Diagnostik und Differentielle Flashcards

1
Q

1.1 Besonderheit des psychologischen Diagnostizierens

A

Laut Psychologengesetz 2013 ist es die einzige genuin (= ursprünglich) und gesetzlich ausschließlich auf Psychologen beschränkte Tätigkeit in der Praxis.

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2
Q

Psychologische Diagnostik - Definition

A

ist die wissenschaftliche Disziplin (Lehrfach), die psychologisches Diagnostizieren für die Praxis vorbereitet.

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3
Q

Differenzielle Psychologie - Definition

A

ist die Forschungsrichtung, die sich mit Untersuchung psychischer Unterschiede
zwischen einzelnen Menschen und Menschengruppen beschäftigt.

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4
Q

Psychometrie - Definition

A

widmet sich der mathematisch-statistisch fundierten Theorie des Messens psychischer Phänomene, also der Theorie der Konstruktion psychologisch-diagnostischer Verfahren.

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5
Q

Psychologisches Diagnostizieren - Definition

A

ist ein Prozess, der unter Zuhilfenahme besonderer Verfahren zielgerichtete Informationen über die psychischen Merkmale von einem (od. mehreren) Menschen gewinnen will.

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6
Q

Der Prozess psychologischen Diagnostizierens

A

1) Klärung der Fragestellung
2) Auswahl der einzusetzenden Verfahren
3) Anwendung und Auswertung der Verfahren
4) Interpretation und Gutachtenerstellung
5) Festsetzen der Intervention (des Maßnahmenvorschlags)

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7
Q

1.2 Qualitätsprofil für Psychologen im Fach psychologische Diagnostik (16)

A
  • Umfassende Kenntnis über Konzepte und Regeln der Gesprächsführung
  • Fertigkeit umgangssprachlich formulierte Fragestellungen umzuformulieren
  • Fertigkeit, je Fragestellung ein Anforderungsprofil auszuarbeiten
  • Vertrautheit mit einem Katalog von Einflussgrößen, die mit dem Untersuchungsanlass typischer Weise in Verbindung stehen
  • Detailkenntnisse von psychologisch-diagnostischen Verfahren des Standardinventars der Psychologischen Diagnostik
  • Qualifikation zur selbständigen Einarbeitung in die Anwendung neuer psychologischdiagnostischer Verfahren
  • Fähigkeit zur Beurteilung der Qualität psychologisch-diagnostischer Verfahren
  • Ansprechende Routine in der Anwendung psychologisch-diagnostischer Verfahren
  • Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen psychologischen Diagnostizierens
  • Kenntnis der besonderen Testbedingungen bei bestimmten Populationen
  • Sachkundigkeit in der Darstellung und Interpretation von Ergebnissen einer psychologischen
    Untersuchung.
  • Kenntnis der psychohygienischen Versorgungsinstitutionen
  • Kenntnis der Bildungsinstitutionen
  • Kenntnisse über Konzepte & Regeln in der Präsentation der Ergebnisse einer psychologischen Untersuchung
  • Beherrschen eines adressatengemäßen Ausdrucksstils
  • Qualifikation zur Abfassung psychologischer Gutachten
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8
Q

1.3 Rechtsnahe Quellen:

A
  • Psychologengesetz 2013 (in Ö)
  • DIN 33430: Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik (in Ö: ÖNORM D 4000=
  • Diagnostik- und Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigung (DGPS und BDP)
  • (durchgängige) Lehrmeinung
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9
Q

Rechtliche Vorgaben:

A
  • Klinische Psychologen & Gesundheitspsychologen müssen ihren Beruf nach bestem Wissen & Gewissen und unter Beachtung der Entwicklung der Erkenntnisse der Wissenschaft auszuüben
  • Psychologen pflegen eine größtmögliche sachliche und wissenschaftliche Fundiertheit, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit bei der Erstellung von Gutachten
  • Psychologen fertigen Gutachten & Untersuchungsberichte so an, dass sie für Adressaten inhaltlich nachvollziehbar sind.
  • Ein psychologisches Gutachten dokumentiert ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen und beantwortet eine vorgegebene Fragestellung.
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10
Q

Psychologisches Gutachten - Standards

A

1) Die Konkretisierung des zunächst nur umgangssprachlich gegebenen Auftrags zu einer fachlich beantwortbaren Fragestellung
2) Die Herleitung psychologischer Hypothesen über Bedingungszusammenhänge
3) Die Auswahl anzuwendender psychologisch-diagnostischer Verfahren
4) Die daraus gewonnen Ergebnisse und Gelegenheitsbeobachtungen
5) Die aus allen gewonnen Informationen getroffene Schlussfolgerungen

–> Die Unterschrift des Psychologen unter das PG ist als rechtsverbindlich zu qualifizieren, da darin explizit auf die berufsethischen Richtlinien hingewiesen wurde unter denen das PG erstellt wurde.

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11
Q

Zusammenfassung - Kapitel 1

A
  • Praktische Tätigkeit als Psychologe –> Hohe Verantwortlichkeit
  • Die Tätigkeit des Begutachtens erfordert hohe Qualitätsstandards
  • Die Tätigkeit des Begutachtens bezieht sich insbesondere auf eine wissenschaftliche Leistung
  • -> Daher ist auch das Beherrschen wissenschaftlichen Arbeitens sowie die Vertrautheit mit vielen Erkenntnissen der „Psychologie als Wissenschaft“ vonnöten.
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12
Q

2.1 Intelligenz nach Cattell

A

Nach CATTELL (und in der Folge Horn) geht es um Fluid vs. Crystallized Intelligence

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13
Q

Intelligenz nach Guildford

A

Nach GUILDFORD um dessen „Produkte“, insbesondere Klassen, Beziehungen und Implikationen

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14
Q

Intelligenz nach Jäger

A

Nach JÄGER geht es um die Materialien: verbal, numerisch und figural

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15
Q

Welches Intelligenzmodell gilt heute als allgemein anerkannt?

A
  • In der Differenziellen Psychologie gilt heute die CATTELL-HORN-CARROLL (CHC)-Theorie als allgemein anerkannt (auch „Carroll’s Three-Stratum-Theory“ bezeichnet).
  • CATTELL „teilte“ die Allgemeine Intelligenz wie SPEARMAN in 2 allgemeine Intelligenzen, Fluid und Crystallized Intelligence;
  • sein Schüler HORN ergänze diese beiden Komponenten um weitere „broad abilities“.
  • Carroll erweiterte die beiden hierarchischen Ebenen um eine 3. Ebene, „stratum III“
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16
Q

Welche Intelligenztests folgen explizit der CHC-Theorie?

A
  • IDS-2: Intelligence and developmental scales – Intelligenz- und Entwicklungsskalen für Kinder und Jugendliche
  • KABC-II: Kaufman Assessment Battery for Children II, deutschsprachige Adaption
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17
Q

Probleme dieser Intelligenztests in der Praxis

A

es weisen die beiden hauptsächlich zu interpretieren empfohlenen Testkennwerte kaum Bezug zur CHC-Theorie auf –> wenig verwunderlich, weil beide ursprünglich auf ganz andere Intelligenzkonzepte zurückgehen (IDS-2 auf “Kramer-Test”, auf BINET SIMON; KABC-II auf WECHSLER). Damit gehen die Tests auf eine pragmatische intelligenztheoretische Position zurück: „gemessen wird, was zu messen geht“. Auch: Die Faktorenanalytisch basierten Theorien „stehen und fallen“ mit den Problemen dieser Methode: es handelt sich um ein nicht-prüfbares Modell + die hohe „Stichprobenabhängigkeit“ der Methode macht es sehr wahrscheinlich, dass gewonnene empirische Ergebnisse nicht universell gelten.

In der Praxis findet die CHC Theorie eigentlich keine Umsetzung. Vielmehr liegt oft der „pragmatische Standpunkt zugrunde, ziemlich viele Fähigkeiten, die für „intelligentes“ Verhalten verantwortlich scheinen, zu erfassen.“ Aus dieser pragmatischen Wirklichkeit, nämlich schlicht gegebener Untertests, resultiert für die gemessenen Fähigkeiten eine Dimensionalität bzw. Faktorenstruktur, die sich in keiner einschlägigen Intelligenztheorie wiederfindet.

