Psoriasis
Pathophysio:
Gesteigerte Proliferation der Keratinozyten
→ Akanthose = Verbreiterung der Epidermis
→ Parakeratose = Auftreten unreifer (nicht ausreichend differenzierter), kernhaltiger Keratinozyten in der Hornschicht
Klinik:
- Verlauf: Schubweiser Verlauf mit unterschiedlich langen symptomfreien Intervallen
Effloreszenz
- Erythematosquamöse Plaques: Scharf begrenzte Rötung und Infiltration der Haut, die von einer grob-lamellären, silbrig-weißen Schuppung bedeckt ist. Die Effloreszenzen treten zunächst meist einzeln, im Verlauf häufig konfluierend auf.
- Einteilung nach klinischem Bild (Form)
Psoriasis guttata: Tropfenförmige Effloreszenzen, die häufig als Erstmanifestation einer Psoriasis vulgaris auftreten
Psoriasis nummularis: Durch Konfluieren von tropfenförmigen Herden entstehende etwa münzgroße Effloreszenzen
Psoriasis geographica: Flächenhafte Ausbreitung der Effloreszenzen zu polyzyklischen Plaques
Psoriasis inversa : Vorwiegend Auftreten von Effloreszenzen an den Beugen der großen Gelenke, ohne gleichzeitige Erkrankung der Prädilektionsstellen
Psoriasis intertriginosa: Typisch ist ein Befall der Hautfalten (Rima ani, Achseln, etc.) mit Fehlen der typischen psoriatischen Schuppung
- Prädilektionsstellen
Behaarte Kopfhaut (Psoriasis capillitii)
Streckseiten der Extremitäten, Rumpf, Bauchnabel, Sakral
Äußeres Ohr mit Gehörgang, Befall der Mundschleimhaut ist eine Rarität
- Nagelbeteiligung (bei etwa 50% der Patienten)
Tüpfelnägel: Einige bis viele kleine trichterförmige Einziehungen der Nagelplatte
Ölfleck: Scharf begrenzte, gelb-bräunliche Veränderungen
Nageldystrophie: Krümelnägel
Onycholyse: Partielle und meist distale Abhebung der Nagelplatte
- Juckreiz
Bei etwa ⅔ der Patienten
- Psoriasis arthropathica (5-7%) -> Entweder als zusätzliches Symptom oder als eigene Entität mit später auftretenden Psoriasisbeschwerden
- Psoriasis pustulosa (0,5-2,5%)
Kurzbeschreibung: Seltene Variante der Psoriasis mit Rötung, Schuppung sowie weißen Pusteln, bei denen es sich um intraepidermale, sterile Leukozytenansammlungen handelt
Psoriasis pustulosa palmoplantaris (Typ Barber-Königsbeck)
Effloreszenz: Weiße, sterile Pusteln auf erythematösem Grund im Bereich der Handflächen, Fußsohlen und Finger
Verlauf: Protrahierter Verlauf bei gutem Allgemeinbefinden
Psoriasis pustulosa generalisata (Typ Zumbusch)
Charakteristika: Befall der Mundschleimhaut und der gesamten Haut möglich
Effloreszenz: Generalisierte Erythrodermie, auf der sich konfluierende, weiße Pusteln am gesamten Körper entwickeln
Verlauf: In Schüben auftretend, mit ausgeprägter Allgemeinsymptomatik (Fieber, Schwäche, Schüttelfrost) → Lebensgefährlich!
Diagnostik:
Therapie: - Therapieziele Initiale Keratolyse als Basistherapie (Alle Patienten erhalten als Basismedikamente -> Harnstoff + Salicylsäure !!!!rückfettende Cremes) Reduktion der Keratinozytenproliferation Reduktion der Inflammation
Leichter Verlauf: Alleinige topische Therapie
Schwerer Verlauf: In Kombination mit Phototherapie und/oder systemisch-wirksamen Substanzen
Systemische Therapie: Bei schweren Psoriasis vulgaris Verläufen oder bei Psoriasis arthropatica immer !
