Untere Extremität Flashcards Preview

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Flashcards in Untere Extremität Deck (21):
1

Welche Risikofaktoren finden sich, die die Entwicklung von Hüftgelenksdysplasien begünstigen?

  • genetisch: pos. Familienanamnese → insb. wenn Mutter pos.
  • Geschlecht: 5:1 w/m → vermutlich hier stärkere Wirkung bänderrelaxierender Hormone der Mutter
  • Schwangerschaft:
    • fetale Zwangshaltungen während der Schwangerschaft → z.B. Zwillingsschwangerschaft, Oligohydramnion
    • fetale Lageanomalie  insb. bei Beckenendlage (Beine neben dem Kopf: Knie gestreckt, Hüfte dafür gebeugt →​ erhöhter Druck auf hinteren Pfannenrand)

2

Liste 3 andere Fehlbildungen, die häufig in Kombination mit einer Hüftgelenksdysplasie auftreten.

  • Klumpfuß
  • Knick-Senk-Fuß
  • Wirbelsäulenanomalien

3

Erkläre die Pathophysiologie einer Hüftgelenksdysplasie mit deren Folgen.

  1. Azetabulumsdysplasie mit verzögerter Verknöcherung
  2. zunehmende Dezentrierung des Hüftkopfes mit weiterer Schädigung des Pfannendaches
  3. Bei Luxation: Beinverkürzung, Hüftbeugekontraktur
  4. im Verlauf Beckenverkippung und sek. Hyperlordose der LWS

4

Welche Symptome können prinzipiell auf eine bestehende Hüftgelenksdysplasie hindeuten?

In welchem Alter treten diese für gewöhnlich erstmals auf?

erst beim Kleinkind auffallend

  • Bewegungseinschränkungen
  • Knieschmerzen
  • Trendelenburg-Zeichen durch Insuffizienz der Glutealmusk. nach Luxation
  • Duchenne-Hinken bei bds. Luxation

5

Was sollte besonders bei Knieschmerzen beim Kind beachtet werden?

prinzipiell immer an Erkrankungen der Hüfte denken lassen 

→ z.B. Hüftgelenksdysplasie, M. Perthes, Epiphyseolysis capitis femoris

6

Wie ist im Rahmen einer klinischen Untersuchung auf eine Hüftgelenksdysplasie zu schließen?

  • Faltenasymmetrie: an Oberschenkel und Gesäß, jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig
  • Instabilitätszeichen:
    • Ortolani-Zeichen
    • Barlow-Zeichen
  • Beinlängendifferenz: Hüftkopf luxiert nach dorsal/kranial → bei 90° flekt. Hüfte/Knie Luxationsseite verkürzt
  • Abspreizhemmung: Abduktion des gebeugten Oberschenkels vermindert

7

Das Ortolani- und das Barlow-Zeichen sind beides Indikatoren, die auf eine Hüftgelenksdysplasie hinweisen.

Definiere.

beide leider geringe klin. Relevanz, da veraltet

  • Ortolani-Zeichen: bei Hüftbeugung, -außenrot. wiedereinrenken der subluxierten Hüfte 
  • Barlow-Zeichen: Wiedereinrenken durch Hüftbeugung + Druck auf Trochanter maj.

8

Was ist das Mittel der Wahl bei der klinischen Untersuchung zum Ausschluss einer Hüftgelenksdysplasie bei Neugeborenen?

Wann wird diese durchgeführt?

Beschreibe.

Untersuchung nach Graf
obligat im Rahmen der U3 zw 4. und 5. Lebenswoche

⇒ Messung von knöchernem Pfannendachwinkel (α) und Knorpeldachwinkel (β) zur Beurteilung von Hüftkopfposition

→ anat. Landmarken: Unterrand des Os ilium, gerade Schnittebene d. Os ilium, Labrum acetabulare

 

9

Wie ist die Untersuchung nach Graf auszuwerten?

Unterscheide zwischen Hüfttypen.

Auswertung von α und β Winkel

  • I: Normal entwickelte Hüfte → α > 60°
  • II: Reifungsverzögerung der Hüfte (Dysplasie)
  • III: Dezentrierte Hüftgelenke (Subluxation)
  • IV: Vollständige Luxation

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Beschreibe.

 

hier: abgeflachte Hüftpfanne im Sinne einer Hüftgelenksdysplasie

häufigste Hüftluxation = Luxatio iliaca nach hinten oben

11

Was ist das Ziel bei der Therapie einer Hüftgelenksdysplasie bei Neugeborenen?

Ziel: Retention durch Halten des Hüftgelenkes in Beugung und Abuktion

→ Spreizhose und "breit Wickeln"

12

Beschreibe die Vorgehensweise der Therapie bei einer Hüftgelenksluxation.

