Untersuchung Hüfte + ISG Flashcards Preview

Orthopädie & Unfallchirurgie > Untersuchung Hüfte + ISG > Flashcards

Flashcards in Untersuchung Hüfte + ISG Deck (28):
1

Was ist der Gelenktyps des Hüftgelenks?

Welche Knochen formen Bestandteile des Hüftgelenkes?
Gehe genauer auf die Struktur der Gelenkpfanne ein.

 

Kugelgelenk / Nussgelenk

Bestandteile:

  • Caput femoris (Femurkopf)
  • Acetabulum (Gelenkpfanne), bestehend aus Os ilium, Os ischii, Os pubis = Os coxae
    • weist knorpelige Gelenkfläche auf, sog. Facies lunata
    • vergrößert durch faserknorpliges Labrum acetabulare 

hier: weibliches Becken

2

Welche Bänder stabilisieren das Hüftgelenk?

Was ist deren Funktion?

  • Lig. ischiofemorale
  • Lig. pubofemorale
  • Lig. iliofemorale → stärkste Band des menschlichen Körpers, verschraubt sich bei der Extension mit den anderen Bändern stabilisiert so den aufrechten Stand ohne Muskeleinsatz

3

Was ist der Gelenktyp + Funktion des Iliosakralgelenkes?

Gelenkflächen + Bänder des Bandapparates.

 

Amphiarthrose → Kraftübertragung von der Wirbelsäule auf Becke/untere Extremität

Gelenkflächen: Facies auriculares von Os sacrum und Os ilium 

Bandapparat

  • Ligg. sacroiliaca (anteriora, posteriora und interossea) 
  • Lig. sacrospinale 
  • Lig. sacrotuberale 
  • Lig. iliolumbale 

 

4

Pathologie, Symptome + Therapie.

rheumatischen Erkrankungen wie M. Bechterew kann zu Entzündung des ISG führen = Sacroiliitis 

  • Symptome: dumpfe Schmerzen im unteren Rücken, meist Linderung im Tagesverlauf
  • Therapie: Physiotherapie + NSARs

BEACHTE: nicht zu verwechseln mit ISG-Arthrose

hochgradiger Verdacht auf Sacroiliitis - kaum noch erkennbarer Gelenkspalt (grün) + ausgedehnte Sklerosierungen (rot), außerdem Coxarthrose bds.

5

Inwiefern kann das Patientenalter bei der Anamneseerhebung bei Pt mit Hüftbeschwerden eine Rolle spielen?

Unterscheide häufige Pathologiemuster bei Jugendlichen und Erwachsenen.

  • Jugendliche: Häufiger sind z.B. M. Perthes, Coxitis fugax, rheumatische Gelenkerkrankungen, Epiphysiolysis capitis femoris
  • Erwachsene: Häufiger Arthrose (ab 25J meist sekundär, ab 50/60J meist primär)

6

Welche allgemeinen Fragen sollten in Hinblick auf Hüftbeschwerden während der Anamneseerhebung geklärt werden?

  • Lokalisation
    • Trochanter major/Leistenschmerz 
    • LWS oder ISG mit Einstrahlen ins Bein
  • Auslöser: Unfall oder Unfallunabhängige Vorerkrankungen, ggf. belastungsabhängig?
  • Sensibilitätsstörungen/Kraftverlust/Bewegungseinschränkungen?
  • Belastungsfaktoren: beruflich oder sportlich
  • Akuität , Intensität und Qualität 
  • Bisherige Therapie?

7

In welchen 3 Stadien erfolgt die Inspektion von Patienten mit Hüftbeschwerden?

Was sollte jeweils erfolgen?

  1. gehend → Beurteilung des Gangbildes
  2. stehend → Begutachtung aller Körperseiten
  3. liegend → Untersuchung auf Atrophien, Narben, Verletzungen oder Entzündungszeichen

8

Ein Patient klagt über Hüftbeschwerden, während der Inspektion treten folgende Bewegungsmuster auf:

  • Innen-/Außenrotationsgang 
  • Hinken 

Worauf könnten diese zurückzuführen sein?