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18
Q

Intelligenztests in der Praxis

A

Die Praxis richtet sich nach dem Machbaren – z.B. wird im AID definiert: „Intelligenz ist die Gesamtheit aller kognitiven Voraussetzungen, die notwendig sind, um Wissen zu erwerben und Handlungskompetenzen zu entwickeln.“ Dementsprechend ist die Testbatterie aus einem pragmatischen Ansatz heraus konzipiert, nämlich ziemlich viele der verfüg- und testbaren Aufgabenstellungen zu bieten, um möglichst alle in der obigen Definition von „Intelligenz“ anklingenden basalen und komplexen Kognitionen abzuprüfen. –> Das bekümmert Intelligenztheoretiker, beruhigt aber die in der Praxis tätigen Diagnostiker. Was das für die Validität bedeutet, wird später diskutiert.

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19
Q

2.2 An welcher Theorie ist die Persönlichkeitsdiagnostik orientiert?

A

In der Persönlichkeitsdiagnostik sind Fragebögen ausschließlich an der geltenden Theorie der Differenziellen Psychologie orientiert – z.B. Big Five Persönlichkeitsmodell (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit)

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20
Q

Entstehung des Big 5-Modells

A

Entstehung des Big 5-Modells geht auf die Sedimentationshypothese zurück –> besagt, dass alles Aspekte individueller Differenzen, die bedeutsam, interessant und nützlich sind/waren, in die Sprache Eingang gefunden haben.
Je bedeutender eine solche individuelle Differenz, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein gesondertes Wort hervorbrachte. Die Sedimentationshypothese impliziert, dass Lexika das Universum aller bedeutenden individuellen Unterschiede abdecken.

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21
Q

Der lexikalische Ansatz von CATTELL

A

Der lexikalische Ansatz diente schon CATTELL als Grundlage für die Persönlichkeitstests-Fragebogenbatterie 16 PF (16-Persönlichkeits-Faktoren-Test). Ausgehend von nahezu 18.000 persönlichkeitsrelevanten Begriffen des Webster’s New International Dictionary wurden die hinsichtlich der Anzahl 16 berühmten Faktoren gewonnen.

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22
Q

16 PF zu Big Five

A

Viele nachfolgenden Untersuchungen nahmen seine Daten als Grundlage für weitere Analysen. So auch TUPES & CHRISTAL, die Reanalysen und Analysen von 8 verschiedenen Stichproben vornahmen und dabei stets 5 Faktoren feststellten.

Letztlich schließen COSTA & MCCRAE aus kulturvergleichenden und verhaltensgenetischen Studien mit dem aktuellen Repräsentanten des Big-5-Persönlichkeitsmodells auf eine biologisch begründete universale Gültigkeit der Big 5-Faktoren.

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23
Q

Woher der Name NEO-PI?

A

Die Hervorhebung im Namen des Verfahrens von 3 der 5 Faktoren durch NEO-PI erklärt sich daraus, dass es ursprünglich gar nur 3 Faktoren waren: Neurotizismus, Extraversion & Offenheit für Erfahrung.

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24
Q

Persönlichkeitsdiagnostik in der Praxis

A

All das beruhigt Persönlichkeitstheoretiker, aber beschränkt die in der Praxis tätigen Diagnostiker. Allerdings: für die Praxis werden damit wichtige Aspekte nicht erfasst, so dass es etliche spezielle Persönlichkeitsfragebögen gibt.

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25
Q

2.3 Projektive Verfahren - Definition

A

sind eine Gruppe von psychologischen Techniken und Vorgehensweisen, die für sich in Anspruch nehmen, die grundlegende (verborgene) Persönlichkeitsstruktur und die Motive eines Individuums aufzudecken, indem sie das Individuum auffordern, sich mit Material oder Stimuli
auseinanderzusetzen oder auf sie zu reagieren in einer freien, nicht festgelegten Weise.

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26
Q

Projektive Verfahren - Hintergrund

A

Etwa um die Jahrhundertwende wurde mit dem Ausdruck Projektion die Tendenz eines Individuums bezeichnet, „einer anderen Person eigene Gefühle, Gedanken oder Einstellungen zuzuschreiben oder in gewisser Weise die äußere Wirklichkeit als Repräsentanz solcher Gefühle zu betrachten.“ –> Allein der Begriff „Projektion“ (Freud) macht den Bezug zur Psychoanalyse (Tiefenpsychologie offensichtlich. Da es dabei um Unbewusstes geht, verschließt sich dieser Ansatz einer Theorie dem empirisch belegbaren Zugang.
Im Übrigen ist zu fragen, ob die Psychoanalyse Thema der Differenziellen Psychologie oder der Allgemeinen Psychologie ist.

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27
Q

Problem projektiver Verfahren

A

Jedenfalls sind projektive Verfahren nicht interpretationseindeutig. Da sie regelmäßig an tiefenpsychologischen Theorien orientiert sind, bestimmt die (theoriegeleitete, dennoch subjektive) Deutung und Bewertung der Testreaktionen in Bezug auf den gesamten Kontext der Umwelt der TP zu welcher Interpretation der Gutachter schließlich gelangt.
–> Das schließt aber den grundsätzlichen Wert projektiver Verfahren beim psychologischen Diagnostizieren nicht aus!

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28
Q

2.4 2 Ansätze der psychologischen Testtheorie

A
  • Klassische Testtheorie

- Item Response Theorie (IRT)

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29
Q

Übersicht der Gütekriterien

A
  • Objektivität
  • Reliabilität
  • Validität
  • Zumutbarkeit
  • Ökonomie
  • Fairness
  • Unverfälschbarkeit
  • Nützlichkeit
  • Eichung
  • Skalierung
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30
Q

3.1 Objektivität - Definition

A

Unter Objektivität eines Tests ist zu verstehen, dass die mit ihm gewonnenen Ergebnisse unabhängig vom Untersucher sind.

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31
Q

An wen oder was richtet sich Objektivität vor allem?

A
  • der Testleiter (Tl)
  • der Auswerter, der die beobachteten Testreaktionen zu Testwerten verrechnet
  • diejenige Person, welche die Testwerte bewertet/ interpretiert (oft der Psychologe)

–> Durchführung, Auswertung und Interpretation können von jeweils anderen Personen geleistet werden

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32
Q

Testleiterunabhängigkeit - Definition

A

Testleiterunabhängigkeit ist gegeben, wenn das Testverhalten der Tp und damit ihr Testergebnis unabhängig ist von zufälligen oder systematischen Verhaltensvariationen aller denkbaren Tl.

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33
Q

Befunde warum Objektivität ein wichtiges Gütekriterium ist

A
  • Halo-Effekt: jeder Testleiter bildet bestimmte Erwartungen über die Testperson aus
  • Rosenthal-Effekt
  • Studie von Preusche: Geschlechtsunterschiede
  • Auswertungsfehler (z.B. Gutachten von Studenten: 50% Fehler beim Auszählen, 40% Flasche Eichtabellen Zuordnung, 30% Rechenfehler)
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34
Q

Rosenthal-Effekt

A

Als Rosenthal-Effekt wird in der Sozialpsychologie das Resultat eines Versuchsleiter-Versuchspersonen-Verhältnisses bezeichnet, durch das sich positive Erwartungen, Einstellungen, Überzeugungen sowie positive Stereotype des Versuchsleiters in Form einer „selbsterfüllenden Prophezeiung“ auf das Ergebnis des Experiments auswirken.
–> Lehrer Beispiel

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35
Q

Studie von Preusche

A

leistungsschwache Mädchen, die von männlichen Tl getestet wurden, im Vergleich zu leistungsschwachen Mädchen, die von einem weiblichen Tl getestet wurden, im Durchschnitt einen deutlich besseren Testwert erreichten

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36
Q

Die interaktive Vorgabe

A

Die interaktive Vorgabe z.B. von Rechenaufgaben ermöglicht etwa einen Einblick, ob das Kind Probleme mit dem Leseverständnis, der Identifizierung der notwendigen Arbeitsschritte bzw. der Ausführung der Rechenoperation hat oder sich die Bewältigung der Aufgabe einfach nicht zutraut. Die Vorgabe derselben Aufgaben als Gruppentest oder über den Computer hätte zur Folge, dass diese wertvollen Hinweise nicht zur Verfügung stünden –> Einzelsituation bringt „diagnostischen Mehrwert“.

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37
Q

3.2 Reliabilität - Definition

A

eine nichts sagende Bezeichnung; besser, weil es darum geht: Messgenauigkeit

= Mit Messgenauigkeit eines Tests ist zu verstehen, dass die mit ihm gewonnenen Erkenntnisse präzise sind, d.h. ohne Fehler der Merkmalserfassung –> es interessiert uns das Ausmaß der Messgenauigkeit.

