BRD 2 (17.10.2023) Flashcards

(16 cards)

1
Q

Was sind Konflikte?

A

• Ein Konflikt ist in der Politikwissenschaft eine Kollision von Interessen politischer Akteure.
• Unterscheiden lassen sich verschiedene Konflikttypen, z.B.
• Allokationskonflikte (Wer bekommt was?) z.B. Steuern, Bafög, Subventionen
• Machtkonflikte (Wer darf was?) z.B. Zuständigkeiten von Ländern, Bund, EU
• Wertkonflikte (Was ist richtig?) z.B. einzelne Themen wie z.B. Cannabis Legalisierung oder Leihmutterschaft
• Konflikte sind inhärenter Gegenstand der Politik: Ohne Konflikte ist Politik gar nicht denkbar!
• Wesen der Politik: Lösen/ Austragen von Konflikten

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2
Q

Was sind Normen?

A
  • Normen sind formale und informale Regelungen, die das Zusammenwirken von Menschen prägen sowie von diesen als Mittel zur Interpretation eigenen und fremden Handelns benutzt werden.
    • Faustregel: Jede Norm lässt sich in einen „Du sollst‐Satz“ bzw. „Du sollst nicht‐Satz“ umformulieren.
    • Normen sind Bestandteile (Bausteine) von Institutionen
    • Z.B. DIN - die Industrienorm
    • Z.B. Institution: das Strafgesetzbuch, Norm: 358 Einzelparagraphen
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3
Q

Was sind Institutionen?

A

Institutionen sind soziale Handlungen und ein Gefüge aus Normen, die
• auf Langlebigkeit angelegt sind
• von Akteuren als legitim anerkannt sind
• soziales Handeln determinieren (Neo-Institutionalismus!)
• Normen sind Bausteine von Institutionen
• soziale Institutionen sind politische Institutionen, wenn sie mit politischen Konflikten interagieren

Verschiedene Formen:
• Konkrete materielle zweckgerichtete Einrichtungen (z.B. der Bundestag, die öffentliche Verwaltung, die Justiz)
• Abstrakte immaterielle zweckgerichtete Einrichtungen (z.B. das Grundgesetz, die demokratische Mehrheitsregel)
• totale Institutionen: man kann sich Ihnen nicht entziehen (z.B. Intensivstation Krankenhaus, Gefängnis)
• Offene Institutionen: man kann sich einfacher entziehen, aber kann Konsequenzen haben und auch Verhalten prägen (z.B. Austritt aus Kirche)

Es lassen sich formelle und informelle Institutionen unterscheiden:
• Formelle Institutionen basieren auf Zwang und sind in irgendeiner Form niedergelegt (z.B. Gesetze, Verordnungen, Richtlinien)
• Informelle Institutionen sind Regeln, die Akteure aufgrund von gesellschaftlichem Druck einhalten (Fraktionsdisziplin, Verzichten eines Abgeordneten auf die Abstimmung, wenn ein anderer Abgeordneter krank ist)

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4
Q

Zentrale Funktionen politischer Institutionen

A

• Nicht jede soziale Institution ist auch eine politische Institution
• Zentrale Funktion politischer Institutionen ist die geordnete Bewältigung von Konflikten und die
Herstellung von allgemeinverbindlichen Regeln, indem sie Konflikte…
… absorbieren (= Konflikte werden innerhalb der Institutionen bearbeitet)
… strukturieren (= Vorgeben von Handlungsoptionen für die Akteure)
… den Regeln entsprechend beilegen (= Optionen für die Beendigung eines Konfliktes anbieten).

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5
Q

Institutionen in der Politikwissenschaft

A

• Einrichtungen wie der Deutsche Bundestag oder das Bundesverfassungsgericht können – je nach Perspektive – Institution und Akteur zugleich sein.
• Institutionen sind zugleich Gegenstand und Rahmen des politischen Handelns.
• In der politischen Praxis weisen zahlreiche Institutionen sowohl formelle als auch informelle Bestandteile auf.
• Institutionen wandeln sich, sie sind aber schwerfällig und wandeln sich in der Regel nur langsam. inkrementell

Bsp. für gewandelte Institution: das Male Breadwinner Model (Mann geht arbeiten, Frau bleibt zu Hause und erzieht Kinder)

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6
Q

Was ist eine politische Kultur?

A

• Politische Kultur lässt sich als spezifische Verteilung von Werten, Orientierungen und Verhaltensweisen der Menschen gegenüber dem politischen System beschreiben.
• Sie ist die Summe aller Institutionen in einem politischen System.
• Politische Kultur ist in der Politikwissenschaft ein analytischer Begriff, kein wertender: Jedes politische System verfügt über eine politische Kultur.
• Jedes politische System benötigt Anerkennung von Bürgern, dass es legitim ist
• politisch-kulturelle Prägungen einer Gesellschaft beeinflussen Beständigkeit eines Staates
• Wertvorstellungen?
• Unterstützung des politischen Systems?
• politische Verhaltensformen?
• nicht eine schlechte/eine gute politische Kultur (ugs.), sondern „Analysetool“ für jedes politische System!

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7
Q

Typische Fragestellungen der politischen Kulturforschung

A

• Welche Wertvorstellungen sind in der Gesellschaft wie verteilt?
• Inwiefern unterstützen die Menschen das politische System (= wie legitim ist es)?
• Welche Verhaltensformen (im weitesten Sinne) legen die Menschen an den Tag?
• Achtung: Politische Kultur wird häufig als diffuser Begriff verwendet, der alles beschreibt, was irgendwie mit politischer Ordnung zu tun hat und sich nicht richtig erklären lässt.