  • Innen-/Außenrotationsgang → angeboren oder Ober-/Unterschenkel oder Fuß betreffend
  • Hinken → 
    • Beinverkürzung: Funktionell bei Adduktionskontraktur oder strukturell bei Femurverkürzung
    • Lähmungen: Spastisch infolge eines Apoplexes oder schlaff infolge einer nervalen Lähmung

9

Ein Patient klagt über Hüftbeschwerden.

Wie sollte die klinische Untersuchung (Inspektion + Palpation) des stehenden Patienten ablaufen?

= Begutachtung aller Körperseiten

1. Ventral:

  • Rumpfstellung: Bauchnabel etwa zentral auf einer Linie der Cristae iliacae (Palpation der Cristae mit abgespreizten Daumen)
  • Beckenstellung: Verbindungslinien zw Cristae iliacae und Spinae iliacae anteriores superiores waagerecht?
  • Femurstellung: Palpation der Trochanter majores: Verbindungslinie waagerecht?

2. Lateral:

  • Beurteilung der Lendenlordose 
  • Beckenstand: Verbindungslinie zw Spina iliaca anterior und posterior superior waagerecht?

3. Dorsal:

  • Muskelrelief: z.B. gluteale Muskelatrophie (Trendelenburg-Zeichen)

10

Nenne Ursachen für eine Beckenrück- bzw. eine Beckenvorkippung.

  • Beckenrückkippung: z.B. bei Vorderkantenfraktur eines Wirbelkörpers, M. Scheuermann, Tuberkulöse Spondylitis
  • Beckenvorkippung: z.B. bei Hohlrundrücken, Hüftbeugekontraktur, Spondylolisthesis, Hüftluxation

11

Auf welche besonderen Schmerzmuster sollte der Patient liegend bei Hüftgelenksbeschwerden untersucht werden?

Nenne 4.

  • Trochanter-Klopfschmerz oder Druckschmerz
  • Leistendruckschmerz
  • Stauchungsschmerz
  • Beckenkompression

12

Wie erfolgt eine Prüfung auf Trochanter-Klopfschmerz?

Mögliche Ursachen?

Prüfung erfolgt durch seitliches Beklopfen des Trochanter major mit der Faust

→ Fraktur des Trochanter major, Coxarthrose, Coxitis, Bursitis trochanterica, Gelenkerguss?

13

Wie erfolgt eine Prüfung auf Leistendruckschmerz?

Mögliche Ursachen?

senkrechter Druck im Bereich des Hüftkopfes am liegenden Patienten

→ Unspezifisches Zeichen bei vielen Erkrankungen des Hüftkopfes 

14

Wie erfolgt eine Prüfung auf Stauchungsschmerz im Hüftgelenk?

Mögliche Ursachen?

Bein auf der Seite der untersuchenden Hüfte leicht von der Liege abgehoben, mit beiden Händen fixiert. Danach kranial entlang Längsachse Richtung Hüftgelenk verschoben

→ Frakturen (z.B. Schenkelhalsfraktur), Nekrosen (z.B. juvenile Hüftkopfnekrose) oder degenerative Prozesse (Arthrose) 

15

Beschreibe die Durchführung einer Beckenkompression zur klinischen Untersuchung der Hüfte. Es entsteht dabei

  • Rückenschmerzen
  • Beckenschmerzen, Krepitationen und Instabilitäten

Mögliche Ursachen?

zunächst anterior-posterior: Pt in Rückenlage, gleichzeitiger Druck auf beide Beckenkämme, sowie  lateral: Pt in Seitenlage, gleichzeitiger Druck auf Beckenschaufeln

  • Rückenschmerzen → Hinweis auf Erkrankungen des ISG
  • Beckenschmerzen, Krepitationen und Instabilitäten → Ggf. bei Beckenringfraktur

16

Beschreibe die Durchführung der Beweglichkeitsprüfung des Hüftgelenkes.

Bewegungsmaße?