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38
Q

Messgenauigkeit laut KTT und IRT

A
  • Die IRT erklärt mit Hilfe bestimmter mathematischer (genauer: wahrscheinlichkeitstheorierischer) Funktionen das Zustandekommen der Reaktion (Antwort) einer TP auf ein Item
  • Anders als die KTT fokussiert sie auf die einzelnen Items, nicht auf den Test als solchen.
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39
Q

Konzept der IRT (kurz erklärt)

A
  • Die IRT setzt in einer mathematischen Gleichung („Modell“) für jede Person und jedes Item eines Tests (mind.) 1 Parameter an. In diese Gleichung geht auch die beobachtete Leistung je Person ein, z.B. ob eine Aufgabe gelöst wird.
  • Modelliert, d.h. angenommen wird, wie genau für diese Leistung die eben nicht direkt beobachtbare Fähigkeit der Person (mit-)verantwortlich ist.
  • Anhand der beobachteten Leistungen bei
    allen vorgegebenen Aufgaben kann aus dieser Gleichung der unbekannte, also gesuchte Fähigkeitsparameter der untersuchten Person geschätzt werden.
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40
Q

Messgenauigkeit laut IRT

A
  • Aus der Statistik ist bekannt, wie man für jede Parameterschätzung auch den dabei möglichen Schätzfehler bestimmt; genauer: wie und mit welcher Varianz sich diese verteilen.
  • Ist der Messfehler sehr klein, dann hat der verwendete Test (für die betreffende Person) eine hohe Messgenauigkeit; ist er groß –> geringe Messgenauigkeit (das erhaltene Testergebnis kann hochgradig falsch sein).
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41
Q

Konzept der KTT (kurz erklärt)

A

Die KTT orientiert sich an der Idee der Reproduzierbarkeit der Testwerte. Sie sucht dabei verschiedene methodische Auswege, die eine Testwiederholung umgehen. Grundsätzlich bedient sie sich der Methode der Korrelationsrechnung.

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42
Q

Messgenauigkeit laut KTT

A
  • Üblicher Ansatz: „Innere Konsistenz“ –> Die Teile eines Tests sollen durchgängig dasselbe messen!
  • Split- Half-Methode („Testhalbierungsmethode“): Hier werden die Testitems in 2 Teile geteilt und die
    resultierenden Testwerte beider Teile korreliert. Der Testanwender hat damit nichts zu; Er kann davon
    ausgehen, dass immer dann, wenn in einem Manual von Split-Halft-Reliabilität gesprochen wird, bereits
    entsprechend der genannten Formel korrigiert wurde.
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43
Q

Auswertung des Reliabilitätskoeffizienten

A
  • Viele Praktiker bewerten die Höhe des Reliabilitätskoeffizienten ziemlich intuitiv hinsichtlich seiner Nähe zu 1.
  • Dabei missachten sie, dass nicht die absolute Differenz zu 1, sondern die Differenz des Quadrats des Reliabilitätskoeffizienten von 1 bedeutend ist –> r von 90 bedeutet, dass 81% der Variabilität erklärt werden können, 20% jedoch nicht
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44
Q

Absicherung der Testergebnis in der KTT

A

Schulmäßig sind vom Praktiker die gewonnen Testergebnisse vor der Interpretation stets mittels Konfidenzintervalls in Bezug auf die einzukalkulierende Messungenauigkeit abzusichern.

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45
Q

3.3 Validität - Definition

A

Unter Validität eines Tests ist zu verstehen, dass er tatäschlich jenes psychisches Merkmal misst, welches er zu messen vorgibt.

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46
Q

Grundvoraussetzung für die Validität eines

psychologisch-diagnostischen Verfahrens

A
  • Grundvoraussetzung für die Validität eines psychologisch-diagnostischen Verfahrens ist, dass dieses eine so genannte Sinnhaftigkeitsprüfung besteht.
  • Dabei muss der Testautor systematisch analysieren, inwieweit die resultierenden Testwerte grundsätzlich sinnvoll sind, d.h. in Richtung der zu messen intendierten Eigenschaft interpretiert werden können – und nicht auf bestimmte unerwünschte Einflüsse zurückgeführt werden müssen.
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47
Q

unerwünschte Einflüsse (Validität)

A
  • Alle denkbaren Antwortstrategien (taktierende Verhaltensweisen) einer Tp
  • Alle denkbaren Missachtungen der Instruktion seitens der TP
  • Alle untypischen Fehlinterpretationen der Instruktion seitens der Tp
  • Alle untypischen Aktionen oder Reaktionen der Tp am Beginn (oder am Ende) der Testung
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48
Q

Sinnhaftigkeitsprüfung (Validität)

A
  • Der Testkonstrukteur sollte mit einer Sinnhaftigkeitsprüfung gewährleisten, dass die resultierenden Testwerte vom Diagnostiker inhaltlich richtig interpretiert werden. Der Diagnostiker sollte sich darauf aber nicht verlassen!
  • Simple Sinnhaftigkeitsprüfungen sollte daher der Diagnostiker selbst durchführen: Nämlich diverse Antworttendenzen nachahmen – z.B. immer die 2. Antwortmöglichkeiten bei MC-Items wählen oder die Auswahl der Antwortmöglichkeit gemäß einem bestimmten Muster abwechseln (Bsp.: IST
    2000 R –> immer 2. Antwort –> gemäß Eichtabelle Z=98, d.h. IQ=100).
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49
Q

Exkurs: Distraktoren (=Ablenker)

A

Ihre Aufgabe ist es, eine nicht lösungskompetente Tp von der Lösung abzulenken, insb. dadurch, dass er aus teilweise richtigen Komponenten besteht, so dass er der Lösung möglichst nahekommt. So gesehen ist ein Distraktor dann brauchbar, wenn er die Tp „verwirrt“, wodurch nur ausreichend befähigte Tpn zur Lösung gelangen. Natürlich kann der Anwender die Qualität der Distraktoren von Tests nicht selbst prüfen. Er sollte aber im Manual Infos dazu suchen: Distraktoren sind nur gut, wenn sie je Aufgabe jeweils alle in der Eichstichprobe annähernd gleich oft gewählt wurden. Wird nämlich einer sehr häufig, vllt. sogar häufiger als die Lösung gewählt, sp spricht das für eine irreführende
Aufgabengestaltung. Wird ein Distraktor hingegen so gut wie nie gewählt, dann scheint er auch sehr
leistungsschwachen Tpn absurd.

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50
Q

Erläuterung zum Begriff „Validität“ laut Standards for Educational and Psychological Testing

A

„Validity refers to the degree to which evidence and theory supports the interpretation of test scores for proposed uses of tests”
–> Es ist daher inkorrekt von einer “Validität des Tests” zu sprechen; besser: von der Validität der Interpretationen des Tests.

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51
Q

3.3.1 Inhaltliche Validität (Gültigkeit) - Definition

A

Von inhaltlicher Gültigkeit ist zu sprechen, wenn ein Test definitionsgemäß das interessierende Merkmal erfasst.

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52
Q

Ansätze um inhaltliche Gültigkeit festzulegen

A

1) Expertenrating: am besten geeignet –> jedoch stellt sich die Frage was genau die Qualifikation zum Experten ausmacht
2) Extremgruppenvalidierung: Getestet werden diejenigen beiden Personengruppen, von denen erwartet wird, dass sie sich im fraglichen Merkmal deutlich unterscheiden.
3) Change-Ansatz: Die Aufgaben werden in der Konstruktionsphase eines Tests systematisch so variiert, dass eine höhere bzw. geringere Schwierigkeit zu erwarten ist; und dies wird untersucht (z.B. AID 3 statt „Nenne mir ein Tier, das Milch gibt“ nun „Kühe und Ziegen geben uns Milch; welches Tier noch?“)
4) Methode des lauten Denkens (während der Testbearbeitung): so wird überprüft, ob tatsächlich das intendierte Konstrukt erfasst wird. Ausschließlich zu Zwecken eines wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns soll dabei die an einem Problem arbeitende Person alle ihre aufkommenden Gedanken und Einfälle im Laufe des Lösungsprozesses unreflektiert äußern.
5) Evaluation diagnosespezifischer Förderung: Oft gibt es je Diagnose die Notwendigkeit eines speziellen Therapie-/Trainings-/Förderprogramms. Solche Programme sollten nur bei denjenigen Personen großen Erfolg zeigen, für die sie gedacht sind.

