Mythos 1919

A

-gilt als Geburtsstunde der
International Relations
-aber 1919: Nicht
Nationalstaaten, sondern Kolonialreiche und Imperien -> keine Welt der Nationalstaaten, die als zentral in IR gelten
-Hochphase des modernen
Kolonialismus/Imperialismus
nach 1919 (bis 1949)
-„Rassen“, nicht Staaten als
zentrale analytische Kategorie
der frühen International
Relations:
Idee, Welt ist geteilt in Rassen, manchen als backward verstanden, denen soll geholfen werden stärker zu werden
-nach 1945 verleugnet/verdrängt/ignoriert

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9
Q

Idealismus

A

Wilson:
-Wilson -> Gründung Völkerbund: nationale Selbstbestimmung
-Völkerbundmandat:
„Übertragung der Vormundschaft über Völker, die sich nicht selbst zu leiten
vermögen, an die fortgeschrittenen Nationen“
-> Wer ist fähig zur Selbstregierung?
-Wilson: Kolonialismus und
Mandatsherrschaft als
Erziehungsmaßnahme

Smuts:
-ebenfalls Architekt des Völkerbunds
-Notwendigkeit paralleler
Institutionen: „separate development“
für “weiße und schwarze”
-„Separate development“
à Apartheid in Südafrika ab 1948

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10
Q

Realismus

A

-Mythos: Klassischer Realismus als „Lehre“ aus Nationalsozialismus, 2. WK und Holocaust
-> aber tatsächlich: Traditionslinie der Weltpolitik = deutscher Versuch der Aneigunung des britischen Kolonialdiskurs: möchte ordnende globale Machtpolitik machen
-Realismus als Politik der Großmächte, Machtpolitik -> setzt Großmächte voraus, woher kommt diese Macht? -> Kolonialismsus

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11
Q

Kritik am Neorealismus

A

-Anarchie als Grundzustand des
internationalen Systems
-Kritik: Kenneth Waltz übernimmt Anarchie -> Begriff aus der britischen Sozialanthropologie des frühen 20. Jhds.: „Tropische Anarchie“, „primitive Gesellschaften“
-Anarchie als Form der Rückständigkeit
-„[Neorealism] enforces a racist dualism in world politics“ -> zwischen fortgeschritten modernen Herrschaftsformen und Zustand der Anarchie
-Anarchie als Konzept rassistische Geschichte

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12
Q

Rassismuskritik als konzeptionelle Herausforderung

A

-Rassismuskritik nicht additiv, als „zusätzlicher Aspekt“, sondern:
-Kritik fundamentaler Konzepte in der
Internationalen Politik
* Nation, Staat
* Souveränität
* Anarchie
* Weltordnung, internationales System * Entwicklung, Fortschritt

-> IP dekolonisieren?
-Kritische Historisierung, Aufbrechen der Konzepte und Annahmen
-Dezentrierung des Zentrums:
Anerkennung/Zentrierung von
“non- Western values, traditions, practices, struggles, discourses, and thought“.
-„Provincialising Europe“ (D. Chakrabarty)
-Fokus auf gegenwärtige Formen von
Imperialismus, Neokolonialismus und
deren Rechtfertigungsideologien
-> Wo entstehen neue neokoloniale
Arrangements?
-> Welche komplexen globalen Verbindungen entstehen (vgl. Extraktivismus, Imperiale
Lebensweise)
->(Wie) Werden sie legitimiert?

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13
Q

neue Herausforderungen für Rassismuskritische IP

A

-Aufstieg der VR China zur Weltmacht
-Russischer Angriffskrieg in Europa
-Krise der US-dominierten „Liberalen
Internationalen Ordnung“
-Konkurrenz um kritische Rohstoffe (für Digitalisierung, Dekarbonisierung)

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