- Retinoide (Isotretinoin, Acitretin)
- Fumarsäure
- Immunsuppressiva
- Methotrexat
- Ciclosporin A
CAVE! Erhöhung des Plattenepithelkarzinomrisikos um 50% bei vorausgegangener oder gleichzeitiger PUVA → Keine Kombination mit der Phototherapie wegen des erhöhten Malignomrisikos!
Biologicals
- TNF-α-Antagonisten: Infliximab, Adalimumab
Memory-Effektor-T-Lymphozyt-Inhibitor (Alefacept, Zulassung in den USA und der Schweiz)
- NSAR
Atopische Dermatitis
Klinik:
Diagnostik:
Therapie:
- Minimieren von Triggerfaktoren, Meer oder Gebirgsaufenthalt, Vermeidung eines Wärmestaus
- Rückfettung der Haut z.b mit Urea- oder Glycerinhaltigen Präparaten (Cremes)
- Glucocorticoidhaltige Cremes
Wirkstärken nach Niedner: Beispielsubstanzen (von niedrig bis stark wirksam)
Hydrocortison (Klasse I)
Betamethasonbenzoat (Klasse II)
Mometasonfuroat (Klasse III)
Clobetasolpropionat (Klasse IV)
Vorteile: Gute Wirksamkeit im akuten Schub
Nachteile: Bei Langzeitanwendung Entwicklung einer Hautatrophie, daher zurückhaltende Anwendung vor allem bei empfindlichen Hautarealen wie dem Gesicht (insbesondere Augenlider)
- Tacrolimus-Salben
Vorteile: Fehlen einer atrophisierenden Wirkung auf die Haut
Nachteile
Keine Langzeiterfahrungen (Tumorinduktion?)
Keine Zulassung unter zwei Jahre
- Antihistaminika gegen Juckreiz, oft auch mit sedierender Wirkung da Auftreten v.a Nachts
- UV-Therapie
- Bei schweren Verläufen systemische Glucos, Ciclosporin etc. möglich
Erysipel
DD: Erysipeloid -> Infektion mit Erysipelothrix rhusiopathiae infolge von direktem Kontakt mit befallenen Fleisch (z.b Metzger) v.a Hände betroffen mit ödematösen, schmerzhaften, rotvioletten Erythrm
Kutane Paraneoplasien
Acanthosis nigricans maligna
Vorkommen: V.a. bei Adenokarzinomen des Magens
Klinik: Gelbbraune bis schwarze, intertriginöse Pigmentierungen, die sich zu juckenden papillomatösen unscharf begrenzten Effloreszenzen entwickeln
Lokalisation: Achseln, Genitalbereich, Nacken
Schnelles Wachstum und verrukös-papulöse Oberfläche als DD zur Pseudoakanthosis!
Differentialdiagnose: Acanthosis nigricans benigna (Pseudoacanthosis nigricans) → Bei Diabetikern und adipösen Patienten konstitutionell auftretende, hyperpigmentierte Hautareale, teilweise mit weichen Fibromen besetzt (Hauptlokalisation: intertriginöse Hautareale, Nacken)
Pseudoacanthosis nigricans bei Adipositas
Jeder Nachweis einer Akanthosis nigricans maligna sollte eine Malignomsuche nach sich ziehen!
