Untersuchung Wirbelsäule Flashcards Preview

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Flashcards in Untersuchung Wirbelsäule Deck (32):
1

In welche Wirbel (Vertebrae) wird die Wirbelsäule unterteilt?

Anzahl

  • 7 Halswirbel = Vertebrae cervicales → C1 - C7 
  • 12 Brustwirbel = Vertebrae thoracales → Th1 - Th12 
  • 5 Lendenwirbel = Vertebrae lumbales → L1 - L5
  • 5 Sakralwirbel = Vertebrae sacrales → verschmolzen zu Os sacrum
  • 3-5 rudimentäre Steißwirbel = Vertebrae coccygeales → verschmolzen zu Os coccygis

2

Beschreibe den Aufbau eines Wirbels anhand des Bildes unten.

#1 - 9.

  • Wirbelkörper (Corpus vertebrae)
  • Wirbelbogen (Arcus vertebrae): Besteht aus Bogenplatte (Lamina arcus vertebrae) und Bogenwurzel (Pediculus arcus vertebrae)
  • Dornfortsatz (Processus spinosus) und Querfortsatz (Processus transversus) - hier inserieren Bänder + Muskeln
  • Oberer und unterer Gelenkfortsatz (Processus articularis superior und Processus articularis inferior)
  • Wirbelloch (Foramen vertebrale): Wirbellöcher aller Wirbel bilden Wirbelkanal, in dem das Rückenmark und dessen Abgänge (einzelne Spinalnervenund Cauda equina) verlaufen

3

Liste die 6 wichtigsten Bänder der Wirbelsäule von ventral nach dorsal.

An welchen Stellen sind diese Bänder zu finden?

 

  • Lig. longitudinale anterius ("Vorderes Längsband") = zieht entlang der Vorderflächen der Wirbelkörper
  • Lig. longitudinale posterius ("Hinteres Längsband") = zieht entlang der Hinterflächen der Wirbelkörper
  • Ligg. flava = verbinden die Wirbelbögen benachbarter Wirbel
  • Lig. supraspinale = verbindet die Dornfortsätze der Wirbelkörper an deren dorsal liegenden Spitzen. Im Bereich von HWK7 geht es in das Lig. nuchae über.
  • Ligg. interspinalia = verbinden die Dornfortsätze der Wirbelkörper an deren Bogenplatten
  • Ligg. intertransversaria = verbinden die Querfortsätze benachbarter Wirbelkörper

4

Beschreibe die Form der Wirbelsäule.

Funktion?

 Doppelte S-Form → Bewegungsdämpfung und Unterstüzung einer ausbalancierten, aufrechten Körperhaltung, bestehend aus konvexen (Kyphose) und konkaven (Lordose) Krümmungen

  • Halslordose
  • Brustkyphose
  • Lendenlordose
  • Sakralkyphose

5

Erkläre die groben Schritte der klinischen Untersuchung der WIrbelsäule.

  1. Anamnese
  2. Inspektion, Palpation & Perkussion
  3. Beweglichkeitsprüfung
  4. orientierende neurologische Untersuchung

6

Welche Fragen sollten im Rahmen einer Anamneseerhebung bei Patienten mit Wirbelsäulenbeschwerden geklärt werden?

 

  1. allgemeine Schmerzanamnese: Beginn? akut/chronisch? persistierend oder intermittierend, Veränderungen der Schmerzqualität im Verlauf? Nachtschmerz?
  2. Bewegungseinschränkungen
  3. Schmerzauslöser
  4. Ausstrahlung
  5. Begleitsymptome

7

Hier einige Beispiel für gewisse Schmerzauslöser von Wirbelsäulenschmerz.

  • Schmerzen bei Reklination
  • Schmerzen bei Husten oder Niesen
  • Starke nächtliche Schmerzen

Welche Pathologien legen diese nahe?

  • Schmerzen bei Reklination → Hinweis auf Spondylarthrose
  • Schmerzen bei Husten oder Niesen → Hinweis auf Spinalkanalstenose
  • Starke nächtliche Schmerzen → Hinweis auf Tumor oder Infektion

8

Hier einige Beispiel für gewisse Ausstrahlungsmuster von Wirbelsäulenschmerz.

  • Dermatombezogener Schmerz
  • Kein Dermatombezug

Welche Pathologien könnten diese nahelegen?