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8
Q

Politische Kultur in Deutschland

A

Systemunterstützung in Deutschland
- Im internationalen Vergleich genießt die Demokratie als Herrschaftsform hohe Zustimmung in Deutschland (diffuse Unterstützung).
- Allerdings ist die Systemunterstützung in Ostdeutschland geringer ausgeprägt und sie sinkt deutschlandweit seit der Jahrtausendwende.
- Zudem zeigt sich, dass die Systemunterstützung innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsgruppen stark abweicht.
- Offen ist bislang, inwieweit die Pandemie die Systemunterstützung dauerhaft beeinflusst hat.

Politische Verhaltensweisen in Deutschland
- Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland über eine gemäßigte Protestkultur.
- In Hinblick auf bürgerschaftliches Engagement liegt Deutschland im oberen Mittelfeld.
- Der öffentliche politische Diskurs ist in Deutschland vergleichsweise stark ausgeprägt.
- In den vergangenen Jahren lässt sich eine Verrohung des Diskurses feststellen.

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9
Q

Entwicklungslinien der politischen Kultur in DE

A
  • Schwerpunkt nicht mehr auf Stabilität, sondern Qualität einer Demokratie
    • Frage nach deutscher Einigung: Gibt es ein oder zwei politische Kulturen in DE?
    • Ost-West-Unterschiede bei der Akzeptanz demokratischer Werte und des Leistungsprinzips, Gleichheitsanspruch, Demokratiezufriedenheit
    • Überschneidungen bei generellem politischen Interesse, Haltung zum politischen Extremismus und Wertewandel
    • Nach 1990 mehr Fragen nach Meinungen zu Zufriedenheit mit den Leistungen der Demokratie, deren Legitimität und dem Institutionenvertrauen
    • vielmehr einzelne Einstellungen, Meinungen und Werte miteinander verglichen anstatt politische Kultur
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10
Q

Was sind Akteure?

A

Akteure= Handelnde
- man unterscheidet zwischen individuellen und komplexen Akteuren
- komplexe A bestehen aus individuellen A, die gemeinsam handlungsfähig sind
- kollektive A: menschengemachter Zusammenschluss, stets von den Interessen ihrer Mitglieder abhängig z.B. Koalition, soziale Bewegungen, Interessensverbände
- kooperative A: formal organisiert, Hierarchien vorhanden, Weisungsbefugnis, können eher einheitlich auftreten, wenngleich auch ihr Handeln von den Interessengegensätzen von Untergliederungen bestimmt werden kann z.B. Ministerien, Behörden, Bundeswehr
- Kollektive und korporative Akteure sind zu strategischem Handeln fähig und verfügen über eine gemeinsame Handlungskoordination (z.B. eine Geschäftsstelle, einen Koalitionsausschuss, eine Ortsgruppe o.ä.).
- Das Handeln kollektiver und korporativer Akteure wird von politischen Institutionen bestimmt.

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11
Q

Was ist eine Theorie?

A
  • Systeme von Annahmen, die empirisch untersucht werden können
  • Subdisziplin, befasst sich mit politischer Ideengeschichte und normativen Fragen
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12
Q

Wozu gibt es so viele Theorien und Annahmen?

A
  • Theorien als „Brillen“ der Sozialwissenschaft
  • sie bündeln unterschiedliche Grundannahmen über die soziale Welt
  • Untersucht, ob Menschen eher nutzenmaximierend (homo oeconomicus) oder soziale Wesen (homo sociologicus) sind
    Sind einander ergänzende Zugänge um alle Aspekte des politischen Systems auszuleuchten
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13
Q

Auf wen geht die Unterscheidung zwischen Verfassung und Verfassungswirklichkeit zurück?

A

Carl Schmitt - Politischer Philosoph im Nationalsozialismus

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14
Q

Wie kann man Politik analysieren?

A
  1. Handlungstheorien: Fokus auf die Regeln menschlichen Handelns
    Grundannahme: Menschen sind in ihrem Handeln rational, d.h. sie haben Präferenzen und legen ein nutzenmaximierendes Verhalten an den Tag, das sich mit Methoden der empirischen Sozialwissenschaften erforschen lässt.
  2. Neo‐Institutionalistische Theorien: Fokus auf Regelsysteme
    Grundannahme: Das Handeln politischer Akteure wird maßgeblich durch Institutionen determiniert, die langlebig sind und sich nur langsam wandeln.
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15
Q

Wertewandelthese Ronald Inglehart

A
  • untersucht Verbreitung (post)materialistischer Werte in einer Gesellschaft
    • zentrale Annahmen: Menschen streben danach, was ihnen am meisten fehlt (Maslow’schen Bedürfnis- pyramide)
    • Bedürfnisse in Kindheit und Jugend prägen Wertesystem zwischen Materialismus und Postmaterialismus
    • Verschiebung individueller Wertesysteme weg von Sicherheits- und hin zu Sozial-, Individual- und kulturellen Bedürfnissen ab Mitte 20.Jh.
    • Gründe: gestiegener Wohlstand, kein Krieg, mehr Bildung und Mobilität
    •beschreibt Wertewandel als „Stille Revolution“ mit der Forderung nach mehr politischer Partizipation
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16
Q

Sozialkapitalansatz Robert Putnam

A
  • Sozialkapital= soziales Vertrauen, Normen der Wechselseitigkeit und soziale Netzwerke
    • wollte beweisen, dass mehr Sozialkapital Gesellschaft gesünder, gescheiter, sicherer und fähiger mache, stabile Demokratie zu führen
    • Gesellschaft profitiert von regem Gemeinschaftsleben und zwischenmenschlichem Vertrauen