Erythema necroticans migrans
Vorkommen: Gehäuft bei glukagonsezernierenden Pankreastumoren, aber auch bei u.a. Hepatis B bzw. Hepatitis C, Bronchialkarzinom
Klinik: Ausbildung multipler, sich zentrifugal ausbreitender, kreisförmiger Erytheme insbesondere im Bereich des Abdomens, Perineums und der unteren Extremitäten
Erythema gyratum repens
Definition und Vorkommen: Sehr seltene, obligate kutane Paraneoplasie , die u.a. bei Mamma-, Bronchial-, Magen- und Harnblasen-Karzinom vorkommen kann
Klinik
Streifenförmiges, seine Gestalt rasch änderndes Erythem mit randständiger Schuppung
Parallele Anordnung des Erythems wird auch als „holzmaserungsartig“ beschrieben
Bevorzugt an Stamm und proximalen Extremitäten
Plattenepithelkarzinom
Langsam, infiltrierendes und destruierendes Wachstum mit seltener Metastasierung (lymphogen), bei Immunsuppresion schneller Metastasen und schlechterer Verlauf
Weitere Plattenepithelkarzinome sind Peniskarzinome, Vulvakarzinome und Zungenkarzinome
Basalzellkarzinom (Basaliom)
Semimaligner Tumor der lokal destruierend waechst aber praktisch nie metastasiert
Keratokanthom
Malignes Melanom
Maligner Hauttumor der von den Melanozyten ausgeht mit hoher Mortalitaet und haeufiger Metastasierung
Sonderform: Amelanotisches Melanom -> pigmentlos und imponiert als rosaroter erosiver Knoten
Metastasierung: Lymphogen in regionale Lymphknoten, Lokale Metastasierung -> Satellitenmetastasen in unmittelbarer Umgebung des Tumors, In-Transit-Metastasen -> zwischen Tumor und erstem regionaeren Lymphknoten
Organmetastasen v.a Lunge, Leber, Gehirn und Knochen
Sono -> Lymphknoten und ggfs Abdomen
Tumormarker -> S100B
Molekulargenetische Diagnostik (BRAF, NRAS,c-kit) -> spezielle Therapieoptionen moeglich (ab Stadium IIIb)
MRT-Kopf und Ganzkoerper-CT -> ab Stadium IIc
TNM: I: Tumor unter 2mm Tiefe II: Tumor 2-4mm Tiefe III: Jede Tumordicke plus Lymphknotenmetastasen oder Satelliten/In-Transit Metastasen IV: Plus Fernmetastasen
Sentinel-Lymphknotenbiopsie: Standardmaessig ab einer Tumordicke von 1mm !
- Therapie: Bei histopathologisch gesicherten Melanom Nachresektion unter Einhaltung des adaequaten Sicherheitsabstandes, sowie Entfernung von Lymphknotenmetastasen etc. In-situ-Melanom: 0.5cm Tumordicke <2mm: 1cm Tumordicke >2mm; 2cm
Ab Stadium IIb adjuvante Therapie mit Interferon-alpha
Bei inoperablem Befund Radiochemotherapie mit Dacarbazin
Zudem Optionen der neueren Immuncheckpointinhibitoren und Signaltransinduktionsinhibitoren wie
Xerathoma pigmentosum
Albinismus
Vitiligo
Piebaldismus und Waardenburg-Syndrom
Herditaere Ichtyosen (Ichtyosis vulgaris)
Pemphigus vulgaris
Sonderform: Pemphigus foliaceus -> nur Autoantikörper gegen Desmoglein 1 und somit nur Haut !!! betroffen
Bullöses Pemphigoid
Alopezien
Acne vulgaris
Therapie:
Rosazea
Ätiologie:
Idiopathische Genese mit folgenden pathophysiologischen Störungen:
Pathologische Dilatation der Gefäße im Gesicht auf physiologische Reize → Gesichtsröte
Provokation durch: Stress, Alkohol, Nikotin, Koffein, UV-Licht, Temperaturextreme
Schubweiser Verlauf
Bakterielle Entzündung der Haarfollikel
Talgdrüsen-Hypertrophie
Klinik:
- Stadium I
Flush
Persistierende Erytheme und Teleangiektasien
- Stadium II
Papeln, Pusteln und Erythem
- Stadium III
Entzündliche, großflächig auftretende Knoten
Diffuse Hyperplasie von Bindegewebe und Talgdrüsen
Rhinophym: Vergrößerte, knollenartig erscheinende Nase, die fast ausschließlich Männer betrifft
Gleichartige Veränderungen können auch an Ohr (Otophym), Nasenwurzel (Metophym) oder Kinn (Gnatophym) auftreten
Therapie: - Ab Stadium I Meiden von Triggern (siehe: Ätiologie) Topische Applikation von Metronidazol - Ab Stadium II: Systemische Therapie mit Tetracyclin oder Isotretinoin (Stadium II–III)