  • Dermatombezogener Schmerz ("Radikulärer Schmerz") → Hinweis auf Wurzelkompressionssyndrom (ggf. zusätzliche motorische Symptome wie Kraftverlust, Atrophie oder fehlende Reflexe derKennmuskeln)
  • Kein Dermatombezug (Lokaler Schmerz) → Ggf. aus umschriebenem Prozess (z.B. Trauma, Tumor oder Entzündungen)

9

Hier einige Beispiel für gewisse Begleitsymptome von Wirbelsäulenschmerz.

  • Sensibilitäts- oder Motorikstörungen
  • Miktionsstörungen, Defäkationsstörungen, Reithosenanästhesie 

Welche Pathologien könnten diese nahelegen?

  • Sensibilitäts- oder Motorikstörungen → Hinweis auf Wurzelkompressionssyndrom
  • Miktionsstörungen, Defäkationsstörungen, Reithosenanästhesie → Hinweis auf Kauda-Syndrom oder Konus-Syndrom

10

Beschreibe, wie bei der Inspektion der HWS vorgegangen werden sollte.

Von ventral/dorsal 

  • Kopfstellung → in Mittelstellung?
  • Kopfneigung → M. trapezius - Ohrläppchenabstand
  • Verlauf der Processus spinosi → Skoliose?
  • Symmetrie von M. sternocleidomastoideus und M. trapezius  

Von lateral

  • Form der Wirbelsäule → Lordose der HWS gefolgt von Kyphose der BWS

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Welcher Befund legt M. Bechterew im Rahmen einer Inspektion der HWS nahe?

Steilstellung der HWS mit Aufhebung der Lordose

12

Erkläre den schrittweisen Ablauf einer Palpation im Rahmen einer HWS-Untersuchung.

zunächst Knochen danach Muskeln

  1. Mastoid 
  2. Kiefergelenk
  3. Processus spinosi: optimalerweise in leichter Inklination, C7 dient als Orientierungshilfe
  4. Paravertebrale Muskulatur, Symmetrie des M. sternocleidomastoideus und des M. trapezius 

13

Hier ein paar Beispiele von Palpationsbefunden während der klinischen Untersuchung der HWS.

  • duckschmerzhafte, ödematöse Schwellung am Mastoid
  • gleichzeitigen Schmerzen im Bereich des Kiefergelenkes und der Halswirbelsäule
  • muskulärer Hartspann des M. sternocleidomastoideus

Welche Pathologien könnten diese nahelegen?

  • duckschmerzhafte, ödematöse Schwellung am Mastoid → Mastoiditis, retroaurikuläre Lymphadenopathie​
  • gleichzeitigen Schmerzen im Bereich des Kiefergelenkes und der Halswirbelsäule → kraniomandibuläre Dysfunktion als Fehl-/Überbelastung des Kiefergelenks
  • muskulärer Hartspann des M. sternocleidomastoideus → Torticollis spasmodicus

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Wie sollte bei der Perkussion der HWS genau vorgegangen werden?

Welche Pathologien könnten dabei durch die hier aufgeführten Ausstrahlungsmuster nahegelegt werden?

  • Umschriebene Schmerzen 
  • Diffuse Schmerzen 
  • Ausstrahlende Schmerzen 

 

Perkussion der Proc. spinosi ausgehend von C7 nach C1 vorsichtig durch Finger oder Reflexhammer

  • Umschriebene Schmerzen → Pathologien der Muskeln und/oder Bänder, z.B. Frakturen/Entzündungen 
  • Diffuse Schmerzen → Tumor oder osteoporotische Ursachen
  • Ausstrahlende Schmerzen → Typisch für radikuläre Syndrome

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Worauf sollte man bei der inspektorischen Untersuchung von BWS und LWS achten?

 

  • Form und Verlauf der Wirbelsäule → Skoliose, phys. Brustkyphose, Lendenlordose?
  • Konfiguration des Brustkorbs → Rotation?
  • Schulter- und Beckenstand 
  • Hautrelief des Rückens
    • Tannenbaumphänomen 
    • Symmetrie der Taillendreiecke → Skoliose?

 

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Welcher pathologische Vorgang wird durch das Tannenbaumphänomen beschrieben?