53
Q

Spannungsfeld Testkonstrukteur vs. Diagnostiker

A

Dem Diagnostiker fehlen Belege zur inhaltlichen Gültigkeit wesentlich häufiger als sie dort tatsächlich vorliegen. –> Oft fragt sich der Diagnostiker: „Hat der Konstrukteur z.B. Methode des lauten Denkens angewandt?“ oder „Warum hat der Konstrukteur die inhaltliche Validität nicht mittels des Change-Ansatzes überprüft?“

54
Q

Augenscheinvalidität (face-validity)

A

Augenscheinvalidität (face-validity) bedeutet, dass es der Tp augenscheinlich klar ist, was mit dem Test zu messen beabsichtigt wird; sie durchschaut die Messintention. Augenscheinvalidität bedeutet nicht, dass der Test augenscheinlich valide ist.

55
Q

Ökologischer Validität

A

Unter ökologischer Validität versteht man, dass das psychologische Diagnostizieren den Anforderungen der „natürlichen Lebensbedingungen“ entspricht. Es geht also um die Beschreibung und „Funktionsanalyse“ des Menschen unter seinen natürlichen Alltagsbedingungen.

56
Q

3.3.2 Kriteriumsvalidität - Definition

A

Ein Test besitzt dann Kriteriumsvalidität, wenn das von ihm erfasste Merkmal ein relevantes (in Zukunft liegendes) Kriterium richtig vorherzusagen imstande ist

–> Prognostische Validität. Sie wird ermittelt mittels Korrelationskoeffizienten: „… inwieweit die Relation der Testwerte, der untersuchten Person mit den Relationen der erzielten Merkmalsausprägungen im fraglichen Kriterium übereinstimmen.

57
Q

Interpretation des Korrelationskoeffizienten

A

Für dessen Interpretation ist immer das Quadrat, das so genannte Bestimmtheitsmaß relevant. So bedeutet ein relativ hoher Koeffizient von 0,9 für das „Ausmaß der Validität“, dass 81% der Variabilität (Varianz) des betreffenden Kriteriumsmerkmals durch die Variabilität der Testwerte erklärt werden (und umgekehrt).

Ein Koeffizient von 0,8 –> 65% erklärter Varianz –> spricht
deutlich gegen ein hohes Ausmaß an Validität.

58
Q

Kriteriumsvalidität Beipspiel: Schulnoten

A

Sprechen Metaanalysen empirischer Daten z.B. gegen einen hohen Zusammenhang von Intelligenz und Schulleistung –> Korrelationskoeffizient 0,5 –> es können nur 25% der Unterschiedlichkeiten (Varianz) der Schulleistungen sind durch die Unterschiedlichkeiten (Varianz) der Intelligenztestergebnisse erklärt werden; 75% der Varianz der Schulleistungen hängen von anderen Faktoren als der Intelligenz ab.

59
Q

Das Problem der prognostischen Validität

A

Das Problem der prognostischen Validität liegt oft in der Entscheidung, welches Kriterium tatsächlich relevant ist. Und dann passiert es oft, dass das relevante Kriterium kaum praktisch zu erheben ist.

60
Q

Übereinstimmungsvalidität

A

Oft beanspruchen Testkonstrukteure auch hohe Kriteriumsvalidität für ihr Verfahren, wenn dessen Testwerte mit denen eines anderen psychologisch diagnostischen Verfahrens hoch korrelieren, welches (angeblich) dasselbe Konstrukt erfasst (man spricht von „Übereinstimmungsvalidität“). Dieser Ansatz überzeugt allerdings wenig: Entweder ist das alte Verfahren, welches als Kriterium fungiert, in Bezug auf die üblichen Gütekriterien mangelhaft, dann taugt es auch nicht als relevantes Kriterium; oder es entspricht allen Gütekriterien, dann besteht für das zu validierende (neue Verfahren) eig. kein Bedarf (Stichwort Nützlichkeit).

61
Q

3.3.3 Konstruktvalidität - Definition

A

Bildet ein Test laut bestimmter mathematisch-statistischer Modelle genau diejenige, auf ausreichender empirischer Evidenz begründete psychologische Theorie ab, welche dem zu messen beabsichtigten Konstrukt zugrunde liegt, ist modellbasierte Konstruktvalidität gegeben.

62
Q

Weshalb sind Grundkenntnisse der Methodenlehre für den Diagnostiker wichtig? (Konstruktvalidität)

A
  • Der methoden-wenig-sachverständige Diagnostiker muss dem Testkonstrukteur schlicht vertrauen
  • der methoden-sachverstände Diagnostiker kann ihn kontrollieren –> deshalb sind Grundkenntnisse der Methodenlehre für den Diagnostiker wichtig.
63
Q

Wie funktioniert die Konstruktvalidierung?

A
  • Vielfach wird die explorative Faktorenanalyse zur Konstruktvalidierung genannt. Wie „explorativ“ ausdrückt, dient sie aber nur zum Auskundschaften bestimmter Datenstrukturen und kann also bestenfalls Theorien begründen.
  • Vielmehr muss es sich um eine konfirmatorische Faktorenanalyse handeln: dabei werden die einzelnen Testkennwerte der Testbatterie so in einer Faktorenstruktur modelliert, d.h. ein Lineares Strukturgleichungsmodell definiert, wie es inhaltlich mit der interessierenden psychologischen Theorie übereinstimmt.
  • -> sog. Goodness-of-Fit Indizes beurteilen dann, inwieweit die Daten durch die modellspezifischen Parameterschätzungen erklärt werden können.
64
Q

3.4 Ökonomie - Definition

A

Ein Test erfüllt das Gütekriterium Ökonomie, wenn er, gemessen am diagnostischen Informationsgewinn, relativ wenig Ressourcen (Zeit, Geld) beansprucht. Im Zusammenhang damit interessieren 2 Themen: Wirtschaftlichkeit & Aufwandsminimierung sowie adaptives Testen.

65
Q

Wirtschaftlichkeit & Aufwandsminimierung

A
  • Prinzip der Wirtschaftlichkeit: betriebswirtschaftlich ist damit der Ertrag eines Projekts im Verhältnis zu seinem Aufwand gemeint. Beim psychologischen Diagnostizieren besteht der Ertrag im Informationsgewinn, der zur Beantwortung der gegebenen Fragestellung hilfreich ist.
  • Sachlichkeit ist vorrangig! Jede angestrebte Aufwandsminimierung ist nur so lange gerechtfertigt, wie die Sachlichkeit psychologischen Diagnostizierens darunter nicht leidet.
66
Q

Psychologisches Diagnostizieren verfehlt beim Streben nach Aufwandsminimierung sein Ziel, wenn…

A
  • eine nicht ausreichend ausgebildete Person als Tl fungiert.
  • auf den Einsatz von Tests dort verzichtet wird, wo diese wertvolle Info liefern würden.
  • Tests verwendet werden, anstatt dass eine systematische Verhaltensbeobachtung erfolgt, weil
    erst diese die relevante diagnostische Information bringen würde.
  • lediglich Tests zum Einsatz kommen, mit denen der Psychologe seit Jahren vertraut ist, die aber
    weniger diagnostische Info liefern als andere.
  • ausschließlich Tests eingesetzt werden, die nach geltendem (Kranken-)Kassenvertrag abzurechnen sind, obwohl andere den diagnostischen Infogewinn steigern könnten.
  • die Testauswahl primär danach erfolgt, dass die Vorgabe des Tests oder wenigstens seine
    Auswertung über Computer möglich ist.
67
Q

Adaptives Testen

A
  • Beim adaptiven Testen werden jeder Person in Abhängigkeit von ihrer Leistung in vorausgehenden
    Aufgaben andere weitere Aufgaben vorgegeben
    –> es erfolgt pro Person eine leistungsangepasste
    Auswahl von Aufgaben aus einem größeren Aufgabenpool.
  • Es werden also die Aufgaben(- schwierigkeiten) an das Leistungsvermögen einer Person adaptiert.
  • Ziel = Testung auf jene Aufgaben zu beschränken, die für die angestrebte Fähigkeitsmessung der betroffenen Person tatsächlich informativ sind. Wenig informativ sind Aufgaben, von denen schon von vornherein fast sicher ist, dass die Person sie schon/nicht lösen wird.
68
Q

Das Prinzip des adaptiven Testens ist als Kritik am konventionellen Testen zu verstehen:

A

1) Üblicherweise: Trotz langen Tests (z.B. WAIS-IV) sind pro Tp nicht genug Items informativ –> Tl weiß schon vorher Bescheid, dass es nur bei wenigen Items ungefähr gleich wahrscheinlich ist, dass die Tp sie löst oder nicht –> unökonomisch, da zu viele zu leichte und zu schwere Items.
2) In extremen Fähigkeitsbereichen ist zwischen 2 Tpn kaum genau zu differenzieren –> trotz großer Testlänge nur sehr wenige informative Items
3) Da nur zwischen Items innerhalb ähnlicher Fähigkeitsausprägungen zwischen verschiedenen Personen differenzieren, können die üblichen Zufallseinflüsse den resultierenden Testwert stark verzerren –> Messfehler ist groß –> Interpretation eines Leistungsprofils schwer möglich, weil die meisten Unterschiede zwischen den Testwerten auch bloß auf den Messfehler zurückzuführen sein könnten.
4) Die Items werden in der Reihenfolge ihrer Schwierigkeiten vorgegeben –> die zu leichten Items am Anfang wirken demotivierend, die am Ende zu schwierigen frustrierend (Achtung: Viele Testbatterien beenden die Testvorgabe nach einer gewissen Anzahl hintereinander nicht gelöster Aufgaben)

69
Q

Formen des Adaptiven Testen

A

Beim adaptiven Testen lässt sich unterscheiden zwischen tailored-testing und branched-testing. Beide Strategien gehen davon aus, dass die Itemparameter (eines sehr großen Itempools) bereits aus sog. Kalibrierungsstudien bekannt sind.