 

  1. Reposition
    • ​​konservativ - geschlossen: Zug am Bein zur Vereinfachung der Reposition mittels Overhead-Extension (90° flekt. Hüfte, gestr. Knie), danach unter Narkose und Muskelrelaxierung, z.B Manöver nach Böhler
    • operativ - offen: wenn konservativ erfolglos
  2. Nachbehandlung: Retensionsbehandlung mit Orthesen und Bandagen

Overhead-Extension

13

Gib 3 verschieden OP-Techniken an, die zur langfristigen Nachbehandlung von Hüftgelenksluxation und -dysplasie eingesetzt werden können.

Gemeinsames Ziel?

Verbesserung des Containments = ausreichende Überdachung des Femurkopfes durch die Gelenkpfanne

  • intertrochantäre Varisierungsosteotomie: Exzision eines Keiles im Schenkelhals führt zu mehr medialier Position des Hüftkopes (↑ CCD-Winkel)
  • Salter-Osteotomie: Einsägen oberhalb des Acetabulums, danach Einsetzen eines Knochenkeils in das Os ilium
  • Triple-Osteotomie nach Tönnis bei älteren Kindern/Erwachsenen: Durchtrennung aller Anteile des Os coxae + Rekonstruktion des Acetabulums

intertrochantäre Varisationsosteotomie

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Liste mögliche, langfristige Komplikationen, die nach Hüftgelenksdysplasie/-luxation auftreten können?

 

  • Coxa valga
  • Hyperlordose (Hohlkreuz)
  • Koxarthrose
  • Hüftkopffraktur
  • Hüftkopfnekrose durch häufige frustrane Repositionsmanöver oder zu starke/zu geringe Abspreizung bei der Retentionsbehandlung 

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Andere Bezeichnung für M. Perthes.

Wann tritt diese meist auf und wie steht es um die Geschlechterverteilung?

idiopathische, aseptische Hüftkopfnekrose des Kindes

= juvenile Hüftkopfnekrose

  • meist zw 4. und 8. Lebensjahr
  • häufiger bei Mädchen (4:1)

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Erkläre die Pathophysiologie von M. Perthes.

  1. Durchblutungsstörung des Hüftkopfes mit subchondraler Nekrose des Knochens
  2. bei weiterhin unveränderter Belastung → subchondrale Fraktur: Kopf erscheint im Röntgen flacher und breiter = Coxa magna
    BEACHTE: verliert häufig Zentrierung im Acetabulum → lat. Subluxation
  3. zus. Wachstum des per. Gelenkknorpels (trägt zu Coxa magna bei) → Entw. von asphärischem, zum Hüftkopf inkongruentem Azetabulum

 

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Liste 4 Klassifizierungsschemata zum Schweregrad und Ausbreitung des M. Perthes.

Nenne eines zur Einteilung des Endzustandes.

Schweregrad + Ausbreitung:

  • Waldenström-Klassifikation: richtet sich rein nach morphologischen Merkmalen
  • nach Catterall, I-IV: beschreibt Ausdehnung des epiphyseären Nekroseareals 
  • nach Salter und Thompson, A-B: beschreibt Ausmaß der subchondralen Fraktur im Anfangsstadium
  • nach Herring, A-C: betrachtet Höhe des Hüftkopfes

Endzustand:

  • nach Stulberg - I-V: beschreibt Morphologie des Femurkopfes im Ausheilungsstadium

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Wie wird ein M. Perthes nach der Waldenström-Klassifikation gegliedert?

  • I = Initialstadium: ↑ Gelenkspalt + Gelenkergusses
  • II = Kondensationsstadium: Dichtezunahme der Epiphyse
  • III = Fragmentationsstadium: subchondrale Aufhellung mit scholligem Zerfall der Epiphyse
  • IV = Reparationsstadium: Wiederaufbau des Hüftkopfes durch Reossifkation
  • Va = Restitutio ad integrium
    Vb = Fixierung einer Deformierung

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Beschreibe die Klassifikation nach Herring.

Wieso ist diese so populär?

Lateral Pillar Klassifikation nach Herring

beachtet wird die laterale Höhe des Femurkopfes (= laterale Säule), da solange diese besteht, die Gefahr einer Subluxation nicht gegeben → hohe prognostische Relevanz

  • Stadium A/Herring A: Höhe der lat. Säule = 100% bzw. nicht betroffen
  • Stadium B/Herring B: Höhe der lat. Säule > 50%
  • Stadium C/Herring C: Höhe der lat. Säule < 50%

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Mit welcher Symptomatik äußert sich ein klassischer M. Perthes?

bei 10 - 20% bds. Befall, häufig zeitversetzt

  • Leitsymptom: (belastungsabh.) Schonhinken 
  • Hüft- oder Oberschenkelschmerzen mit Ausstrahlung ins Knie (Knieschmerzen)
  • eingeschr. Abduktion und Rotation (vor allem IR) im Hüftgelenk
  • Lauffaulheit

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