Mögliche Folgen?

Charakteristische Hautfalten des Rückens, die durch die Abnahme der Körperhöhe in Folge von Osteoporose entstehen

→ kann zu Sinterungsfraktur von Wirbelkörper führen, da Substantia compacta nicht mehr fähig ist, Gewicht zu tragen

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Welche Strukturen werden bei der klinischen Untersuchung von BWS/LWS palpiert?

  • Processus spinosi → Druckschmerzhaft? Gleichmäßiger Abstand? Kein Vorstehen einzelner Processus spinosi? → Infektion oder Fraktur eines Wirbelkörpers
  • Paravertebrale Muskulatur → Myogelosen? Muskulärer Hartspann?

18

Wie sollte bei der Perkussion von BWS/LWS genau vorgegangen werden?

Welche Pathologien könnten dabei durch die hier aufgeführten Ausstrahlungsmuster nahegelegt werden?

  • Umschriebene Schmerzen 
  • Diffuse Schmerzen 
  • Ausstrahlende Schmerzen 

Perkussion der Proc. spinosi analog zu Perkussion der HWS durch Finger oder Reflexhammer

  • Umschriebene Schmerzen → Pathologien der Muskeln und/oder Bänder, z.B. Frakturen/Entzündungen 
  • Diffuse Schmerzen → Tumor oder osteoporotische Ursachen
  • Ausstrahlende Schmerzen → Typisch für radikuläre Syndrome

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Abgesehen von Druckschmerz, der bei der "normalen" Perkussion durchgeführt wird, sollten bei der klinischen Untersuchung der Wirbelsäule auch auf weitere Schmerzarten getestet werden.

Auf welche wird getestet?

Durchführung + Befund, wenn positiv.

  • Rüttelschmerz: Pt in Bauchlage, Untersucher rüttelt an Procc. spinosi → Wirbelkörperfrakturen oder Spondylitis?
  • Stauchungsschmerz: axialer Druck auf beide Schultern des sitzenden Pt → entzündliche Prozesse, z.B. Spondylodiszitis?
  • Fersenfallschmerz: vom Zehenstand auf Fersen fallen lassen → entzündliche Prozesse, z.B. eine Spondylodiszitis?

dargestellt die Prüfung auf Stauchungsschmerz

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Welche Werte sollten bei der aktiven & passiven Beweglichkeitsprüfung der HWS erreicht werden?

 

  • Inklination/Reklination: 45°/0°/45°  
  • Rotation: 80°/0°/80° 
  • Lateralflexion: 45°/0°/45° 

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Inwieweit unterscheidet sich die Durchführung der Beweglichkeitsprüfung von BWS/LWS von der der HWS?

Bewegungsmaße von BWS und LWS nach Neutral-Null-Methode.

wird lediglich aktiv getestet

BWS

  • Inklination/Reklination: 35°/0°/25°
  • Rotation: 40°/0°/40°
  • Lateralflexion: 20°/0°/20°

LWS

  • Inklination/Reklination: 50°/0°/30°
  • Rotation: 10°/0°/10°
  • Lateralflexion: 20°/0°/20°

22

Im Sinne der Beweglichkeitsprüfung der Wirbelsäule gibt es weitere Abmessungen, die vorwiegend im Rahmen eines Gutachten durchgeführt werden.

Liste 6.

  • Flèche-Maß
  • Kinn-Sternum-Abstand
  • Bestimmung der Thorax-Umfangsdifferenz
  • Schober-Maß
  • Ott-Maß
  • Vorbeuge-Test
  • Finger-Boden-Abstand

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Was genau wird vom Flèche-Maß beschrieben?

Beschreibe Durchführung und Befund dieses Tests.

= Hinterkopf-Wand-Abstand

Pt steht mit Rücken zur Wand (Fersen, Gesäß, oberer Rücken, Hinterkopf in Kontakt), anschließnd Messung von Abstand zw Hinterkopf - Wand

 ⇒ ≥5cm = pathologischz.B. M. Bechterew (aufgrund verstärkter Brustkyphose und HWS-Bewegungseinschränkung)

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Wie wird der Kinn-Sternum-Abstand ermittelt?