  • Tailored-Testing bekommt jeder am Beginn ein durchschnittlich schwieriges Item. Je nachdem, ob
    die Tp dieses Item löst oder nicht bekommt sie als nächstes das schwierigste bzw. leichteste Item geboten
    usw. –> im Wesentlichen beruht das Weitere auf dem sog. Rasch-Modell
  • Das branched-testing ist gegenüber dem tailored-testing eine nicht ganz optimale Strategie. Hier wird
    nicht nach der Bearbeitung jedes einzelnen Items das aktuell informativste Item gewählt, sondern zwischen Itemgruppen wird je nach Leistungsgüte in verzweigter Weise verwiesen –> so kann die Testvorgabe auch ohne Computer auskommen.
70
Q

Tailored-Testing nach dem Rasch-Modell

A

Die Schätzung des Personenparameters gelingt mit Hilfe der Maximum-Likelihood Methode. Die Testvorgabe ist zu beenden, wenn die Differenz der Schätzungen ein und desselben Fähigkeitsparameters bei zwei aufeinander folgenden Items vernachlässigbar ist. Ein Itempool muss aus etwa 60-70 Items bestehen –> nach ca. 15 Items: hinreichende Genauigkeit.

71
Q

Vorteile des adaptiven Testens

A

1) Bei gleicher Testlänge wesentlich größere Messgenauigkeit (bzw. gleiche Messgenauigkeit bei
kürzerer Testlänge) –> Erfahrung zeigt: Ein halb so langer adaptiver Test reicht aus, um ebenso genau wie mit einem konventionellen Test zu messen

2) Es wird in allen Fähigkeitsbereichen gleich genau gemessen
3) Motivationale Beeinträchtigungen sind beim adaptiven Testen nicht zu erwarten
4) Mit der höheren Messgenauigkeit pro Untertest: Interpretation des Leistungsprofils möglich!

72
Q

3.5 Nützlichkeit - Definition

A

Ein Test ist dann nützlich, wenn für das von ihm gemessene psychische Merkmal praktische Relevanz besteht und die auf seiner Grundlage getroffenen psychologischen Entscheidungen (Maßnahmen) mehr Nutzen als Schaden erwarten lassen.

73
Q

Es gibt zumindest 2 ziemlich gegensätzliche, typische Nutzenfunktionen:

A
  • Den Test bloß zu einem Screening einzusetzen mit dem Ziel, auch bei nur geringsten Verdacht den (befürchteten) Befund positiv zu diagnostizieren
  • Mit dem Test keinesfalls voreilig einen positiven Befund zu diagnostizieren, etwa um eine „Etikettierung auf Dauer“ zu vermeiden
  • -> Je nachdem resultiert der Gesamtnutzen.
74
Q

Das Dilemma des Diagnostikers

A

Wichtig ist die Auseinandersetzung mit der eigenen, implizit gegebenen Nutzenfunktion – v. a. am Anfang in der Berufskarriere –> das „Dilemma des Diagnostikers“ zu erkennen, also den Konflikt, sich schlicht für eine Diagnose definitiv entscheiden zu müssen, obwohl bei ihrer Unrichtigkeit womöglich weitreichende negative Konsequenzen verbunden sind.

75
Q

3.6 Zumutbarkeit - Definition

A

Ein Test erfüllt das Gütekriterium Zumutbarkeit, wenn er die Tp absolut und relativ zu dem aus seiner Anwendung resultierenden Nutzens in zeitlicher, psychischer sowie körperlicher Hinsicht schont. Es ist abzuwägen, wo die Grenze zwischen dem subjekt- und dem gesellschaftsbezogenen Nutzen zu ziehen ist
–> in psychologisches Diagnostizieren greifen gesellschaftspolitische Werte bzw. Ideologien ein.

76
Q

Psychologische Diagnostik muss sich zum Zwecke der Zumutbarkeit folgende Fragen stellen (9)

A

1) Welche Durchführungsdauer ist regelmäßig, welche in Ausnahmefällen zumutbar – und das alles in Abhängigkeit verschiedener Populationen von Tpn
2) Wie schwierige Aufgabenstellungen innerhalb von Leistungstests sind zumutbar?

3) Wie weit in die „Tiefe“ gehende Fragen zum persönlichen Intimbereich sind regelmäßig bzw. in
welchen Ausnahmefällen zumutbar?
z.B. „Wie häufig leiden Sie unter Verstopfung“ –> etliche Personen könnten sich in ihrer Menschenwürde angegriffen fühlen

4) Inwiefern sind Leistungstests im MC-Format zumutbar – und zwar in Abhängigkeit von der Fragestellung (Auswahlsituation, Beratungskontext etc.)
Problem: Immer Glück/Pech beim Raten dabei

5) Inwiefern ist bei Persönlichkeitsfragebogen regelmäßig bzw. in welchen Ausnahmefällen ein dichotomes Antwortformat zumutbar – und zwar in Abhängigkeit verschiedener Populationen von TPn?
Problem: Manche TPn kann es belasten, wenn sie keine Möglichkeit des angemessenen Abstufens haben und sich zwischen 2 Extremantworten entscheiden müssen

6) Inwiefern sind Persönlichkeitsfragebogen wegen ihrer Durchschaubarkeit überhaupt zumutbar?
Problem: Manche TPNs könnten sich wegen der offensichtlichen Verfälschbarkeit nicht ernst genug
genommen fühlen und es als Beleidigung auffassen –> „Für wie dumm halten die mich?“ –> Hier spielt auch das Gütekriterium Unverfälschbarkeit eine Rolle

7) Inwiefern sind Projektive Verfahren wegen ihrer fehlenden Augenscheinvalidität überhaupt bzw.
für welche Fragestellungen zumutbar?
Problem: Manche TPn fragen sich, welche Erkenntnisse der Psychologe denn daraus gewinnen möchte, wenn man die Familie in Gestalt von beliebigen Tieren zeichnet.

8) Inwiefern sind Objektive Persönlichkeitstests mit ihren die TP experimentell manipulierenden
Aufgabenstellungen überhaupt bzw. für welche Fragestellungen zumutbar
Problem: Heutige objektive Persönlichkeitstests manipulieren die TPn experimentell, d.h. sie
erzeugen absichtlich z.B. Stress oder Frustration –> dabei geht es im weitesten Sinn um eine Arbeitsprobe.

9) Welcher psychologische Untersuchungsablauf ist zumutbar, welcher nicht? Welche Pausengestaltung ist zumutbar?

77
Q

Berufspflicht des Psychologen hinsichtlich der Zumutbarkeit

A

Es ist Berufspflicht des Psychologen, die „Akzeptanz“ der Tp dadurch anzustreben, dass ausreichende Erläuterungen gegeben werden, und zwar über den Zweck der Testung, die Testdauer, die Aufgabenstellung sowie evtl. über die Auswertung, die Interpretation, v. a. aber über die mit dem allfälligen Testergebnis verbundenen Konsequenzen.

78
Q
  1. Psychologisches Diagnostizieren - Definition
A

Psychologisches Diagnostizieren ist ein Prozess, der unter Zuhilfenahme besonderer Verfahren
zielgerichtete Informationen über die psychischen Merkmale von einem (od. mehreren) Menschen
gewinnen will.