  • Flexion/Extension : 140°/0°/15°
    - Flexion in 90° Knieflexion → Entspannung der ischiokruralen Muskulatur
    - Extension mit gestrecktem Knie → Entspannung des M. quadriceps femoris 
  • Adduktion/Abduktion : 25°/0°/45°
  • Innen-/Außenrotation : 35°/0°/45° 
    mit 90° Flexion im Kniegelenk →  zur Prüfung der Außenrotation im Hüftgelenk wird Unterschenkel nach innen gedreht!

17

Liste 7 wichtige Funktionstest, die zur Befundung bei Hüftbeschwerden herangezogen werden können.

  • Trendelenburg-Zeichen
  • Thomas-Handgriff
  • Drehmann-Zeichen
  • Vierer-Zeichen
  • Mennel-Zeichen
  • Standing-Flexion-Test
  • Spine-Test

18

Wozu dient die Prüfung des Trendelenburg-Zeichens?

 

 

Nachweis einer Insuffizienz der Mm. glutei medius und minimus (verhindern das Abkippen zur Gegenseite beim Einbeinstand durch Stab. des Beckens) 

Durchführung 

  1. Prüfung des Beckenstandes durch Höhenvergleich beider Darmbeinkämme
  2. ein Bein anheben, während Beckenstand und Haltung weiter beobachtet werden

⇒ Absinken des Beckens zur gesunden Seite, d.h. der Spielbeinseite (Trendelenburg-Zeichen) → entgegengewirkt durch Neigung des Oberkörpers zur kontralateralen Seite entgegengewirkt (Duchenne-Zeichen

 

19

Woran erkennt man Duchenne-Hinken?

 

(häufig beidseitiges) Duchenne-Zeichen beim gehenden Patienten → kompensatorisches Hin-und-Her-Bewegung des Oberkörpers 

20

Beschreibe die Durchführung des Thomas-Handgriffs.

Befund?

  1. Eine Hand flach unter LWS des Pt, um Lendenlordose zu tasten
  2. Mit anderer Hand Test auf Hüftflexion, führt zu Rückkippung des Becken und Verstreichen der Lendenlordose
    BEACHTE: zweites Bein sollte glatt auf Liege bleiben

⇒ 2 Möglichkeiten:

  • (3): Verschwinden der Lendenlordose und das kontralaterale Bein hebt sich von der Liege ab → Direkter Hinweis auf Hüftbeugekontraktur: Winkel zw Liege und Bein = Grad der Hüftbeugekontraktur + Verlaufskontrolle
  • (4): Erhalt der Lendenlordose → Indirekter Hinweis auf Hüftbeugekontraktur: Versuch des Ausgleichens der Beckenkippung durch Absenken des zweiten Beines

21

Nenne mögliche Ursachen für eine Hüft-Beuge-Kontraktur.

Pt mit einer solchen klagen auch häufig über... ?

ossär (z.B. Coxarthrose), muskulär (z.B. Verkürzung des M. iliopsoas oder quadriceps femoris), post-traumatisch durch Narbenbildung

BEACHTE: Hüft-Beuge-Kontrakturen führen häufig sekundär zu LWS-Beschwerden, obwohl primäre Ursache im Hüftgelenk!

22

Der Verdacht auf welche Erkrankungen können die Prüfung auf das Drehmann-Zeichen nötig machen?

  • bei Kindern
  • bei Erwachsenen

Beschreibe Durchführung + Befund.

  • bei Kindern: Epiphyseolysis capitis femoris
  • bei Erwachsenen: Coxarthrose, Coxitis oder destruktiven Knochentumoren im Bereich der Hüfte 

Durchführung: Bein wird in Hüfte und Knie durch Untersucher flektiert

⇒ pathologische Außenrotation und Abduktion in der Hüfte während der passiven Flexion (Drehmann-Zeichen)

23

Beschreibe die Durchführung zur Prüfung des Vierer-Zeichens.

Bei welchem Befund gilt der Test als positiv und auf welche Pathologien deutet dieses hin?