Interpretation?

beschreibt Beweglichkeit (Inklination/Reklination) der HWS

Kinn auf Brust, danach Messung von Abstand zw Kinn und Sternum, anschließend selbiges mit Kopf in Nacken gelegt

pathologisch, wenn Inklination >2cm und in Reklination <16 oder >24cm → Bewegungseinschränkung der HWS, z.B. M. Bechterew?

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Beschreibe die Durchführung der Bestimmung einer Thorax-Umfangsdifferenz.

Befund?

Messung des Thoraxumfangs in tiefer, gehaltener Exspiration, anschließend in tiefer, gehaltener Inspiration in Höhe des Proc. xiphoideus (alternativ 5cm darüber/darunter)

⇒ Verkleinerung der Umfangsdifferenz zw Inspiration-Exspiration auf ≤2,5cm, z.B. bei Skoliose, M. Bechterew oder Lungenemphysem

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Was genau wird vom Schober-Maß beschrieben?

Erkläre Durchführung und Befund dieses Tests.

Maß für Beweglichkeit (Inklination/Reklination) der LWS

 LWK5 + Punkt 10cm kranial davon markiert, danach max. Beugung nach vorn, anschließend max. Beugung nach hinten → Abstandsmessung

⇒ beide Punkte bei Ventralflexion <4cm, bei Dorsalflexion <2cm auseinander → degenerativen Wirbelsäulenerkrankung, wie typischerweise M. Bechterew?

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Was genau wird vom Ott-Maß beschrieben?

Erkläre Durchführung und Befund dieses Tests.

Maß für Beweglichkeit (Inklination/Reklination) der BWS

HWK7 und 30cm kaudal Punkt markiert, danach max. Beugung nach vorn, anschließend max. Beugung nach hinten → Abstandsmessung

⇒ beide Punkte bei Ventralflexion <2cm, bei Dorsalflexion <1-2cm auseinander → degenerativen Wirbelsäulenerkrankung, wie typischerweise M. Bechterew?

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Beschreibe die Durchführung des Vorbeuge-Tests.

Bedeutung?

Pt beugt sich in schulterbreitem Stand nach vorne über (Knie dürfen nicht durchgedrückt werden!) mit anschließender Inspektion des Wirbelsäulenverlaufs von dorsal 

⇒ Differenzierung zw funktioneller Skoliose und struktureller Skoliose → Einseitiger Rippenbuckel = BWS-SkolioseLendenwulst = LWS-Skoliose

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Erkläre den Unterschied zw struktureller und funktioneller Skoliose.

  • funktionelle Skoliose = Verschwinden der Skoliose bei Vorbeugen, z.B. bei ischialgisch bedingter Skoliose
  • strukturelle Skoliose = Fortbestehen der Skoliose bei Vorbeugen

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Welcher Test wird vor allem zur Verlaufskontrolle von Wirbelsäulenerkrankungen wie M. Bechterew durchgeführt?

Erkläre Durchführung und Befund.

Finger-Boden-Abstand = Maß für Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule 

  • physiologisch: konstitutionsabhängig 0-10cm
  • pathologisch: >10cm

BEACHTE: relativ unspezifisches Maß, da auch durch Beweglichkeit des Hüftgelenkes, sowie Konfiguration der ischiokruralen Muskulatur und die Arm- und Beinlängen beeinflusst

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Was sollte bei der klinischen Untersuchung der Wirbelsäule noch bedacht werden, sollte der Verdacht auf deinen Diskusprolaps mit Wurzelkompression bestehen?

orientierende neurologische Untersuchung sollte durchgeführt werden, besonders:

  • Kraftgrade nach Jandra
  • Erhaltene, seitengleiche Muskeleigenreflexe in allen Kennmuskeln
  • Seitengleiche Sensibilität in allen Dermatomen
  • Prüfung der Nervendehnungszeichen
    • Lasègue-Zeichen, Pseudo-Lasègue-Zeichen, gekreuztes Lasègue-Zeichen, umgekehrtes Lasègue-Zeichen
    • Kernig-Zeichen

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Was ist eine Reithosenanästhesie?

Wann kann eine solche Auftreten?

Sensibilitätsausfall in den Dermatomen S3-S5 → Region um Anus, Genitalien und Innenseite der Oberschenkel = erinnert an den Besatz einer Reithose

⇒ kann auftreten bei Konus- oder Kauda-Syndrom