79
Q

Der Prozess psychologischen Diagnostizierens

A

1) Klärung der Fragestellung
2) Auswahl der einzusetzenden Verfahren
3) Anwendung und Auswertung der Verfahren
4) Interpretation und Gutachtenerstellung
5) Festsetzen der Intervention (des Maßnahmenvorschlags)

80
Q

4.1 Klärung der Fragestellung

A

Bei der Klärung der Fragestellung kommt es meist zu einer Anamneseerhebung bzw. Exploration

81
Q

Exploration - Definition

A

Exploration = Erkunden bestimmter Sachverhalte und subjektiver Betrachtungen mittels qualifizierter
Gesprächsführung. Sie ist eine mündliche Befragung der untersuchten Person (und/oder der mit ihr in
Beziehung stehenden Personen) mit dem Zweck, einen genaueren Einblick in die konkrete Problemsituation zu gewinnen und damit Hypothesen über Bedingungszusammenhänge bestimmter Gegebenheiten zu bilden und/oder abzuklären.

–> Die Exploration dient also der Hypothesengewinnung über Bedingungszusammenhänge, d.h. welche
Gegebenheiten erwünschtes (Erleben und) Verhalten im gegebenen Fall verhindern oder unerwünschtes
(Erleben und) Verhalten verursachen.

82
Q

Die Anamneseerhebung

A

Die Anamneseerhebung bezieht sich speziell auf das Erfragen der Kranken-, besser: der Vorgeschichte der
untersuchten Person

83
Q

Verhaltensgleichung nach WESTHOFF und KLUCK

A

WESTHOFF und KLUCK geben eine Verhaltensgleichung, wonach folgende Bedingungsvariablen zur Erklärung, Prognose und Veränderung individuellen Verhaltens relevant sind:

  • Umgebungsvariablen
  • Organismusvariablen
  • Kognitive Variablen
  • Emotionale Variablen
  • Motivationale Variablen
  • Soziale Variablen
84
Q

4.2. Auswahl der einzusetzenden Verfahren

A

Bei der Auswahl der einzusetzenden Verfahren kommen die Gütekriterien zum Tragen. Davon abgesehen ist das Verhältnis von Situationsunabhängigkeit und Item-Stichprobe wesentlich.

85
Q

Situationsüberdauernde Verhaltensweisen

A

Situationsüberdauernde Verhaltensweisen, die auf eine grundlegende Eigenschaft der untersuchten Person hinweisen:
Intelligenz > Persönlichkeitszüge/berufl. Interessen > Werthaltungen > Selbstbeurteilungen > Einstellungen

86
Q

Situationsunabhängigkeit

A

In der Teildisziplin Psychologische Diagnostik geht es um die Art und Weise der Feststellung von Unterschieden zwischen einer bestimmten konkreten Person und anderen, auch abstrakten, z.B. (ideal-)typischen Personen. Es ergibt sich auch die Frage: Inwieweit sind die zum Untersuchungszeitpunkt beobachteten Verhaltensweisen situationsüberdauernd?

87
Q

Ziel eines psychologisch-diagnostisches Verfahrens („Test“)

A

ein psychologisch-diagnostisches Verfahren („Test“) erhebt unter standardisierten Bedingungen eine Informationsstichprobe, indem systematisch erstellte Fragen/Aufgaben interessierende Verhaltensweisen
oder psychische Vorgänge auslösen. Ziel ist es, die fraglichen Merkmalsausprägungen zu bestimmen.

88
Q

Wann ist das Kriterium der “Testbarkeit” einer Person gegeben?

A

Testbarkeit einer Person ist gegeben, wenn diese sowohl absolut als auch in Relation zu möglichen anderen Untersuchungsterminen in körperlicher und psychischer (insb. energetisch-motivationaler) Hinsicht in der Lage ist, die dabei gestellten Anforderungen ihrer spezifischen Wahrhaftigkeit gemäß zu erfüllen – also ohne systematisch benach- oder bevorteilt zu werden.

89
Q

Testbarkeit im Gruppen- vs. Einzelsetting

A
  • Vor allem bei Kindern ermöglichen es Gruppenverfahren kaum, die Testbarkeit abzuklären. Lapidares Rückfragen selbst in der Einzelsituation, ob das Kind die Instruktion verstanden habe, nützt wenig, wenn dieses ein zu geringes Selbstbewusstsein hat, um Unverständnis zuzugeben oder noch nicht gelernt hat, dass es Anspruch auf Hilfeleistung hat. So kann es bei solchen Kindern zum Bearbeiten eines Gruppenverfahrens kommen, ohne dass das mangelnde Instruktionsverständnis dem fallführenden Psychologen jemals bekannt ist.
  • Umgekehrt kann das Instruktionsverständnis bei Einzelverfahren wegen des ziemlich ununterbrochenen
    Kontakts zwischen Tl und Tp leicht geprüft werden –> Man sieht ob die Tp „zuhört“, „versteht“ und „sich merkt, was ihr gesagt wird“.
90
Q

4.3 Auswahl, Anwendung & Auswertung; Interpretation und Gutachtenerstellung

A

Im Zusammenhang mit Auswahl, Anwendung & Auswertung der Verfahren sowie der Interpretation und
Gutachtenerstellung sind Überlegungen zu Prozess-Strategien relevant; also allgemeine strategische
Optionen in der Abwicklung des diagnostischen Prozesses, nämlich:
- Planungsstrategien
- Untersuchungsstrategien
- Entscheidungsstrategien

91
Q

Planungsstrategien

A

Unter Planungsstrategie fällt, ob ein Anforderungsprofil eigens erstellt werden muss oder ein solches bereits explizit vorliegt. Ein Anforderungsprofil listet jene psychologischen Merkmale in ihrer Ausprägung auf, wie sie ein Kandidat mindestens erfüllen muss, um für einen bestimmten Beruf/Ausbildungsplatz etc. in Frage zu kommen. Es ähnelt damit einem Leistungsprofil.

92
Q

Welche Methoden gibt es um die Anforderungen zu erheben?

A
  • Psychologischer Arbeitsplatzanalyse

- Methode der kritischen Ereignisse

93
Q

Psychologischer Arbeitsplatzanalyse

A

Psychologischer Arbeitsplatzanalyse (Arbeitsanalyse) ist die Beschreibung der Arbeitstätigkeit, ihrer Ausführungs- und Rahmenbedingungen unter dem Aspekt der psychischen Struktur und Prozesse zu verstehen. Sie sollte idealerweise 3 Informationsquellen berücksichtigen:
1) Die (vorzugsweise standardisierte) Befragung des Vorgesetzten
2) Die Befragung eines Kollegen mit vergleichbarem Arbeitsplatz
3) Die systematische Verhaltensbeobachtung der Tätigkeiten des betroffenen Arbeitsplatzinhabers
während eines ganzen Arbeitstages, und zwar durch einen Außenstehendem, dem Psychologen.

94
Q

Methode der kritischen Ereignisse

A

Bei der Methode der kritischen Ereignisse ist der Ausgangspunkt, dass sich bewährte von weniger
bewährten Arbeitsplatzinhabern in Bezug auf ihr Verhalten in bestimmten Arbeitssituationen
unterscheiden, und diese insofern kritisch (besser: entscheidend) sind.

Diese kritischen Situationen/Ereignisse/Vorfälle gilt es als Erstes zu erheben. Die kritischen Ereignisse
werden
1) in Situationsklassen kategorisiert (z.B. „gibt Gutachten aus Seminaren rechtzeitig ab“.
2) Situationsklassen werden dann Situationskategorien (z.B. „Seminare“) zugeordnet.
3) Verhaltensnennungen werden weiter in Verhaltensklassen zusammengefasst (z.B. „Situations- und Zeitmanagement“).

95
Q

Untersuchungsstrategien

A

Unter Untersuchungsstrategie fällt, ob traditionell oder mittels eines „Self-Assessments“ Informationen über die zu untersuchende Person gesammelt werden. Beim Self-Assessment erfolgt der diagnostische Prozess fachpsychologisch und kontrolliert – die sachgemäße Durchführung liegt in der Eigenverantwortlichkeit der Tp – d.h., nur wenn sie instruktionskonform arbeitet, sind aus den gewonnenen Ergebnissen aussagekräftige Schlüsse zu ziehen.

Neu ist die Untersuchungsstrategie „Diagnostikbegleitende Intervention (Förderung)“. Dabei geht es nicht nur um Abprüfen von Wissensinhalten, sondern auch darum, der damit konfrontierten Person
unmittelbar Rückmeldung zu geben, welche Themenberieche von ihr noch einer vertiefenden
Einarbeitung und Erforschung bedürfen –> so initiiert jede Aufgabe, die nicht vollkommen gelöst werden
kann, über Selbstregulation ein individuelles Förderprogramm.