  1. Ferse der zu untersuchenden Seite wird auf das Kniegelenk der Gegenseite gelegt → Außenrotation und Abduktion im Hüftgelenk
  2. Kniegelenk der zu untersuchenden Seite nun losgelassen und anschließend vorsichtig in Richtung Boden gedrückt.
    BEACHTE: Hüfte der Gegenseite fixieren, um Rotation der Wirbelsäule zu vermeiden

⇒ Schmerzen oder >20cm Abstand zw Knie und Unterlage bzw. im Seitenvergleich deutlich erhöhter Abstand (Vierer-Zeichen) → Pathologie des Hüftgelenkes, z.B. Coxitis oder M. Perthes

24

In welchen 3 Positionen kann eine Prüfung auf das Mennell-Zeichen erfolgen? Beschreibe.

Wann gilt es als positiv und auf welche Erkrankungen deutet dieses hin?

  • Bauchlage: Os sacrum wird mit aufgelegter Hand fixiert, mit anderer Hand wird das Bein in Hyperextension gebracht
  • Patient in Seitenlage: Fixierung des Os sacrum, anschließend Hyperextension des oben liegenden Beines
  • Patient in Rückenlage: mit beiden Händen Druck auf Darmbeinschaufeln (Beckenkompression)

⇒ Schmerzen im Bereich der Iliosakralfuge (Mennell-Zeichen) → bei M. Bechterew mit florider Iliosakralarthritis, degenerativer Veränderungen der Iliosakralfuge oder einer Blockade des Iliosakralgelenks

25

Beschreibe die Durchführung des Standing-Flexion-Tests.

Welches Phänomän beschreibt ein positives Testergebnis und was kann eine Ursache dessen sein?

  1. Daumen beidseits auf SIPS und umfasst Darmbeinschaufeln im Bereich der Crista iliaca
  2. max. Rumpfbeugung mit gestr. Knien + Inspektion des "Vorlauf" der beiden Untersucherhände = Bewegung des Os sacrum gegen Os ilium
    BEACHTE: ∽30s halten, um sukzessiven Erschlaffen der Muskulatur herbeizuführen bzw. muskelbedingte Seitendifferenz auszuschließen 

einseitiger Hochstand (>0,5cm) eines Darmbeinstachels (sichtbar an Daumen) (Vorlaufphänomen) → verringerte Beweglichkeit im ISG auf ipsilateralen Seite, z.B. ISG-Blockade

26

ISG-Syndrom

  • Symptome
  • Ursachen
  • DD
  • Behandlung

  • SymptomeSchmerzen im ISG (Beugen, Drehen des Rumpfes, längeres Sitzen) durch Verkantung der Gelenkflächen (ISG-Blockade) ausstrahlend ins Bein/Rücken, Unterbauch/Leiste durch Verspannung des M. iliopsoas
  • Ursachen: Fehlbelastung des Bandapparates, M. Bechterew, Schwangerschaft durch Lockerung der Bänder/Kompensation durch Rückenmusk.
  • DD: Frakturen, Tumoren, Infektionen, Nervenläsion,  Morbus Bechterew, psychisch bedingter Rückenschmerz, Arthrose
  • Behandlung: Physio, Infiltrationsth., Mob./Manipul., NSARs

27

Wie wird der sog. Spine-Test durchgeführt?

Welches Phänomän beschreibt ein positives Testergebnis und was kann eine Ursache dessen sein?

Durchführung: Anheben eines Bein + starke Flexion in Knie und Hüfte (Fuß halten oder auch abstellen), anschließende Prüfung auf der Gegenseite

Ausbleiben der Kaudalbewg. des ipsilateralen Darmbeinstachels (fehlendes Gleiten der Gelenkflächen des ISG) (Rücklaufphänomen) → verringerte Beweglichkeit im ISG auf ipsilateralen Seite, z.B. ISG-Blockade

28

Nenne 3 Tests, die bei Neugeborenen durchgeführt werden, um eine Hüftdysplasie auszuschließen.

  • Faltenasymmetrie
  • Barlow-Zeichen
  • Ortolani-Zeichen