96
Q

Entscheidungsstrategien

A

1) ob die gestellten Anforderungen völlig gleichwertig nebeneinander bestehen oder sie hierarchisch
nach Wichtigkeit geordnet sind

2) ob jede einzelne Anforderung unabdingbar ist oder die Anforderungen nicht wechselseitig kompensierbar sind (es gilt meist ein „multiples Minimum-Kriterium“ –> Wer eine bestimmte Anforderung nicht in bestimmtem Mindestausmaß erfüllt, ist von der weiteren Betrachtung
auszuschließen.

3) ob eine Bestenauswahl oder Auswahl Geeigneter erfolgt (es ist leichter die besten auszuwählen als alle potenziell geeigneten valide zu prognostizieren)
4) ob eine norm- oder kriteriumsorientierte Diagnostik stattfinden soll
5) ob förderungsorientierte Diagnostik oder Selektionsdiagnostik erfolgen soll

97
Q
  1. Grundlagen zur Theorie und Praxis von Leistungstests - Inhalte
A

1) Freies Antwortformat vs. Multiple Choice
2) Power- vs. Speed-and-Power-Test und Gruppen- vs. Individualverfahren
3) Papier-Bleistift-Verfahren vs. Computerverfahren

98
Q

Freies Antwortformat vs. Multiple Choice

A
  • Vorteil MC-Format: Verrechnungssicher
  • -> Beim freien Antwortformat bedarf es eines tiefgehenden Verständnisses des Testkonzepts
  • Vorteil Freies Format: Aufschlussreicher
  • Nachteil MC-Format: „Wiedererkennen“ fällt leichter als
    „Reproduzieren“
  • Nachteil MC-Format: Verschiedene Lösungsstrategien
  • Nachteil MC-Format: Ratewahrscheinlichkeit
99
Q

Lösungsstrategien bei MC-Format

A
  • Ausschlussverfahren
  • Versuch- und Irtumstrategie
  • Produktionsstrategie
100
Q

Praktikable Lösungen für das MC-Format Problem

A

a) Simpel: 8 Antwortmöglichkeiten (1 aus 8; nur noch 12,5% richtig geraten))– z.B. WMT-2
b) Mehr als eine Lösung! (z.B. 2 auf 5, 10%) –> Ein Item gilt nur dann als gelöst (1 Punkt), wenn von der Tp beide Lösungen und kein Distraktor gewählt wird. (Alternativ: x aus 5) –> Punkte nur bei: Alle richtigen Lösungen und kein Distraktor gewählt –> Nur noch 3% richtig geraten
c) Sequentielle Vorgabe der Antwortmöglichkeiten (z.B. bei Syllogismen – bei jeder Aussage muss einzeln geantwortet werden, ob sie richtig oder falsch ist –> Item gilt nur als richtig, wenn sequentiell bei einem Distraktor auf „weiter“ geklickt wird und bei der Lösung auf „Lösung“ (Ratewahrscheinlichkeit je nach Position der Antwort, im Mittel 16,75% –> wie 1 aus 6.)

101
Q

Auf welche Art von Daten kann die Faktorenanalyse angewandt werden?

A
  • Dichotome Daten
  • Centil-Werte
  • Intervallskalierte Daten
  • Stanine-Werte
  • T-Werte
102
Q

Zusammenhang von Power- vs. Speed-and-Power-Test und Gruppen- vs. Individualverfahren

A

Power- vs. Speed-and-Power-Test und Gruppen- vs. Individualverfahren hängen insofern zusammen, als
Gruppenverfahren nur sehr selten ohne “Speed” auskommen und Individualverfahren kaum auf “Speed“
setzen. Der Einsatz mehrerer Tests bzw. einer Testbatterie innerhalb einer einzigen Sitzung macht es bei der Vorgabe in der Gruppe fast unmöglich, jeder Tp jeweils ein individuelles Zeitbudget einzuräumen. Eine
für alle Tpn ungestörte, psychologisch-diagnostisch vertretbare Testsituation wäre in diesem Fall nämlich
nur schwer zu gewährleisten.

103
Q

Lösungen für Speed-Power und Gruppen-Individual Testungsproblem

A
  • Computerverfahren: jeder TP können individuell verschiedene Tests, zu unterschiedlichen Startzeiten und mit individueller Bearbeitungszeit vorgegeben werden.
  • trotz Gruppenvorgabe tatsächlich nur die Power-Komponente bei einem Test zu erfassen (z.B. 3DW und AID-G)
104
Q

Papier-Belistift vs. Computer

A
  • Für den Einsatz der Computerdiagnostik spricht oft, dass Personen aus bestimmten Populationen nur dann dem psychologischen Diagnostizieren überhaupt Wert beimessen, wenn es mittels Computer erfolgt
  • -> Verwendung von Papier-Bleistift-Verfahren wirkt für sie unzeitgemäß.
  • Zugang zu bisher nicht erfassbaren Eigenschaften (z.B. Testung von Belastbarkeit im BACO - Maus bewegt sich von alleine usw.)
105
Q
  1. Grundlagen zur Theorie und Praxis von Persönlichkeitsfragebögen
A
  • PF und Unverfälschbarkeit
  • Techniken und Fragebogengestaltung
  • Techniken der Persönlichkeitsdiagnostik
  • Persönlichkeitstheorien und Konzepte von Persönlichkeitsfragebogen
106
Q

Unverfälschbarkeit - Definition

A

Ein Test erfüllt das Gütekriterium der Unverfälschbarkeit, wenn die getestete Person ihr Testergebnis nicht nach eigenem Belieben beeinflussen kann.

107
Q

Verfälschbarkeit von Fragebögen

A

Zahlreiche Untersuchungen belegen die Verfälschbarkeit von Persönlichkeitsfragebogen. Es gibt dazu viele Experimente mit sog. Verfälschungsinstruktion – z.B. Kubinger – mit Kandidaten des Psychotherapeutischen Propädeutikums

108
Q

Techniken zur Fragebogengestaltung

A

Abgesehen davon, eine „Frage“ als situations- oder eigenschaftsbezogenes Statement zur Stellungnahme zu bieten, oder als unipolare bzw. bi-polare Adjektive (sog. Adjektiv-Liste), unterscheiden sich Persönlichkeitsfragebogen hinsichtlich ihres Antwortformats:
- dichotom („forced choice“; z.B. „stimmt vs. stimmt nicht”)

  • mehrkategoriell-geradzahlig (meist 4- oder 6-kategoriell –> z.B. „starke Ablehnung“ – „Ablehnung“ – „neutral“ – „Zustimmung“ – „starke Zustimmung“)
  • mehrkategoriell-ungeradzahlig (zumeist 5- oder 7-kategoriell; selten 3-kategoriell; z.B. „trifft gar
    nicht zu“ bis „trifft vollständig zu“)
  • „Analogskala“ (an beliebiger Stelle eines abgegrenzten Kontinuums; kann markiert werden)
109
Q

Dichotom vs. Analoges Antwortformat

A

Einzelne Experimente (z.B. KUBINGER) „versprechen“, dass bei Analogskala weniger verfälscht wird als beim dichotomen Antwortformat.

–> Interpretation: Das forced-choice-Antwortformat provoziert „Reaktanz“; dem „Freiheitsentzug“ zufolge
reagieren manche Tpn trotzig, also insofern „zweidimensional“, als sie extra nicht ihrer Persönlichkeit
entsprechen wollen.

110
Q

Vorteile des Dichotomen Antwortformats

A
  • Beim dichotomen Antwortformat (bringt hohe Informationsdichte) hoffen Testleiter, dass sich Unsicherheiten und Zufälligkeiten beim Antworten in der Summe „ausmitteln“.
  • Beim mehrkategoriellen Antwortformat ist das Gütekriterien Skalierung schwierig/unwahrscheinlich.
- Die meisten Tpn hoffen auf möglichst viele Antwortmöglichkeiten, um Nuancieren zu können, mit
unentschiedener Kategorie (z.B. „weiß nicht“)
  • Andere Testpersonen bevorzugen ein dichotomes Format, weil sie sich sonst entscheidungsmäßig
    überfordert fühlen.
111
Q

Techniken der Persönlichkeitsdiagnostik

A
  • Persönlichkeitsfragebogen: Zu Bedenken bei Selbstauskunft:
    o Faking good
    o Alexithymie (Unvermögen, eigene Gefühle angemessen wahrnehmen/beschreiben zu können)
    o Selbstbetrügerische Tendenzen: Aufgrund einer naiven aber ehrlichen Selbstbeurteilung einer Tp wird ein Verhalten gezeigt, das völlig dem Verfälschen gleicht – ohne, dass dies der Tp bewusst ist.
  • Objektive Persönlichkeitstests (sensu CATTELL)
  • Projektive Verfahren
  • (systematische) Verhaltensbeobachtung
112
Q

Persönlichkeitstheorien und Konzepte von Persönlichkeitsfragebogen

A
  • Geht auf Cattell zurück: 16 PF beruhend auf der Sedimentationshypothese
  • Costa & McCrae kamen erst auf 3 (NEO) und dann auf zusätzlich 2 (AC) Faktoren
113
Q

Objektive Persönlichkeitstests - Definitionen

A
  • Objektive Persönlichkeitstests gehen auf CATTELL zurück und versuchen, persönliche Stilmerkmale aus
    dem beobachtbaren Verhalten bei bestimmten (Leistungs-)Anforderungen zu erschließen. Heute
    versuchen sie, die Tp experimentell zu manipulieren, d.h. absichtlich & gezielt z.B. Stress oder Frustration zu erzeugen
  • Neue Definition nach Kubinger: Die experimentalpsychologische Verhaltensdiagnostik als eine (psychologische) „Technologie“ bezieht sich auf Verfahren, die aus dem beobachtbaren Verhalten bei experimentell variierten Leistungsanforderungen persönliche Stilmerkmale erschließen, wobei die Registrierung der Art und Weise der Problembearbeitung der Computer übernimmt.
114
Q

Kognitiver Stil - Definition

A
  • Dabei handelt es sich um „die von einem Menschen durchgängig und beständig benutzte Art der Informationsverarbeitung“, d.h., dass sich Individuen beim Vollzug kognitiver Operationen (Wahrnehmen, Begriffsbilden & Denken) gesetzmäßig voneinander unterscheiden. Derartige Unterschiede fielen zunächst beim Wahrnehmen auf und wurden als Wahrnehmungsstil
    (perzeptiver Stil) bezeichnet
  • Ein bestimmter kognitiver Stil ist weder zwingend positiv noch zwingend negativ zu bewerten. Vielmehr beschreibt er nur persönlichkeitsmäßig bedingte Eigenarten einer Person, wie diese denkt bzw. wie diese an die Lösung von Problemen herangeht
115
Q

Arten von Kognitiven Stilen

A
  • Reflexivität oder Impulsivität
  • feldab- vs. feldunabhängigen Wahrnehmungsstils
  • Repression vs. Sensitazion
  • Rigidität vs. Flexibilität
116
Q

Reflexivität oder Impulsivität

A

Der kognitive Stil Reflexivität oder Impulsivität bezieht sich darauf, ob eine Person in Problemsituationen
entweder langsam und fehlerarm oder schnell und fehlerreich arbeitet.

117
Q

Feldab- vs. feldunabhängiger Wahrnehmungsstil

A
  • Bei einer Person des feldabhängigen Wahrnehmungsstils übt die Wahrnehmungsumgebung bzw. das
    Umfeld einen starken Einfluss auf und lenkt vom wahrzunehmenden Zielobjekt ab.
  • Dagegen kann eine Person des feldunabhängigen Stils die Wahrnehmung auf das wahrzunehmende Zielobjekt (leicht) fokussieren
118
Q

Rigidität vs. Flexibilität

A
  • Flexibilität kann man als die Neigung zu spontaner Verhaltensoptimierung verstehen: Zielführende
    Verhaltensmuster sind zwar für die betreffende Person verfügbar, Umweltbedingungen fordern auch gar
    keine Verhaltensänderung, trotzdem kommt es zu durchaus effizienten Verhaltensmodifikationen.
  • Rigidität bedeutet dagegen eine mehr oder weniger große Unfähigkeit, erlernte/eingefahrene Denk- und
    Handlungsweisen (und Einstellungen) zu ändern
119
Q

Experimentalpsychologische Verhaltensdiagnostik zur Erfassung spezieller Konstrukte

A
  • Frustrationstoleranz:

- Belastbarkeit

120
Q

Frustrationstoleranz

A
  • Frustration ist das Erleben der wirklichen oder vermeintlichen Benachteiligung, der Zurücksetzung, des
    Zukurzkommens bei enttäuschter Erwartung. Es geht also um die wirkliche oder auch nur irrtümlich
    angenommene Verhinderung einer Motivbefriedigung.
  • Frustrationstoleranz ist die Fähigkeit, Frustration über eine längere Periode auszuhalten, ohne dass der Versuch gemacht wird, die Spannungen indirekt zu mildern –> am ursprünglichen Ziel der Motivbefriedigung, an der entstandenen Motivation wird also festgehalten. (Bspaufgabe: Symbole kodieren)
121
Q

Belastbarkeit

A

Belastbarkeit ist das Ausmaß, in dem es einer Person gelingt, den Belastungen standzuhalten, d.h. ihre gegebene Beanspruchung gering zu halten und somit Leistung und Befindlichkeit unbeeinflusst zu lassen. (Bspaufgabe: veralteter PC im BACO)

122
Q

Berufsethische Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Psychologen und der Deutschen Gesellschaft
für Psychologie

A

„Psychologen pflegen größtmögliche sachliche und wissenschaftliche Fundierung, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit bei der Erstellung und Verwendung von Gutachten und Untersuchungsberichten.“

123
Q

Wann gilt das Gütekriterium Eichung als erfüllt?

A

Ein Test erfüllt das Gütekriterium Eichung, wenn für sein Bezugssystem zur Relativierung des individuellen Testergebnisses (sog. Eichtabellen) folgende Bedingungen gegeben sind:

  • Die Eichtabellen sind gültig, d.h. nicht veraltet
  • Die Population, für die die Eichtabellen gelten, ist definiert
  • Die für die Erstellung von Eichtabellen herangezogene Stichprobe ist repräsent
124
Q

Wann gilt das Gütekriterium Eichung als erfüllt?

A

Ein Test erfüllt das Gütekriterium Eichung, wenn für sein Bezugssystem zur Relativierung des individuellen Testergebnisses (sog. Eichtabellen) folgende Bedingungen gegeben sind:

  • Die Eichtabellen sind gültig, d.h. nicht veraltet
  • Die Population, für die die Eichtabellen gelten, ist definiert
  • Die für die Erstellung von Eichtabellen herangezogene Stichprobe ist repräsent
125
Q

Wann gilt das Gütekriterium Skalierung als erfüllt?

A

Ein Test erfüllt das Gütekriterium Skalierung, wenn die laut Verrechnungsvorschriften resultierenden Testwerte die empirischen Verhaltensrelationen adäquat abbilden.

126
Q

Beispiele von Fragen/Tests die das Gütekriterium Skalierung nicht erfüllen

A
  • Kinder fragen: „Was musst du tun, damit das Wasser kocht?“
  • -> Leistungsschwache Kinder (Auf den Herd stellen) fällt die Antwort leichter als leistungsstarken (Physikalische Erklärung)
  • „Welche Frage erhält man, wenn man die Farben Blau und Gelb miteinander vermischt?“ und „Wie viele Menschen gibt es auf der Welt?“
  • -> Die 1. Aufgabe fällt Mädchen leichter
  • -> die 2. Aufgabe Buben
  • Unfaire Skalierung im Sport (Beispiel: Sprint)
127
Q

Was muss der Diagnostiker beachten um rechtlich abgesichert zu sein?

A

Werden zur Erstellung eines psychologischen Gutachtens nur Verfahren verwendet,
- deren Eichung als hinreichend aktuell gelten (Gültigkeitsüberprüfung nicht wesentlich älter als 8
Jahre)
- deren Skalierung abgesichert wurde,
so ist der Gutachter auf der sicheren Seite: Es besteht dann kein Anlass zur Rechtsklage auf entsprechende Verletzung der Sorgfaltspflicht.

128
Q

Welche rechtlichen Vorgaben/Qualitätsstandards gibt es?

A
  • Qualitätsstandards für psychologische Gutachten laut Diagnostik- und Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen
  • Richtlinie für die Erstellung von klinisch-psychologischen und gesundheitspsychologischen Befunden und Gutachten vom „Psychologenbeirat“ des österreichischen BM für Gesundheit
  • DIN 33430: Nimmt auch Bezug zu den Gütekriterien Eichung und Skalierung
129
Q

Wie lang darf laut DIN 33430 die letzten Normwerte her sein?

A

Als Anforderungen an berufsbezogene Eignungsdiagnostik verlangt die DIN 33430 explizit, dass die
„Angemessenheit der Normwerte in den letzten 8 Jahren überprüft worden“ ist